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Prozess Kind im Breisgau mehrfach vergewaltigt: Angeklagter legt Geständnis ab

Markus K. kommt in den Gerichtssaal. Er gibt dazu, das Kind vergewaltigt zu haben.
Markus K. kommt in den Gerichtssaal. Er gibt dazu, das Kind vergewaltigt zu haben.
© Patrick Seeger / DPA
Markus K. sei der Schlimmste gewesen, sagt ein Neunjähriger im südbadischen Breisgau. Der Junge wurde mehrfach vergewaltigt. K. steht nun als erster von insgesamt acht Verdächtigen vor Gericht. Er gibt die Tat zu.
Von Isabel Stettin

Markus K. hält einen großen Umschlag vor sein Gesicht, als er den Gerichtssaal betritt. Seine Hände zittern, als er neben seiner Verteidigerin Julia Schlindwein Platz nimmt.

Heute begann in Freiburg der erste von fünf Prozessen gegen ein Pädophilennetzwerk, dessen Hauptverdächtige aus dem südbadischen Breisgau stammen: Berrin T., 47, Mutter eines neunjährigen Jungen, die ihren Sohn gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Christian L., 39, laut Anklage missbraucht und ihn zudem an mehrere Männer verkauft haben soll, die das Kind vergewaltigten.

Markus K., 41, ein großer bärtiger Mann mit raspelkurzem grauen Haar, soll einer dieser "Kunden" gewesen sein. Sein Fall wird als erster verhandelt, die Prozesse gegen Berrin T., Christian L. und fünf weitere Verdächtige folgen im Laufe des Sommers. Unter LKA-Beamten gelten die Taten als der "schwerwiegendsten Fall von sexuellen Missbrauch", den man je ermittelt habe.

Junge vergewaltigt: 20 Euro als "Entschädigung"

Der Angeklagte Markus K. soll den Jungen aus Staufen mindestens zwei Mal vergewaltigt haben. "Das Kind wurde gefügig gemacht und eingeschüchtert, indem ihm vorgegaukelt wurde, der Angeklagte sei Polizist", so Staatsanwältin Nikola Novak. Wenn er sich nicht füge, werde er von seiner Mutter getrennt, hätten die Erwachsenen gedroht. Die erste Tat geschah laut der Anklage im Juli 2017 auf einem Feldweg bei Staufen. Als "Entschädigung" habe das Kind zwanzig Euro erhalten.

Die zweite Tat, im September 2017, habe sich in der Wohnung des Paares abgespielt. Der Junge sei mit Handschellen und Fußfesseln an einem Stuhl gefesselt und von Markus K. vergewaltigt worden. Die Peiniger, so Novak, hätten Videofilme der Taten aufgenommen, die Christian L. im Darknet verbreitet habe. 

Markus K. ist vorbestraft - und galt als rückfallgefährdet

Markus K. ist einschlägig vorbestraft. Im Januar 2010 verurteilte das Landgericht Freiburg den Mann aus dem Ortenaukreis zu vier Jahren und zwei Monaten Gefängnis. Er hatte einen Zehnjährigen in ein Maisfeld gelockt mit der Behauptung, er brauche dringend jemanden, der auf seine Hundewelpen aufpasse. Im Acker verging er sich an dem Kind, wenige Tage später wurde er festgenommen.

2013 wurde Markus K. unter Auflagen aus der Haft entlassen, er sollte beispielsweise eine Therapie machen. Man sei bei ihm von einem "erheblichen Rückfallrisiko" ausgegangen, so eine Kriminalbeamtin,die Markus K. im Rahmen des Programms KURS betreute, dem "Konzept zum Umgang mit besonders rückfallgefährdeten Sexualstraftätern". "Unsere Einschätzung war, dass er sehr wohl gefährlich ist", sagte die Zeugin aus. "Er ist vom Konsum von Kinderpornographie zum Tun übergangen." Dennoch sei sie "als langjährige Kriminalbeamtin" überrascht von der Tat. "Wir haben als Gesellschaft die Aufgabe, Kinder vor diesen Tätern zu schützen mit allen Mitteln. Hier hat es nicht gereicht." 

+++ Lesen Sie hier die stern-Reportage zum Missbrauchsfall von Staufen: Viele wussten Bescheid – keiner tat etwas +++ 

Die mutmaßlichen Täter trafen sich im Therapieraum

Doch ausgerechnet im Wartezimmer der Forensischen Ambulanz, wo entlassene Sexualstraftäter wie Markus K. therapiert werden, traf Markus K. auf Christian L., den er aus dem Gefängnis kannte. Auch Christian L. war wegen Sexualstraftaten vorbestraft. Auch er stand unter Führungsaufsicht. Der Kontakt zu Kindern und Jugendlichen war beiden streng verboten.

Im Juli 2017 soll Markus K. seinen Bekannten gefragt haben, ob er "etwas im Angebot" für ihn hätte, einen Jungen. Und Christian L., der dort unter dem Decknamen "Geiler Daddy" auftauchte, hatte "etwas im Angebot", so die Anklage. Den Sohn seiner Lebensgefährtin.

Christian L. habe sich nach der Vergewaltigung des Kindes durch seinen Bekannten selbst an dem Jungen vergangen. Die Mutter war "in Hörweite" in einem Nebenraum, so die Staatsanwältin. Es ist gerade auch ihre Rolle, die Ermittler sprachlos macht, denn sie habe sich an dem Verbrechen aktiv beteiligt. Ein Kriminalbeamter, der Christian L. und Berrin T. mehrmals vernommen hatte, schildert vor Gericht den Ablauf der Taten und wie Christian L. das Kind an seinen Bekannten ausgeliefert habe. Zum Schutz des Kindes wurden die meisten Details unter Ausschluss der Öffentlichkeit behandelt.

Gegenüber einem psychiatrischen Gutachter Hartmut Pleines aus Heidelberg, hatte Markus K. die Taten bereits eingeräumt. Auch sein Geständnis vor Gericht wiederholte er ohne Zuschauer.

Opfer wünscht sich einen kleinen "Sorgenfresser"

Einen kleinen "Sorgenfresser", das würde sich der neunjährige Junge wünschen. So zitiert ihn eine Kriminalbeamtin, die das Kind nach der Festnahme seiner Mutter betreut hat. Nur langsam habe er sich geöffnet, lange wollte er nicht darüber reden, was mit ihm geschehen ist. Unter allen Täter sei "Markus für ihn der Schlimmste gewesen", gibt die Zeugin Aussagen des Opfers wider.

Zuletzt habe sie den Jungen vor zwei Wochen getroffen, "ein sehr intelligenter, sehr quirliger Junge" – wenn es nicht um die Taten gehe wirke er aufgeweckt und sei gesprächig. Er könne bereits ein wenig Englisch, liest sehr gut, blühe in seiner "spielerischen Nintendo-Welt" auf. Über die Taten möchte er mit ihr nicht mehr reden. Sie will mit ihm weiterhin in Kontakt bleiben: "Er soll wissen, dass er sich mir immer anvertrauen kann und dass nun die richtige Polizei für ihn da ist."

Am nächsten Prozesstag soll auch Christian L. als Zeuge vernommen werden. Ab dem 11. Juni steht er zusammen mit seiner Lebensgefährtin Berrin T. vor Gericht. Mittlerweile ist bekannt, dass es ein weiteres Opfer geben soll: Gemeinsam soll das Paar ein dreijähriges Mädchen aus dem Bekanntenkreis missbraucht haben.

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