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Liebeserklärung an ein Pech-Tier: Schwarze Katzen sehen doof aus auf Selfies? Im Ernst jetzt?

Schwarze Katzen bringen Unglück und - noch schlimmer - sie sehen angeblich unvorteilhaft auf Selfies aus. Zeit, eine Lanze für sie zu brechen. Ja, mein schwarzer Kater Peter: Auch Dich wollte erst niemand haben. Was habe ich Dich geliebt.

Von Annette Berger

Katzen mit schwarzem Fell haben es schwerer als ihre Artgenossen.

Katzen mit schwarzem Fell haben es schwerer als ihre Artgenossen.

Eine Meldung der BBC macht mich traurig. Darin beklagen die Betreiber eines Tierheims in Bristol, dass schwarze Katzen kaum noch neue Besitzer finden. Eine Begründung: Die Tiere sehen wegen ihres dunklen Fells auf Selfies nicht so süß aus wie andersfarbige Katzen. Da die Menschen heutzutage ihr Leben über Selfies lebten, so der Tenor der Geschichte, seien schwarze Katzen unattraktiv für Leute, die ein neues Haustier suchten. Die Einrichtung bietet daher sogar kostenlose Kastrationen für schwarze Katzen an - damit diese möglichst wenig Nachwuchs bekommen 

Schwarze Katzen sind richtige Pechtiere. Das wurde mir zuletzt bewusst, als ich vor einiger Zeit die zwei Katzen eines Freundes hütete, während er im Urlaub war. Ganz stolz war er auf die schwarze. Diese Fellfärbung - also pechschwarz und ohne weiße Flecken oder Stichelhaare - sei sehr selten, sagte er. Denn die ganz schwarzen Exemplare habe man im Mittelalter fast komplett ausgerottet. Galten sie doch als Hexentiere, die man ertränkte oder verbrannte. Seit dieser Zeit gebe es relativ wenig tiefschwarze Katzen. Ob das stimmt, konnte ich nicht verifizieren. Dass Katzen vor allem im Mittelalter wegen des Aberglaubens gequält und getötet wurden, ist bekannt.

Seine Geschwister fanden schnell ein Zuhause

Die schwarze Katze, die mir gut in Erinnerung ist, hieß Peter, war ein Kater und mein erstes Haustier in meiner Kindheit. Und auch er hatte - zumindest als kleines Kätzchen - zunächst Pech wegen seiner Fellfarbe. Alle seine Geschwister hatten schon ein Zuhause gefunden, als sie alt genug waren, um von der Mutter getrennt zu werden. Nur den kleinen schwarzen Kater wurde der Besitzer, ein Arbeitskollege meines Vaters, nicht los.

Als mein Vater das hörte, überlegte er nicht lange. Ich war damals sieben Jahre alt und weiß noch genau, wie mein Papa abends mit dem Kater vor der Tür stand. Er hatte ihn einfach nach der Arbeit mitgenommen, ohne vorher etwas zu verraten. Ich glaube, das war eine der schönsten Überraschungen meines Lebens. Etwas ängstlich saß der halbwüchsige Kater auf dem Arm meines Vaters und blickte auf sein künftiges Zuhause.

Peter lebte sich schnell ein. Wir wohnten damals auf dem Land in Schleswig-Holstein - ein Traum für einen Kater. Er ging ein und aus, wann er wollte, fing Mäuse und hatte alle möglichen Schlaf- und Lieblingsplätze im Garten. Wegen seiner dunklen Farbe und seiner Größe - er wog zehn Kilo, war aber nicht übergewichtig - sah er aus wie ein kleiner Panther. Manchmal blieben Leute vor unserem Haus stehen, um den schwarzen Kater zu bewundern, wenn er auf der Fensterbank thronte.

Keine Angst vor niemandem

Vor Hunden hatte er kaum Angst, und andere Kater wurden des Reviers verwiesen und bekamen dann und wann Prügel ab - was ihm irgendwann ein Teil seines rechten Ohrs kostete.

Als er starb (er bekam Krebs), war ich ein Teenie und stritt mich entsprechend häufig mit meinen Eltern. Aber geweint haben wir alle gemeinsam um unseren Kater. Natürlich auch mein Vater.

Anmerkung: Dieser Text erschien schon einmal – im August 2014. Damals hatte die Daily Mail über ähnliche Sorgen von Tierschützern berichtet. Leider hat sich die Lage von schwarzen Katzen seit damals offenbar kaum verändert

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