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Dänemark: Fall Kim Wall: Die unheimliche letzte Fahrt der "UC3 Nautilus"

Das private U-Boot "UC3 Nautilus" sticht in Dänemark mit zwei Personen an Bord in See, wenig später kommt der Kapitän zurück - ohne Begleitung und ohne U-Boot. Die Chronologie eines mysteriösen Falles.

Journalistin Kim Wall wurde tagelang vermisst

Journalistin Kim Wall wurde tagelang vermisst

Der Fall des gesunkenen privaten U-Boots "UC3 Nautilus" ist verworren: Das Boot sank, Eigner wurde wenig später festgenommen. Der Verdacht: Er hat etwas mit dem Verschwinden der Reporterin Kim Wall zu tun, die ihn begleitete und seitdem nicht mehr gesehen wurde. Zunächst stritt Madsen alle Vorwürfe ab, dann sagte er, die Frau sei bei einem Unglück ums Leben gekommen. Jetzt bargen Ermittler die Leiche einer Frau aus der Ostsee. Geklärt ist der Krimi damit aber noch lange nicht.

Die Chronologie der mysteriösen letzten Fahrt der "UC3 Nautilus":

Donnerstag, 10. August 2017: Im Hafen von Kopenhagen schiffen Eigner Peter Madsen und die schwedische Reporterin auf dem privaten U-Boot "UC3 Nautilus" ein und stechen in See. Die Journalistin will eine Reportage über den in Dänemark bekannten Tüftler schreiben.

Marine in Dänemark sucht nach dem U-Boot

Freitag, 11. August 2017, morgens: Die dänische Marine setzt drei eigene Boote, zwei Hubschrauber und mehrere private Schiffe in Bewegung, nachdem das die "UC3 Nautilus" nicht wie geplant nach zurückgekehrt ist und Verwandte Wall als vermisst melden. Wenig später berichtet die Marine, dass das Boot gesunken sei, Besitzer Peter Madsen habe noch rechtzeitig von der Besatzung eines zivilen Schiffes gerettet werden können.

Kurz darauf orten die Rettungskräfte das gesunkene U-Boot in der Køgebucht südlich der dänischen Hauptstadt. Es liegt in sieben Metern Tiefe.

Freitag, 11 August 2017, im Tagesverlauf: Nach dessen Rettung konfrontieren Polizeibeamte in Kopenhagen den 46-jährigen Erfinder mit ihrem Vorwurf: Gegen ihn werde wegen Totschlags ermittelt, da der Verbleib seiner Begleitung, die Reporterin Kim Wall, nicht bekannt sei. Madsen streitet alles ab, er habe die 30-Jährige bereits in der Nacht zum Freitag nach einem Interview auf der Insel Refshaleøen im Hafen von Kopenhagen abgesetzt. Dänische Medien spekulieren, der Erbauer habe zur Tarnung eines Verbrechens das U-Boot selbst versenkt.

Das Wrack liegt indes weiter auf dem Grund der Ostsee, die Polizei könne aber nicht hinein, weil es nicht stabil sei, teilen die Ermittler mit. Madsen erklärt zur Unglücksursache, er habe an Bord ein paar Dinge testen wollen, dabei sei etwas mit dem Ballasttank schiefgegangen.

Peter Madsen muss in Untersuchungshaft

Die schwedische Journalistin Kim Wall (36) schrieb unter anderem für den britischen "Guardian" und die "New York Times"

Die schwedische Journalistin Kim Wall (36) schrieb unter anderem für den britischen "Guardian" und die "New York Times"

Samstag, 12. August 2017: Peter Madsen weist die Totschlagsvorwürfe weiter zurück und bleibt dabei, die Journalistin auf der Insel vor Kopenhagen abgesetzt zu haben. Die Staatsanwältin Louise Nielsen hält dagegen daran fest: Madsen habe mit ihrem Tod zu tun. Die Entscheidung des Gerichts in der dänischen Hauptstadt lautet: Der Kapitän und Erfinder muss für 24 Tage in Untersuchungshaft, wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung.

Kim Wall bleibt verschwunden. In der Køgebucht beginnen unterdessen die Bemühungen der Polizei, die "UC3 Nautilus" zu heben.

Sonntag, 13. August 2017: Der Polizei gelingt es, die "UC3 Nautilus" zu bergen. Nachdem das Wasser aus dem vollgelaufenen Rumpf abgelassen ist, gehen Techniker mit Schutzkleidung und Gasmasken an Bord und durchsuchen das Schiff. Sie finden: nichts. Die vermisste Reporterin Kim Wall ist nicht an Bord und bleibt verschollen. Ihr Familie lässt ausrichten, dass sie hoffe, die Journalistin werde "sicher und wohlauf" gefunden. Ein Polizeisprecher stimmt zu, sagt aber auch, dass die Behörde darauf vorbereitet sei, "dass das nicht der Fall sein wird."


