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stern-Spezial zum Jahrestag

Gladbecker Geiseldrama: "Und alle haben zugesehen ..." - so berichtete der stern 1988 über das Geiseldrama von Gladbeck

Am 16. August 1988 begann mit einem Banküberfall das Geiseldrama von Gladbeck. Es endete in einem Desaster - für Polizei und Medien. stern-Reporter Jürgen Petschull berichtete seinerzeit über das Verbrechen, das auch Jahrzehnte später noch für Diskussionen sorgt.

So berichtete der stern 1988 über das Gladbecker Geiseldrama

So berichtete der stern 1988 über das Gladbecker Geiseldrama

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Gladbeck im Kreis Recklinghausen, Mitte August 1988: Zwei bewaffnete Männer dringen in eine Filiale der Deutschen Bank ein. Was als Bankraub geplant ist, mündet in einer tagelangen öffentlichen Geiselnahme quer durch die Republik und ins europäische Ausland. Am Ende gibt es drei Tote: Die beiden Geiseln Silke Bischoff und Emanuele de Giorgi werden erschossen, der Polizeibeamte Ingo Hagen stirbt bei einem Verkehrsunfall am Rande des Einsatzes. Das Verbrechen gerät zum Desaster für Polizei und Medien, mit Auswirkungen bis heute.

Auch der stern berichtet 1988 in zahlreichen Artikeln ausführlich über das Geiseldrama von Gladbeck, zuerst in Heft 35 vom 25. August unter dem Titel "Und alle haben zugesehen ..." von Reporter Jürgen Petschull.

Anlässlich des 30. Jahrestages der Tat veröffentlichen wir das Dokument erneut, unkommentiert und unverändert, in der Rechtschreibung von 1988.

Drei Menschen auf der Rückbank eines Autos: In der Mitte sitzt Dieter Degowski und hält Silke Bischoff eine Waffe an den Kopf


 

Und alle haben zugesehen ...


Der Killer und das Mädchen: Die Polizei wußte seit einem Jahr, daß der flüchtige Häftling Hans-Jürgen Rösner in Gladbeck einen Banküberfall mit Geiselnahme plante. Ein Freund hatte ihn verpfiffen. Vergangene Woche kidnappten Rösner und ein Komplize tatsächlich zwei Bankangestellte, kaperten einen Bus, erschossen einen Jungen und später eine junge Frau - Fernsehen und Presse waren immer dabei. Die Polizei vertat alle Chancen.

Im Ersten Programm läuft ein Krimi über eine vorgetäuschte Kindesentführung, als Werner Huth an diesem Abend nach Hause kommt. Werner Huth ist 39, blond und kräftig. Kumpels nennen ihn "Blondi" - die aus dem Bergbau in Castrop-Raunel und die aus dem Bau in Werl, wo er ein paar Jahre "diverser krummer Dinger" in Haus 3., Abteilung L. Zelle 232, gesessen hat.

Ein Mann mit diesem Hintergrund ist von der Dramaturgie deutscher Kriminalfilme schwerlich zu beeindrucken. Gelangweilt schaltet "Blondi" zwischen Käsetoast und Rührei zum ZDF. Da wird ihm und Millionen Zuschauern entschieden mehr Dramatik geboten.

lm zweiten Kanal geht es an diesem Mittwoch, dem 17. August. kurz vor zehn Uhr abends, um Bankraub und Geiselnahme, um Flucht und Verfolgung quer durch die Bundesrepublik. Das Stück erreicht seinen ersten Höhepunkt: Zwei schwerbewaffnete Verbrecher sind mit ihrer Beute und mit zwei gekidnappten Bankangestellten seit vierundzwanzig Stunden auf der Flucht. Jetzt haben sie mitten in Bremen einen Linienbus mit 30 Fahrgästen gekapert.

Einer der Täter tritt groß ins Bild: mit durchgeschwitztem Haar und zotteligem Vollbart, engstehenden Augen, scharfer, langer Nase, hartem Zug um den Mund ein etwas übertriebener Gangstertyp. Die wilden Tätowierungen an Armen und Händen steigern diesen Eindruck. Der Kerl fuchtelt mit einer Pistole herum und fordert, "noch mal so um die 300.000 bis 400.000 Mark" und freien Abzug. "Wenn nicht, dann knallt es da drinnen im Bus ... !"

