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"Aktenzeichen XY...gelöst!" Neue True-Crime-Reihe widmet sich dem Mordfall Johanna

Die achtjährige Johanna B. aus Randstadt-Bobenhausen. Der Fall ist Thema bei Aktenzeichen XY
Die achtjährige Johanna aus Randstadt-Bobenhausen verschwand am 2. September 1999. Am Freitag ist der Fall Thema im ZDF bei "Aktenzeichen XY...gelöst!". 
© stern-Kombo Polizei, dpa
1999 verschwindet im hessischen Ranstadt die achtjährige Johanna. Ein Jahr später wird ihre Leiche gefunden. Die Polizei versucht lange erfolglos, den Mord aufzuklären. Bis 2017 endlich ein Tatverdächtiger festgenommen werden kann. Bei "Aktenzeichen XY... gelöst!" wird der Fall noch einmal zum Thema.

Es ist der 2. September 1999. Die achtjährige Johanna aus dem hessischen Ranstadt-Bobenhausen spielt mit anderen Kindern im Bereich des Sportplatzes. Irgendwann verabschieden sich die anderen Kinder und Johanna bleibt alleine zurück. Gegen 17 Uhr macht sie sich auf den Heimweg. Doch zu Hause kommt sie nicht an.

Die Polizei durchsucht am 5. September 1999 ein Waldstück bei Ranstdt-Bobenbhausen
Die Polizei durchsucht am 5. September 1999 ein Waldstück bei Ranstdt-Bobenbhausen
© Oliver Berg / Picture Alliance

Gemeinsam mit Johannas Schwester macht sich der Vater auf die Suche. In der Nähe des Sportplatzes finden sie ihr Fahrrad. Doch von dem Mädchen fehlt jede Spur. Der Vater meldet seine Tochter als vermisst. Polizei und Feuerwehr machen sich auf die Suche. Mit dem Einbruch der Dunkelheit wird die Suche abgebrochen und am nächsten Morgen mit mehr als 200 Polizeibeamten fortgesetzt. Auch die Freiwilligen Feuerwehren der Umgebung und Freunde und Verwandte helfen bei der Suche.

Mordfall Johanna B.: Zeuge beobachtet Jetta-Fahrer

Ein Zeuge erinnert sich an einen tiefergelegten VW-Jetta mit auswärtigem Kennzeichen, der sich in der Nähe des Radwegs aufhielt. Mit Hilfe seiner Beschreibung erstellt die Polizei ein Phantombild von einem unrasierten Mann mit Pferdeschwanz. Die Spur führt zu Rick J., einem Mann in Friedrichsdorf bei Frankfurt. Doch die Farbe des Fahrzeugs stimmt nicht mit den Angaben des Zeugen überein und J. macht den Beamten gegenüber Angaben, die es unmöglich gemacht hätten, dass er tatsächlich in Bobenhausen gewesen sein kann.

Das von der Polizei Alsfeld am 2.4.2000 veröffentlichte Bild zeigt das in einem Wald gefundene T-Shirt von Johanna
Im Wald wurden unter anderem die Überreste eines T-Shirts von Johanna gefunden
© Polizei / Picture Alliance

Am 1. April 2000 finden Spaziergänger in einem Wald bei Alsfeld die Überreste eines toten Mädchens. Schnell ist klar: Es ist die Leiche von Johanna. Am Fundort entdecken die Ermittler auch Überreste von Johannas Kleidung und zwei verschiedene Sorten Klebeband. Daran werden ein Fingerteilabdruck und Faserspuren entdeckt. Am 11. April 2002 lädt die Polizei ins Gemeindehaus in Bobenhausen Männer aus dem Ort und Umgebung, sich freiwillig ihre Handabdrücke nehmen zu lassen. Mehr als 800 Handabdrücke muss die Polizei scannen und vergleichen. Doch niemand der Männer hat das Klebeband angefasst.

Es folgen noch zwei weitere Testreihen. Eine im April 2005, eine weitere im Jahr 2007. Doch auch sie bleiben ohne Erfolg.