Montag, 14. August 2017: Inzwischen suchen Flugzeuge nach ihr, doch Kim Wall bleibt verschwunden und Peter Madsen schweigt. "Wir haben beschlossen, nichts weiter zu sagen", erklärt seine Anwältin. Ihr Mandat bestreite die Vorwürfe zwar weiter, werde aber keinen Einspruch gegen die Untersuchungshaft einlegen.

Die Polizei teilt mit, dass sie nach Untersuchung des U-Boot-Wracks davon ausgeht, dass das Schiff absichtlich versenkt worden sei. Die Ermittler rufen Zeugen auf, sich zu melden.

Kim Wall bleibt zunächst verschwunden

U-Boot-Eigner Peter Madsen

U-Boot-Eigner Peter Madsen (46) gilt in der dänischen Technik- und Gründerszene als schillernde Figur. Vor der Nautilus hatte er schon zwei kleinere U-Boote mitgebaut. Er entwirft außerdem Raketen, weshalb ihn dänische Medien auch "Raketen-Madsen" nennen. Er und seine Mitstreiter testeten 2011 und 2012 schon unbemannte Raketen vor Bornholm. Anscheinend hatte Madsen auch einen privaten bemannten Flug ins All im Sinn.

Dienstag, 15. August 2017: Auch am fünften Tag nach dem Untergang fehlt jede Spur von Kim Wall. Bei der Polizei sind inzwischen über 300 Hinweise aus der Bevölkerung zu dem Fall eingegangen. Die Ermittler versuchen, die letzten Stunden der "UC3 Nautilus" zu rekonstruieren. Ein Hinweis kommt durch die schwedische Zeitung "Aftonbladet": Sie berichtet unter Berufung auf ein Besatzungsmitglied, dass ein Frachter dem U-Boot in der Nacht auf Freitag in der Nähe der Øresund-Brücke begegnet sei. Dabei sei es beinahe zu einem Zusammenstoß gekommen, weil das U-Boot ohne Navigationslichter unterwegs gewesen sei.

Mittwoch, 16. August 2017: Die Staatsanwaltschaft verschärft ihren Vorwurf gegen Madsen. Es werde nicht mehr wegen fahrlässiger Tötung sondern sogar wegen schwerer fahrlässiger Tötung ermittelt. Dies könne eine Freiheitsstrafe von bis zu acht Jahren bedeuten. Die Suche nach Kim Wall läuft weiter - jedoch erfolglos.

Donnerstag, 17. August 2017: Die Hoffnungen der Polizei werden geringer: Man nehme an, dass man nach einer Toten suche, sagt ein Beamter.

U-Boot-Krimi geht weiter

Montag, 21. August 2017, im Tagesverlauf: Spektakuläre Wende in dem Fall, der mittlerweile international Schlagzeilen macht: U-Boot-Besitzer Peter Madsen sagt in einem Verhör mit der Polizei aus, dass die vermisste schwedische Journalisten durch ein Unglück an Bord ums Leben gekommen sei. Er habe die tote Frau an einem nicht genau genannten Ort in der Køgebucht über Bord geworfen. Taucher machen sich auf die Suche nach der Leiche - erfolglos.

Die nach dem sagenhaften Unterseeboot des Kapitäns Nemo aus den  Romanen von Jules Verne benannte "UC3 Nautilus" ist 17,76 Meter lang, zwei  Meter breit und hat eine Wasserverdrängung von 37 Tonnen. Sie konnte  laut Madsens Website mindestens 100 Meter tief tauchen. 

Die nach dem sagenhaften Unterseeboot des Kapitäns Nemo aus den

Romanen von Jules Verne benannte "UC3 Nautilus" ist 17,76 Meter lang, zwei

Meter breit und hat eine Wasserverdrängung von 37 Tonnen. Sie konnte

laut Madsens Website mindestens 100 Meter tief tauchen. 

Montag, 21. August 2017, abends: Dänische Taucher suchen im südlichen Øresund und in der Køgebucht weiter nach Kim Wall. Am Abend teilt die Polizei mit, dass ein Radfahrer eine Frauenleiche gesehen habe. Taucher bergen den Leichnam und stellen fest: Der tote Körper hat schon länger im Wasser gelegen und: Es fehlen Arme, Beine und Kopf. Der Torso wird jetzt untersucht, um ihn zu identifizieren.

Der Krimi um die letzte Fahrt der "UC3 Nautilus" geht weiter.


mit DPA-/AFP-Material