Vor seinem Fernsehgerät schüttet sich Werner Huth vor Aufregung ein halbes Wasserglas voll Wodka ein. "0 Gott. 0 Gott" habe er gedacht, so erzählt er später, "den kennste doch von damals, dat ist doch der Kumpel aus der Zelle gegenüber ... Nun is er also am Ball, jetzt macht der Spinner tatsächlich die große Nummer, von der er immer gefaselt ..." 

"Und Sie meinen nicht, daß es besser ist, aufzugeben?", fragt ein Fernseh-Reporter jetzt den Tätowierten. "Aufgeben? Auf keinen Fall!" antwortet der. "Ich habe elf Jahre Knast weg ... Ich scheiß' auf mein Leben ..." Reporter: "Aber all die Unschuldigen ... ?" Gangster, dreht den Kopf zur Seite, sagt: "Da kann ich dann nichts für ..." Und dann beendet er die Szene mit einer zynischen Selbstdarstellung, die einem Drehbuchschreiber erst mal einfallen müßte: "Ich bin von Haus aus Verbrecher. Für mich gibt es keine Moral und solche Scherze!"

"Die Bullen haben dieses Ding völlig verpennt"

Danach verschwinden Gangster und Geiseln im entführten Linienbus in der Dunkelheit - auf dem Bildschirm erscheint nicht etwa der Nachspann eines Krimis, sondern das Signet des "Heute-Journals".

Mit zitternden Fingern wählt Werner Huth die Notrufnummer der Polizei. Er ruft das Landeskriminalamt in Düsseldorf an, die Polizeidienststellen in Gladbeck und in Bremen.

Überall sagt er dasselbe: Er sei ein Knastkumpel des tätowierten Geiselgangsters und biete sich als Vermittler an. "Ich kann die ganze Scheiße da beenden", ruft er im breiten Kohlenpott-Dialekt. "Die drehen sonst durch. Das gibt sonst ein Blutbad!" Der Tätowierte habe im Knast schon immer auf ihn gehört. Er könne ihn zum Aufgeben bewegen. Als Beweis seiner intimen Freundschaft nennt er den Spruch, den sich der Geiselgangster im Gefängnis mit Nadel und Rasierapparat zwischen Brust und Bauch geritzt habe: "Ich hasse euch alle." Doch die Polizei wimmelt den freiwilligen Helfer ab.

Tatenlos und wütend verfolgt der Ex-Häftling fortan am Fernsehgerät die blutige Spur, die sein früherer Freund und Knastbruder Hans-Jürgen Rösner quer durch die Republik zieht. Erstmals, fast schon wie in den USA, überträgt das Fernsehen die entscheidenden Phasen des tödlichen Dramas live. Regisseur und Hauptdarsteller ist ein Mann, der vor und hinter Gittern stets als Verlierer galt. Aber seinen Knastkumpanen hatte er immer wieder großspurig angekündigt: "Wartet nur ab. Eines Tages komme ich ganz groß raus, dann werdet ihr staunen!"

Einer, der nun zusieht, wie der Tätowierte und ein Komplize auf dem Bildschirm agieren, ist Harry E. Den heute 40jährigen nannten sie in der Strafvollzugsanstalt Werl "Backsi". "Fünfeinhalb Jahre lang hab‘ ich mit Rösner zusammen gesessen. Ich habe Yogi zu ihm gesagt, weil er so einen watscheligen Gang hat und überlange Arme." "Backsi", ein Zwei-Zentner-Mann, hat 13 Jahre wegen schweren Raubes hinter Gittern verbracht. "Vor gut einem Jahr tauchte Yogi bei mir auf und fragte. ob ich mit ihm eine Bank machen würde, wobei es auch zu Geiselnahmen kommen könne." Er habe abgelehnt, weil er inzwischen Frau und Kind habe. Statt dessen, so B., lieh er dem Freund aus schlechten Zeiten 3000 Mark. Als das Geld trotz nachdrücklicher Mahnungen nicht zurückgezahlt wurde, sei er stinksauer geworden. "Da habe ich den Yogi regelrecht verpfiffen."

