Seekriminalität Tatort Ostsee


Gesetzesbrechern bietet das Binnenmeer an Deutschlands östlicher Küste auf Grund seiner geringen Größe und territorialen Lage mit vielen Anrainerstaaten günstigste Bedingungen. Ob Waren- oder Menschenschmuggel, Dreistigkeit und Einfallsreichtum nehmen stetig zu.

Von Fischräuberei über Umweltverschmutzung, Bootsdiebstahl, Zigarettenschmuggel, Drogen- und Autoschieberei bis hin zu Menschenschleusung reicht die Palette der Straftaten an Deutschlands Ostseeküste. "Im Gegenzug kooperieren Bundesgrenzschutz, Polizei und Zoll aufs Engste, und die Zusammenarbeit klappt immer besser", versichert Uwe Tredup, Direktionschef der Wasserschutzpolizei Rostock. Doch Dreistigkeit und Einfallsreichtum der teilweise über Ländergrenzen hinweg organisierten Verbrecher nehmen gerade bei schweren Straftaten zu, wie Tredup und seine Mitstreiter von BGS und Zoll wissen.

Günstige Bedingungen für Gesetzesbrecher

Das Binnenmeer Ostsee bietet den Gesetzesbrechern auf Grund seiner geringen Größe und seiner territorialen Lage mit einer Vielzahl von Anrainerstaaten besonders günstige Bedingungen. Kein Wunder, dass immer neue Versuche gestartet würden, sagt Tredup. Dafür stehen auch die jüngst aufgedeckten Straftaten. Da verhinderte beispielsweise in der vergangen Woche der BGS im Seehafen Rostock gleich in zwei Fällen in letzter Minute Verschiebungsaktionen hochwertiger Kraftfahrzeuge ins Ausland. Mit geleasten beziehungsweise gestohlenen Fahrzeugen der Nobelmarken DaimlerChrysler und BMW hatten russische Täter sich mit der Fähre in Richtung Osten absetzen wollen.

In einem anderen Fall stoppte eine Rostocker BGS-Hafenstreife am Wochenende ein verdächtiges Auto, in dem drei illegal eingereiste Iraker auf ein Fährschiff nach Schweden geschleust werden sollten. Letzter Fall zu Beginn dieser Woche ist der größte in Mecklenburg-Vorpommerns aufgedeckte Zigarettenschmuggel, bei dem nach entscheidenden Tipps aus Polen ein russischer Fischtrawler und eine private Segelyacht aufgebracht werden konnten, auf denen fünf Millionen Glimmstängel sicher gestellt wurden. Ein Deutscher sowie elf Russen und Litauer wurden festgenommen. "Ein besonders gelungenes Beispiel grenzübergreifender Zusammenarbeit", meint Gerhard Rühse vom Zollkommissariat See Stralsund.

Steigende Zahl von Schleusungen

Ein großes Problem im Fährhafen Rostock sind gegenwärtig Menschenschleusungen mit Zügen aus dem italienischen Verona. Wiederholt wurden größere Gruppen illegal eingereister Ausländer in verschlossenen und verplombten Containern entdeckt, wie der BGS berichtet. "Mit 19 Schleusungsaktionen in diesem Jahr zeigt sich eine steigende Tendenz zum Vergleichszeitraum 2002", bedauert der Chef des BGS-Amtes Rostock, Manfred Lohrbach.

Lohrbach weiß auch um die Dunkelziffer und die zu geringe Aufklärungsquote bei Straftaten. So hätten bei 91 von seinen Beamten im Jahr 2002 festgestellten Umweltverschmutzungen im Meer nur in 16 Fällen die Verursacher festgestellt werden können. Die Rostocker Wasserschutzpolizei dagegen deckte bei 844 Kontrollen von Seeschiffen, gemäß der internationalen Marpol-Umweltschutz- und Sicherheitsbestimmungen, 125 Straftaten und 130 Ordnungswidrigkeiten im Vorjahr auf. Das sei bei etwa gleicher Kontrolldichte wie 2001 ein erfreulicher Rückgang an Umweltsündern und zeige die wachsende Wirksamkeit der Kontrollen mit ihren strafrechtlichen Konsequenzen, betont Tredup.

Lutz Jordan

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