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Türkische Pionierin Eine gebildete Frau, verjagt aus der eigenen Heimat: Wer war Safiye Ali?

Google Doodle für Safiye Ali
Am 2. Februar 2021 ehrte Google Safiye Ali mit einem Doodle
© Google
Safiye Ali hatte einen Berufswunsch, der Frauen ihrer Zeit nicht zugestanden wurde. Sie ging in ein anderes Land, um ihren Traum zu erfüllen – und hoffte, bei ihrer Rückkehr endlich anerkannt zu werden.

Am 2. Februar 2021 wäre Safiye Ali 127 Jahre alt geworden. In Istanbul geboren, schrieb sie als erste türkische Ärztin Landesgeschichte und gilt noch heute als Vorreiterin für Frauen in der Medizin. Der Weg dorthin war für die junge Ali jedoch alles andere als einfach. 

Schon früh hatte Safiye Ali große Ziele und träumte davon, Ärztin oder Physikerin zu werden. Sie lebte jedoch in einer Zeit im damaligen Osmanischen Reich, in der höhere Bildung für gewöhnlich den Männern vorenthalten war. Ihre Berufswünsche galten für eine Frau als unschicklich. Ali jedoch gab nicht viel auf die Etikette und machte ihren Abschluss an der Amerikanischen Schule für Mädchen in Istanbul. Dort festigte sich auch der Wunsch, Ärztin zu werden. Weil ihr die medizinische Ausbildung in ihrem Heimatland jedoch verwehrt blieb, ging sie 1916 nach Deutschland und schrieb sich an der Universität in Würzburg ein. Schon vor Beginn der Ausbildung hatte sie zahlreiche Soldaten während der Balkankriege und des Ersten Weltkrieges versorgt. 1921 schloss sie das Medizinstudium mit Bestleistungen ab und kehrte zurück nach Istanbul, wo sie als Expertin für Gynäkologie und Pädiatrie ihre erste Praxis eröffnete.

Das Land war noch nicht bereit für sie

Das Misstrauen ließ sich jedoch nicht mit einer fundierten Ausbildung und Bestnoten auslösen. Ali hatte wenige Patienten, selbst die türkischen Frauen waren skeptisch und scheuten sich vor einer medizinischen Behandlung durch eine Frau. Von Männern und anderen Ärzten wurde sie offen angefeindet. Schließlich gab sie den Kampf in ihrem Heimatland auf und ging zurück nach Deutschland, um dort zu praktizieren.

Safiye Ali setzte sich intensiv mit der Gesundheit von Müttern und Kindern auseinander und veröffentlichte bahnbrechende Studien zur Bedeutung des Stillens. Als erste weibliche Dozentin unterrichtete sie an einer Hochschule in Deutschland Studenten in Gynäkologie und Geburtshilfe.

Sufayi Ali kämpfte für Frauen und Kinder

Neben ihrer Tätigkeit als behandelnde Ärztin und Dozentin leitete Ali zahlreiche Hilfsorganisationen und setzte sich unermüdlich für die Ausbildung und medizinische Versorgung von Müttern und Kleinkindern ein. Sie veröffentliche mehrere Fachbücher und vertrat schließlich sogar ihr Heimatland auf zahlreichen medizinischen Kongressen in ganz Europa. 

Mit 58 Jahren verlor Ali den Kampf gegen eine Krankheit, mit der sie sich als Gynäkologin immer wieder auseinandergesetzt hatte: Sie starb am 5. Juli 1952 in Düsseldorf an Brustkrebs.

Quellen: Google WatchBlog"Porträt von Diğer Haberler"


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