Er habe sich mit richtigem Namen bei der Polizei gemeldet und mitgeteilt: "Achtung, der Rösner will sich einen Ballermann besorgen und in Gladbeck eine Bank mit Geiseln machen." Das sei vor einem Jahr gewesen. Als er den Freund von früher nun auf der Mattscheibe lebensgroß wiedersieht, da ist das für ihn ein Beweis, "daß die Bullen dieses Ding völlig verpennt haben". Harry B.: "Dem Rösner ging es in erster Linie gar nicht um die Kohle. Der wollte endlich beweisen, daß sein Gequatsche von dem ganz großen Ding keine leeren Sprüche waren und daß er ein richtiger Kerl ist." Denn daß er lange was von der Beute haben würde, das sei wohl auch für Rösner selbst ziemlich ausgeschlossen gewesen. "Mit seinen Tätowierungen am ganzen Körper hätten sie ihn sogar noch auf den Fidschi-lnseln wieder eingefangen." Ihm sei es schleierhaft, weshalb die Polizei die Täter nicht mitsamt Beute erst mal habe abziehen lassen. Dann hätte es vielleicht keinen Toten gegeben.

Der große Auftritt des Hans-Jürgen Rösner begann am Dienstag, dem 16. August, morgens um 7.40 Uhr im Gladbecker Stadtteil Rentfort, wo sich Supermarkt. Kneipen. Arztpraxen und eine kleine Filiale der Deutschen Bank um ein 14stöckiges Hochhaus drängen. Zwei Männer fahren mit einer roten Honda vor, ziehen Masken über die Köpfe und holen großkalibrige Waffen aus einer Aktentasche. Anwohner alarmieren die Polizei.

Kurz vor acht betreten der 31jährige Kassierer Reinhold Alles und die Kundenberaterin Andrea Blecker, 23, ihren Arbeitsplatz. Gleich hinter ihnen stürmen die beiden bewaffneten Maskenmänner in die Bank. Zu Anfang ist alles ein ziemlich normaler Überfall. Doch bald wird klar, daß dies zwei äußerst merkwürdige Räuber sind. Sie tun fast nichts, um ihre Identität zu verbergen. Im Gegenteil. Sie wollen sich offenbar öffentlich produzieren.

"Ein Kommunistenfresser, so einer wie Rambo"

Während vor den Scheiben der Bankfiliale Scharfschützen in Stellung gehen, gibt Rösner per Telefon seelenruhig mehr als ein halbes Dutzend Interviews, ruft sogar selbst Rundfunksender und Lokalzeitungen an. "Wie sieht es denn draußen vor der Bank aus?" fragt ein Reporter des Privatsenders "Radio ffn". Der Gangster gibt präzise Auskunft: "Da liegt einer vom Sondereinsatzkommando mit einer MP im Anschlag, und oben auf dem Balkon sind auch noch so zwei Ottos." Frage: "Was machen Sie denn, wenn die Polizei ihre Forderung nicht erfüllt?" Antwort: "Dann muß ich leider erst mal einen erschießen ... und dann sterben wir alle."

Genau 14 Stunden nach Beginn des Banküberfalls fährt der Fluchtwagen vor. Die Bankräuber tragen keine Masken mehr. Fernsehkameras von ARD und ZDF und Videokameras der Polizei filmen ihre Gesichter und halten im Bilde fest, wie sie seelenruhig Blinklichter und Scheinwerfer, Vorwärts- und Rückwärtsgänge  ausprobieren und sich Zigaretten anzünden, bevor der Wagen davonrollt.

Beamte der Kripo Recklinghausen, des Landeskriminalamtes Düsseldorf und des BKA in Wiesbaden werten Tonbandaufnahmen,  Videoaufzeichnungen und Zeugenaussagen aus. Kein Zweifel, die Täter sind alte Bekannte: Der Mann mit Kinnbart und Napoleonfrisur ist Dieter Degowski, geboren am 3. Juni 1956 in Gladbeck-Ellinghorst, Sohn eines Bergmannes: 1,78 Meter groß, schlank, braune Augen. Degowski ist in ärmlichen Verhältnissen aufgewachsen. Mit Eltern und vier Geschwistern lebte er in einer 55 Quadratmeter kleinen Wohnung, teilte sich mit einem Bruder ein Etagenbett. Als Kind knackte er Zigarettenautomaten. Degowski ist ein dutzendmal vorbestraft, meist wegen Diebstahls und Einbruchs.

Der Mann mit den engstehenden Augen, der langen Nase und dem Vollbart wird schnell als Hans-Jürgen Rösner identifiziert: geboren am 17. Februar 1957 in Gladbeck, Sohn eines: 1,73 Meter groß, braune Augen, besonderes Kennzeichen: Tätowierungen am ganzen Körper, die ersten Zeichnungen hat er sich schon mit 14 in die Haut geritzt.