Auf einem Computerbildschirm sind in Bad Homburg die Fingerabdrücke von einem Mann zu sehen
Gleich mehrmals rief die Polizei im Mordfall Johanna zu einem DNA-Reihentest auf. Mehr als 1000 Männer wurden überprüft.
© Frank May/ / Picture Alliance

2017 dann kann die Polizei endlich dank verfeinerter Analysemethoden einen Verdächtigen festnehmen. Es ist der 41-jährige Rick J.. Der Mann, den die Beamten schon einmal ins Visier genommen hatten, weil ein Zeuge seinen VW-Jetta in Tatortnähe gesehen hatte. Als die Beamten vor seiner Tür stehen, leistet er keinen Widerstand.

In seiner völlig heruntergekommenen Wohnung finden die Ermittler neben Kinderkleidung auch sieben Terabyte an Daten. Zehn Beamten brauchen ein halbes Jahr, um die Speichermedien forensisch auszuwerten. Die Aufnahmen, die den sexuellen Missbrauch von Kindern zeigen, schockiert selbst erfahrene Ermittler. Viele seien einfach unerträglich, heißt es.

Verdächtiger im Mordfall Johanna legt Geständnis ab

Nachbarn sind von der Festnahme überrascht, beschreiben Rick J. als höflichen, netten Mann, der immer und jeden grüßt. Johannas Vater erreicht die Nachricht von der Festnahme nicht mehr. Er war ein Jahr zuvor verstorben.

Auf dem Revier macht Rick J. ein Geständnis, erzählt, wie er Johanna betäubt, notdürftig gefesselt und in den Kofferraum seines Wagens gelegt habe. Später habe er ihr mit Klebeband das Gesicht verbunden, die Nase jedoch freigelassen. Weil er ihr jedoch ins Gesicht geschlagen und dabei vermutlich die Nase gebrochen habe soll sie im Kofferraum angeblich erstickt sein.

Zum Motiv erklärt er, er habe sie zwar sexuell missbrauchen, jedoch nicht töten wollen. Auch behauptet er, die Tat sei nicht geplant gewesen, sondern spontan passiert. Von der Tankstelle hätte er noch Klebeband besorgt und von einer Pferdekoppel unterwegs ein Seil geklaut. Beides können die Ermittler jedoch widerlegen.

Landgericht Gießen erhebt Anklage gegen Rick J.

Im Februar 2018 erhebt die Staatsanwaltschaft beim Landgericht Gießen Anklage wegen Mordes und schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern. Die Anklage ist überzeugt, dass er den Tod von Johanna vorsätzlich herbeigeführt hat. Die am Tatort aufgefundenen 15 Meter Klebeband sprechen dafür, dass er es in mehreren Lagen um den Kopf des Kindes geschlungen hat, das Mädchen deshalb erstickte. Darüber hinaus wird ihm der Besitz von mehr als 150 Bild- und Videodateien kinder- und jugendpornografischen Inhalts zur Last gelegt.  

Rick J., der Mörder von Johanna B, sitzt im Gerichtssaal
Rick J. wird wegen Mordes und versuchter sexueller Nötigung verurteilt
© Getty Images

Im November 2018 fällt das Urteil. Rick J. muss lebenslang hinter Gitter. Die Schwurgerichtskammer verurteilt ihn auch wegen versuchter sexueller Nötigung von Johanna und sieht eine besondere Schwere der Schuld. Damit wäre eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren rechtlich zwar möglich, in der Praxis aber so gut wie ausgeschlossen.

Fall Johanna auch Thema bei "Aktenzeichen XY…gelöst!"

Am Freitag, den 5. August, wird der Fall Johanna noch einmal in der neuen ZDF-True Crime-Reihe "Aktenzeichen XY…gelöst!" um 21.15 Uhr mit Sven Voss thematisiert. Darin kommen Experten und Mitglieder der damaligen Ermittlungsgruppen zu Wort.

Silvio S. im Gerichtssaal

Sehen Sie im Video: In Potsdam startet der Revisionsprozess im Fall Silvio S. Das Gutachten über den verurteilten Kindermörder liegt dem stern vollständig vor. Auf 82 Seiten erlaubt es tiefe Einblicke in den Charakter und in die Seele des Mannes aus Kaltenborn.

Quellen:   "Auf den Spuren eines Kindermörders", ZDF, mit Material von DPA


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