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"Missing white woman syndrome" Getötete Gabby Petito: Schwarze werfen Polizei weniger Einsatz in ähnlichen Fällen vor

FBI-Beamte und Polizisten durchsuchen das Haus von Brian Laundrie
FBI-Beamte und Polizisten durchsuchen das Haus von Brian Laundrie, der im Verdacht steht, seine Freundin Gabby Petito getötet zu haben
© Octavio Jones / Getty Images
Der groß in der Öffentlichkeit verfolgte Fall der getöteten Gabby Petito sorgt bei vielen schwarzen US-Amerikanern für Unmut. Sie beklagen, dass die Polizei bei vermissten Schwarzen längst nicht den gleichen Aufwand betreibe.

In den USA wächst die Kritik an der Polizei, weil sie nach schwarzen Vermissten nicht so intensiv suche wie nach Weißen. Anlass für die öffentliche Empörung ist der Fall Gabby Petito.

Die weiße Videobloggerin war mit ihrem Freund zu einer Reise quer durch die USA aufgebrochen und hatte auf Instagram und Youtube darüber berichtet. Ihr Freund war alleine zurückgekehrt. Daraufhin unternahm die Polizei eine landesweite Suche nach der 22-Jährigen. Schließlich fand man ihre Leiche in einem Nationalpark in Wyoming. Der Freund steht in dringendem Tatverdacht, Petito getötet zu haben.

Ein Vater verlangt FBI-Einsatz für seinen Sohn

Einen solchen Tateifer hätte sich auch der Afroamerikaner David Robinson bei der Suche nach seinem vermissten Sohn Daniel gewünscht. Der Sohn, ein Geologe, verschwand während der Arbeit in der Wüste von Arizona. Die Polizei suchte das Gelände ab, fand aber nichts. Nach Wochen entdeckte ein Rancher den Jeep, mit dem Daniel unterwegs gewesen war. Das Auto lag mit aufgeplatzten Airbags auf die Seite gestürzt in einer Schlucht.

In der Nähe fand man Daniels Kleidung, sein Handy, Brieftasche und Schlüssel. Die Polizei suchte die Gegend erneut mit einem Helikopter und Spürhunden ab, allerdings wieder ohne Erfolg.

Daniels Vater ist das nicht genug. "Ich dränge seit drei Monaten darauf, das Bewusstsein zu schärfen, weil ich von der Polizei nicht genug höre. Ich möchte, dass das FBI eingeschaltet wird", sagte Robinson, 51, ein pensionierter Soldat dem US-Sender "NBC News". "Wenn man eine farbige Person ist, wird man irgendwie übersehen. Man will das nicht wahrhaben, aber wenn es einen direkt trifft, kann man nicht anders, als zu sehen, was vor sich geht."

David Robinson war so verzweifelt, dass er auf eigene Faust einen Privatdetektiv anheuerte und mit Freiwilligen die Wüste durchsuchte. Sie entdeckten zwei Totenschädel von Unbekannten, aber keine Spur seines Sohnes.

Der Blick auf den Fall Petito ist schmerzhaft

Ähnlich ergeht es Rasheda Smith. Ihr schwarzer Stiefsohn Xaxion verschwand kurz vor seinem 16. Geburtstag. "Es besteht aktuell kein Interesse daran, ihn zu finden", sagte Smith "NBC News". Erst nach elf Tagen habe sie überhaupt etwas von der Polizei gehört. Die Beamten gehen aktuell davon aus, dass sich der Teenie in der Gegend von Denver aufhalte, wo er Bekannte habe. Xaxion war schon früher häufiger von zu Hause ausgerissen.

Tragisch endete der Fall von Jelani Day. Der ebenfalls schwarze Student verschwand Ende August auf einmal spurlos. Anfang September wurde seine Leiche im Wasser des llinois-Flußes geborgen. Die Todesursache wird noch untersucht. "Die Polizei kann viel mehr tun", sagt der Bruder D’Andre Day. "Ich möchte, dass die Polizei im Fall meines Bruders genauso viel Aufwand betreibt wie bei Petito."

Robinson, Smith und die Day-Familie beklagen, wie schmerzlich es gewesen sei mitzuerleben, wie groß die Unterschiede zwischen ihren und Petitos Fall gewesen seien. Zum Vergleich: An der Suche nach Petito waren sechs verschiedene Sicherheitsbehörden beteiligt, inklusive des FBI.

Schwarze werden als Kriminelle oder Ausreißer abgestempelt

Hilfsorganisationen wie "Black and Missing" ("Schwarz und Verschwunden") kritisieren, dass eine derartige Ungleichbehandlung nicht Neues sei. Eine Rolle spiele dabei das sogenannte "Missing white woman syndrome" (wörtlich: "Vermisste-weiße-Frau-Syndrom").

Demnach zeigen insbesondere Medien ein viel höheres Interesse an vermissten weißen Frauen (und auch Männern) als an BIPoCs (Black, Indigenous and People of Color). Das wiederum liege zum Teil daran, dass die Polizei bei Schwarzen viel häufiger davon ausgehe, dass es sich um Ausreißer oder Kriminelle handele. Dadurch werde der Fokus der Medien gelenkt.

"Es ist ein Albtraum, aber wir haben auch viele Gabby Petitos in der schwarzen und braunen Gemeinschaft. Wir verstehen, dass nicht alle Fälle dieses Maß an Aufmerksamkeit und Ressourcen erhalten können (…), aber wir haben Fälle, die mehr Unterstützung benötigen", sagt "Black and Missing"-Chefin Derrica Wilson.

Quelle: NBC News

tis

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