Degowski und Rösner kennen sich seit mehr als zwanzig Jahren, seit sie im Sommer 1966 zusammen die "Aloisius-Sonderschule" in Gladbeck besucht haben. Eine Bekannte berichtet, daß es zwischen Vater und Sohn Rösner von Anfang an Probleme gab. Der Alte prügelte den Jungen oft. Er kam ins Erziehungsheim. Mit 14 begann Hans-Jürgen, genannt "Hanusch", eine Lehre bei der Werkzeugfirma "Schlägel und Eisen". Er brach sie nach zwei Jahren ab. "Bald saß der Junge mehr im Arrest als zu Hause."

Harry B. sagt: "Der Rösner hatte im Leben nie eine richtige Chance wie die meisten von uns. Es ist kein Wunder, daß er einen furchtbaren Haß auf die Gesellschaft im allgemeinen und speziell auf die Bullen bekam." Im Knast habe er immer wieder von Geiselnahmen geredet und davon, daß man dann gleich "einen Bullen in die Birne schießen und vor die Tür legen muß, damit die wissen, daß man es ernst meint". Um einen Freund zu befreien, wollte er einmal einen Richter kidnappen, ein anderes Mal wollte er einen Zug entgleisen lassen, dann bei der Polizei anrufen und sagen, "wenn ihr den und den nicht bis dann und dann rauslaßt, dann entgleist noch einer".

Trotz solch brutaler Phantasien sei Hans-Jürgen Rösner im Grunde "ein nachdenklicher Junge. Der hatte im Knast sogar die 'taz' abonniert",  erzählt Ex-Häftling Werner Huth, "und er bestellte sich nicht nur Pornos, sondern auch politische Bücher". Obwohl er linke Zeitungen und Literatur las, sei Rösner jedoch "ein regelrechter Kommunistenfresser, so einer wie Rambo etwa".

Noch am Abend des Banküberfalls entdeckte die Polizei in ihren Karteien ein psychologisches Gutachten aus dem Jahre 1983, verfaßt von dem Medizinaldirektor Dr. Karl- Siegfried Wiedenfeld. Darin wird Rösner eine geistige Grundhaltung wie "Rambo" bescheinigt. "Es handelt sich bei Herrn Rösner um eine hochgradig triebgesteuerte Persönlichkeit ... Das Schlimmste ist bei ihm die sittliche Abstumpfung, fast ein moralischer Schwachsinn, er ist emotional in keinster Weise ansprechbar, egozentrisch eingeengt auf die Erfüllung primitiver Augenblickswünsche ... Die Selbstreflexion ist gleich Null. Immer nur: Die Gesellschaft ist schuld an mir." Der Gutachter: "Solch eine erschreckende Gefühlskälte habe ich noch nicht erlebt."

Auf Rösners Vorstrafen-Konto kommen Bandendiebstahl. Serien-Einbrüche, schwere Körperverletzung. Vor fünf Jahren hat er einem Gefängnisdirektor eine aus Rasierklingen und Scherben gebastelte Machete in die Rippen gerammt. Dafür bekam er zweieinhalb Jahre.Insgesamt hat Rösner elf Jahre lang hinter Gittern gesessen. Im August 1986 ist er von einem Hafturlaub nicht in die  Strafvollzugsanstalt Willich zurückgekehrt.

Für die Polizei scheint der flüchtige Häftling seither unauffindbar zu sein - doch in Gladbeck wußten ein paar Dutzend Leute, daß Rösner zunächst bei seiner Schwester untergeschlüpft war und daß er dann bei seiner Freundin Marion Löblich wohnte. Mit der besuchte er ungeniert verschiedene Gladbecker Kneipen, darunter häufig ein Lokal, das nur ein paar Schritte vom Tatort "Deutsche Bank" entfernt ist.

Zwei Stunden nach ihrer aufsehenerregenden Abfahrt von dieser Bankfiliale laden die beiden Bankräuber Marion Löblich in den Fluchtwagen ein. Die pummelige Frau mit mittellangem brünettem Haar hat offenbar schon lange am Straßenrand im Ortsteil Zweckel gewartet. Sie ist 34 Jahre alt, zum drittenmal verheiratet, hat drei Kinder.

