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Berüchtigter Bankräuber: Er war US-Staatsfeind Nr. 1: John Dillingers Leichnam soll exhumiert werden

Vor 85 Jahren wurde John Dillinger vor einem Kino in Chicago von FBI-Agenten erschossen. Jetzt sollen die sterblichen Überreste des berüchtigten Bankräubers exhumiert werden.

John Dillinger im Dezember 1933

John Dillinger im Dezember 1933: Der Bankräuber war der erste, der von der Bundespolizei FBI als Staatsfeind Nr. 1 bezeichnet wurde. Jetzt soll sein Leichnam exhumiert werden.

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Der Leichnam von John Dillinger, des ersten Mannes, der in den USA den Titel Staatsfeind Nr. 1 trug, soll exhumiert werden. Am 3. Juli hat die dafür zuständige Gesundheitsbehörde des Bundesstaates Indiana einen entsprechenden Antrag genehmigt, wie mehrere US-Medien berichten. Antragsteller sei Dillingers Neffe Michael Thompson.

Auf Grundlage der Genehmigung erwarte man, dass Dillingers Körper am 16. September aus seinem Grab auf dem Crown Hill Friedhof in Indianapolis geholt und dort wieder begraben werde, teilte eine Sprecherin der Behörde dem US-Magazin "Time" mit. Das Datum sei auf dem Dokument aufgeführt.

Liegt John Dillinger gar nicht in dem Grab?

Nicht angegeben ist dort den Berichten zufolge eine Begründung für Thompsons Antrag. Anfragen nach einer Stellungnahme dazu habe der Neffe des berüchtigten Verbrechers nicht beantwortet. Ein Sprecher des Bezahlsenders History Channel bestätigte der US-Zeitung "IndyStar" allerdings, dass die Exhumierung Teil einer Dokumentation über Dillinger werden soll. Die Historikerin Susan Sutton vermutet laut dem US-Sender CNN, dass Dillingers Exhumierung Verschwöhrungstheorien ein Ende bereiten soll, wonach in dem Grab gar nicht der Leichnam des Kriminellen liege.

Die Graböffnung könnte sich allerdings als äußerst schwierig erweisen. Dillingers Vater ließ den Sarg seines Sohnes den Berichten zufolge unter einer zweieinhalb Tonnen schweren Schutzkappe aus Stahlbetonplatten und Alteisen vergraben, weil er fürchtete, der Leichnam könne gestohlen werden. "Ich denke, sie werden es schwer haben, da durchzukommen", sagte Sutton dem "Time"-Magazin. "Den Dillingers war sogar Geld angeboten worden, um seinen Körper für Ausstellungen 'zu verleihen', also waren sie besorgt."

Für viele war Dillinger ein Volksheld

John Herbert Dillinger war einer der berüchtigsten Verbrecher der Vereinigten Staaten. Nach Angaben der Bundespolizei FBI tötete seine Bande mindestens zehn Menschen, als sie von 1933 bis 1934 eine blutige Reihe von Banküberfällen im Mittleren Westen beging. Viele von der Weltwirtschaftskrise gebeutelte Amerikaner betrachteten den Mann aus Indianapolis als Volkshelden, weil er die damals verhassten Banken ausraubte. Zur Legende wurde er auch, weil er mehrfach aus Gefängnissen entkam, einmal mit einer Holzpistole, die er mit Schuhcreme schwarz eingefärbt hatte. "Bei einigen Leuten war er zudem als sehr höflich bekannt, sogar während er stahl", erklärte Sutton. "Es ist eine seltsame Kombination."

DNA-Spuren führten Ermittler in Kalifornien nach 45 Jahren zu dem Mörder von Leslie Marie Perlov (21) und Janet Taylor (21).

Dillinger starb am 22. Juli 1934, seinem 31. Geburtstag. Die rumänische Prostituierte Anna Sage hatte ihn an das FBI verraten und dafür 10.000 US-Dollar und eine dauerhafte Einbürgerung verlangt. Als er mit ihr ein Kino in Chicago verließ, in dem er den Gangster-Film "Manhattan Melodrama" gesehen hatte, wurde er von FBI-Agenten bei dem Versuch, seine Pistole zu ziehen, erschossen. Sage erhielt für ihren Verrat nur 5000 Dollar - und wurde 1936 nach Rumänien abgeschoben.

Quellen: "Time""IndyStar"CNN;

mad
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