Kurz nachdem seine Freundin im Fluchtwagen Platz genommen hat, inszeniert Rösner seinen ersten filmreifen Auftritt - noch unter Ausschluß der Öffentlichkeit: Die Gangster halten in der Nähe des St.-Barbara-Hospitals vor einer Apotheke, die Nachtdienst hat. "Plötzlich stand ein Mann vor der Tür", berichtet der Apotheker. "er hat gegrinst und gesagt: Sie werden schon von uns gehört haben. Wir sind die Bankräuber." Dann habe er Beruhigungstabletten Marke Vesparax mite und eine Packung Vomex A verlangt. Dragees gegen Brechreiz. "Die sind aber rezeptpflichtig", wendet der Apotheker ein. Der Bankräuber hebt seine Pistole, steckt die Pillen ein und will gehen. "Was ist mit Bezahlen?", fragt der Apotheker. "Ach so", sagt Rösner, holt einen gerade erbeuteten Hundertmarkschein aus dem Auto und läßt sich korrekt 73 Mark herausgeben.

Am Mittwochabend gegen 19 Uhr drücken Rösner und Degowski den beiden erschöpften Geiseln aus der Gladbecker Bank im Bremer Stadtteil Huckelriede Pistolen an die Köpfe und spazieren vor laufenden Kameras mit Ihnen über eine Kreuzung zum Busbahnhof. Die zwei Gangster gehen zu einem rot-weißen Bus der Linie 53, entern ihn mit ihren beiden Geiseln und halten nun etwa 30 Fahrgäste in Schach. Männer und Frauen,. die gerade Feierabend haben. Rentner. ein Ehepaar aus Sri Lanka. In der Mitte am Gang außen legt der 15 Jahre alte Italiener Emanuele de Giorgi den Arm schützend um seine neunjährige Schwester Tatiana.

Der Junge hat die Schwester gerade vom Nachhilfeunterricht abgeholt. Die kleine Tatiana spricht noch so unsicher Deutsch, daß ihre Versetzung gefährdet ist. Der Vater der beiden ist vor vierzehn Jahren aus Apulien in die Bundesrepublik gekommen. Er arbeitet in Bremen als Fahrer und Maurer. Die Familie lebt in einer tristen Bremer Neubausiedlung. 

Emanuele ist ein lebenslustiger Junge, bei Freunden und bei Mädchen beliebt. Mit seinem Vater spielt er ab und zu Billard im Café "Roma". Seit zwei Wochen lernt er in einem Fitneß-Studio boxen.

Ein paar Reihen vor Emanuele sitzt die 18jährige Verkäuferin Ines Voitle mit ihrer Freundin, der auffallend hübschen Staatsanwaltsgehilfin Silke Bischoff, ebenfalls 18. Die dezent geschminkte Blondine im knöchellangen Folklorekleid wohnt bei ihren Großeltern in Bremen-Kattenesch.

Ihre Mutter, die vor dreizehn Jahren zum zweitenmal geheiratet hat, lebt mit ihrem Mann und dessen Sohn in der Neubausiedlung Blockdiek. Silke Bischoff hat bei den Großeltern ein holzgetäfeltes Zimmer mit Heimorgel, Yuccapalme und Ledersofa, auf dem ihr brauner Teddybär aus der Kinderzeit sitzt. Auch ein paar lustige Zeichnungen von früher liegen herum: ihre damalige Lehrerin als "Clown" und ein paar Kopien nach Wilhelm Buschs "Der Knabe und der Rabe". An dem großen, übervollen Schminktisch hat sie sich für Modeaufnahmen zurechtgemacht, auf denen sie - mit dunklen Haaren - ein bißchen aussieht wie die junge Christine Kaufmann.

Silke Bischoff hat die Real- und die Höhere Handelsschule besucht. Während der Schulzeit machte sie ein Ferienpraktikum bei einem Tierarzt, aber die begeisterte Reiterin, so erzählen Freunde, konnte den Anblick von verletzten und leidenden Tieren nicht ertragen.

An diesem Morgen ist Silke Bischoff gegen acht Uhr mit dem Bus Linie 53 nach Huckelriede und mit der Straßenbahn weiter zum Amtsgericht gefahren. Dort hat sie im August vergangenen Jahres eine Ausbildung als Staatsanwaltsgehilfin angefangen. Tagsüber tippt sie Protokolle und Aktennotizen. Nach Feierabend um 17 Uhr bummelt sie an diesem Mittwoch durch das Bremer Szene-Viertel am 0stertor. Sie sucht nach einem Ripsband für ihre Lackschuhe. Gegen 18 Uhr holt sie ihre Freundin Ines Voitle ab, die am Ostertorsteinweg in einer Zoohandlung arbeitet. Die beiden Mädchen fahren mit der Linie 1 nach Huckelriede und steigen um in den Bus der Linie 53. Ein paar Minuten später kommen Rösner und Degowski.

"Von Haus aus bin ich ein Verbrecher ...": Pistole in der Rechten, Zigarette in der Linken - so gab sich der tätowierte Verbrecher Hans-Jürgen Rösner in Bremen vor dem gekaperten Linienbus. Seit mehr als einem Jahr hatte er ein "großes Ding" geplant. Er wollte damit vor allem seinen alten Kumpels im Gefängnis imponieren

"Von Haus aus bin ich ein Verbrecher ...": Pistole in der Rechten, Zigarette in der Linken - so gab sich der tätowierte Verbrecher Hans-Jürgen Rösner in Bremen vor dem gekaperten Linienbus. Seit mehr als einem Jahr hatte er ein "großes Ding" geplant. Er wollte damit vor allem seinen alten Kumpels im Gefängnis imponieren

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Kurz danach treffen Dutzende Reporter, Fotografen und Kameraleute am Busbahnhof ein. Einer von ihnen ist der 38 Jahre alte Peter Meyer von der Bremer "Forum"-Fotoagentur. Ich stieg zufällig aus meinem Wagen, als einer der Gangster aus dem Bus kam. Seine Pistole baumelte lässig in seiner rechten Hand. Ich wußte nicht, was ich machen sollte, und blieb wie angewurzelt stehen." Der tätowierte Rösner spricht den Fotografen wie einen alten Bekannten an: "Die haben versprochen, die Fahndung einzustellen. statt dessen sind die Scheißbullen überall hinter uns her. Die wollen uns verarschen und uns abknallen! Sag den Idioten, daß wir einen Polizisten als Geisel eintauschen wollen, sonst knallt es da drinnen im Bus! Wir haben auch ein paar Sachen dabei, die das ganze Ding in die Luft jagen können."

"Er wäre für immer zum Hampelmann geworden"

Rösner bietet dem Fotografen eine Zigarette Marke "West" an. Der fragt, ob er ihn aus der Nähe fotografieren dürfe. "Warum nicht", sagt Rösner, stellt sich in Positur und bittet den Fotografen sogar in den Bus. Ob die Kollegen vom Fernsehen ein Interview machen könnten. "Warum nicht", sagt der Gangster wieder und geht auf Kameraleute. Reporter und Fotografen zu, die in einigem Abstand auf dem Bürgersteig warten. Kameras von ARD und ZDF laufen. Interviewer und Fotografen stehen direkt vor dem Gangster, der die Hand mit der Pistole immer wieder herunterhängen läßt.

"Wie lange wollen Sie die Geschichte denn noch fortsetzen?" fragt der Bremer ARD-Reporter. Rösner: "Wir stellen unsere Forderungen, und dann knallt es." - "Wollen Sie das wirklich alles auf sich nehmen?" - "Ja, wir haben abgeschlossen mit dem Leben. Wir sind jetzt über 30 Stunden auf der Flucht, und die verfolgen uns dauernd da, die Bullen." - "Welche Chancen rechnen Sie sich aus, davonzukommen?" Rösner: "Für mich ist das absolut sicher: entweder da - oder weg." Dabei scheibt er sich vielsagend den Pistolenlauf in den Mund.

Hans-Jürgen Rösner umringt von Fernsehreportern, Fotografen und Schaulustigen auf der Straße in Bremen

Ein Gangster als Fernsehstar: Hans-Jürgen Rösner umringt von Fernsehreportern, Fotografen und Schaulustigen auf der Straße in Bremen

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Für eingeweihte Fernsehzuschauer wie für Rösners ehemaligen Knastkumpanen hat sich der Geiselnehmer damit bewußt vor aller Öffentlichkeit und speziell vor seinen Freunden im Gefängnis festgelegt. "Wenn er nach dieser Geste die Geiseln oder sich selber im Ernstfall nicht umgelegt hätte, dann wäre er für alle Zeiten zum Hampelmann geworden", sagt der schwergewichtige Harry B. "Das mußte doch auch jeder drittklassige Polizeipsychologe wissen. Und damit war klar, daß die Geiseln von nun an bei jeder Polizeiaktion in absoluter Lebensgefahr waren."

Diese Erkenntnis beweist sich auf dramatische Weise zwei Stunden später, als der gekaperte Bus aus Bremen bis zur Autobahnraststätte Grundbergsee gerollt ist. Die Gangster lassen die Geiseln in Dreiergruppen zur Toilette gehen. Zwei Zivilfahnder warten im Waschraum der Toilette. Plötzlich taucht Marion Löblich, die Komplizin der beiden Gangster, auf. Sie hält eine Pistole in der Hand. Nach Rücksprache mit ihrer Zentrale per Funk überwältigen Polizisten die Gangsterbraut und nehmen sie fest. Im Bus schreit Rösner nach ein paar Minuten wie von Sinnen: "Wo bleibt Marion? Verdammt noch mal!"

"Tot sein ist schöner, als wie ohne Geld"

Fotograf Meyer berichtet, der tätowierte Gangster habe ihn angeschrien: "Sag mir, wie spät es ist!" Es war drei Minuten nach 23 Uhr. "Wenn lsie um sieben nach nicht wieder hier ist, dann legen wir den ersten um!" schrie Rösner. Er befahl dem Fotografen, das sofort der Polizei mitzuteilen. "Doch die Beamte haben erst mal überhaupt nicht darauf reagiert."

Meyer ging in den Bus zurück. "Degowski umfaßte mit dem linken Arm den Kopf der jungen blonden Frau und drückte ihn an sich, dabei starrte er auf die Ziffern der Digitaluhr an seinem Handgelenk. Mit der Rechten hielt er ihr die Pistole an die Schläfe. Plötzlich riß er die Pistole ein Stück höher und schoß dem gleich dahinter sitzenden jungen Italiener direkt in den Kopf. Ich hörte einen trockenen Knall und machte entsetzt die Augen zu."

Emanuele de Giorgi fällt seitlich um. Im Bus ist es totenstill. Man hört nur sein Röcheln. Dann brüllt Rösner die beiden Journalisten an, die im Austausch gegen die entlassenen Bankangestellten aus Gladbeck in den Bus gestiegen waren: "Ich kann ihn nicht mehr sehen. Schafft ihn raus, verdammt noch mal. Bringt ihn raus." Erst jetzt lassen die Polizisten Marion Löblich wieder frei. 

Die Gangster fahren in der folgenden Nacht mit den Insassen des gekidnappten Busses bis hinter die niederländische Grenze. Dort entlassen sie die Geiseln. Nur zwei müssen in einen von der holländischen Polizei als Fluchtwagen bereitgestellten silbernen BMW 735 i steigen: Silke Bischoff und ihre Freundin Ines Voitle.

Dieter Degowski hält seiner Geisel Silke Bischoff den Revolver unter Kinn

Dieter Degowski hält seiner Geisel Silke Bischoff den Revolver unter Kinn. Kurz zuvor hatte sie den Reportern aus dem Gangsterauto heraus gesagt: "Sie haben uns zugesagt, daß nichts passiert." Zwei Stunden später war sie tot

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Am Donnerstag, dem 18. August, kreuzen die Gangster mit den beiden Mädchen am Morgen und am Vormittag durch das Ruhrgebiet, fahren nach Wuppertal und weiter nach Köln. Gegen 11 Uhr erreichen sie eine Fußgängerzone in der Innenstadt. In wenigen Minuten umringen zweihundert Schaulustige und Journalisten die Limousine mit den Gangstern und den Geiseln. Rösner läßt mit gezückter Pistole Kaffee bringen. Degowski steckt sich eine Zigarette an der anderen an und drückt während des ganzen Aufenthaltes den Lauf seines großkalibrigen Revolvers gegen die Halsschlagader der blonden Silke Bischoff. Fotografen und Kameraleute richten ihre Objektive auf die angstgeweiteten Augen des Mädchens. Rösner sagt, er werde jetzt nicht mehr mit der Polizei, sondern "nur noch mit den Medien" sprechen. Und auf die Frage. was die ganze Aktion denn für ihn bedeute, antwortet er: "Tot sein, ist schöner, als wie ohne Geld." Dann rollt der Wagen wieder davon.

Um 13.40 Uhr eröffnet die Polizei auf der Autobahn bei Bad Honnef ein wildes Feuergefecht mit den Gangstern im BMW.

Nach den Ermittlungen von Gerichtsmedizinern und Schußwaffenexperten kam das für Silke Bischoff tödliche Projektil "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" aus Rösners Waffe. Die 18jährige starb durch "einen aufgesetzten Herzschuß".

Polizisten einer Spezialeinheit haben die Gangster nach einer wilden Schießerei auf der A 3 bei Bad Honnef aus dem Auto gezerrt.

Das blutige Ende auf der Autobahn: 18. August, 13.43 Uhr: Mit Helmen und Bleiwesten ausgerüstete Polizisten einer Spezialeinheit haben die Gangster nach einer wilden Schießerei auf der A 3 bei Bad Honnef aus dem Auto gezerrt. Die Geisel Silke Bischoff stirbt wenig später an Schußverletzungen aus einer Kidnapper-Pistole

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Ich brauche dringend Hilfe bei der EM rente
Guten Tag mein Name ist Carsten Langer ich bin 46 Jahre alt und Versuche seit März 2015 die EM Rente zu beckommen meine Ärzte sagen ich kann nicht mehr Gutachten der Kranken Kasse sieht das auch so nur die Gutachter der Rentenkasse Sehens anders war schon vor sozial Gericht 1 Instanz Richterin sagt ich kann nicht am Gutachten vorbei entscheiden ihre Empfehlung ich sollte in die 2 Instanz weil sie meint das ich auch nicht mehr Arbeits fähig bin die 2 Instanz sagt laut Gutachten könnte ich noch arbeiten aber ihre Meinung nach könnte ich auch nicht mehr arbeiten ich sollte doch auf ein Urteil verzichten und ich sollte neu Rente beantragen und der zwischen Zeit wurde ich zur Berufs Findung geschickt die nach sechs Wochen von der Rentenkasse abgebrochen wurde habe auch erfahren das die Rentenkasse mir keine Umschulung mehr zutraut auf den Rat ich sollte noch Mal EM Rente beantragen bin ich in Reha gegangen damit ich auch neue Arzt berichte habe die Reha hat den Aufenthalt von 4 auf drei Wochen verkürzt und mich entlassen als nicht arbeitsfähig für den allgemeinen Arbeits Markt und ich kann keine 3 Stunden arbeiten das hat der Rentenkasse wieder nicht gereicht hatich wieder zum gutachter geschickt der mir 45 Minuten fragen gestellt hat und jetzt heißt es ich kann wieder voll arbeiten auf den allgemeinen Arbeits Markt Meine Erkrankungen sind Ateose in beiden knieen und mehreren Finger Gelenken Verschleiß in beiden Fuß, Hüft, Schulter und elebogen Gelenken dazu Gicht im linken Daumen satel Anhaltende Schmerzstörungen Wiederkehrende Depressionen Übergewicht Hormonstörungen Wirbelsäulenleiden Bandscheibenschädigung Schlaf Atem Störung Schlafstörungen eine ausgeprägte lese und rechtschreib Schwäche Panick Attacken ( Zukunftsangst) Suizidale Gedanken 1 Suite Versuch Laut aus Zügen einiger Befunde Bin ich nicht mehr Stress resistent Darf keinen akort machen keine Schicht Arbeit keine gehobene Verantwortung überaschinem oder Personen tragen usw Aber al das reicht nicht für die EM Rente Mittlerweile bin ich von der Kranken Kasse ausgesteuert das Arbeitsamt hat mich nach 9 Monaten abgemeldet und seit April wäre die Renten Kasse nicht mehr für mich zuständig aber da ein laufendes verfahren ist hmm keine Ahnung Da ich Mal gut verdient habe habe ich eine bu abgeschlossen aber da die über 900 euro mir zählt und das schon fast 3 Jahre habe ich kein Anspruch auf Harz 4 Grundsicherung Wohngeld oder sie Tafel für essen nein ich darf dafon mich noch mit 260€ freiwillig Kranken versichern Deswegen konnte ich meine Wohnung mir nicht mehr leisten und bin auf einen Campingplatz gezogenitlerweil habe ich eine Freundin und wir teilen uns die Wohnung Bitte ich brauche dringend Hilfe mir wird das alles zuviel werde mich parallel zu ihnen auch an den svdk wenden aber vielleicht können sie unterstützend helfen ich weiß echt nicht weiter und meine schlechten Gedanken werden wider sehr stark Mfg