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Anklage durch US-Justiz "Nordkoreas Agenten sind zu den größten Bankräubern der Welt geworden"

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un - hier auf einem von der staatlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Foto vom 9. Mai. Kim soll hier einen Waffentest verfolgen.
Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un setzt konsequent auf Hacker um die Staatskasse zu füllen
© KCNA / DPA
Das Regime Kim Jong-uns finanziert sich zunehmend durch Raubzüge von Hackern. Die US-Behörden finden in einer aktuellen Anklage klare Worte.

Isoliert von der Welt, durch internationale Sanktionen von den meisten Importen abgeschnitten: Das nordkoreanische Regime hat sich durch Jahrzehnte Menschenrechts-verachtender Politik und nuklearen Bemühungen in eine sehr schwierige Situation manövriert. Herrscher Kim Jong-un setzt daher seit Jahren auf Hacker, um die klamme Staatskasse zu füllen. Die US-Justiz klagt nun drei von ihnen in Abwesenheit an. Und nennt sie "die größten Bankräuber der Welt."

Die Vorwürfe gegen die drei nordkoreanischen Staatsbürger sind schlicht atemberaubend: Mindestens 190 Millionen Dollar sollen sie bei Raubzügen im Auftrag ihres Heimatlandes erfolgreich erbeutet haben. Insgesamt versuchten sie, mehr als 1,3 Milliarden Dollar zu stehlen, schreiben die Beamten des US-Justizministeriums in der im Dezember eingereichten und am Mittwoch veröffentlichten Anklageschrift. Die Hacker hätten demnach für den nordkoreanischen Geheimdienst RGB gearbeitet. Sie sollen Teil von dessen als Lazarus oder auch APT38 berüchtigten Hackergruppe gewesen sein.

Bankraub im ganz großen Stil

Die Hacker hätten sich vor allem auf das Ausräumen von Banken und sogenannten Exchanges, also Handelsplätzen für Kryptowährungen wie Bitcoin, spezialisiert, so die Ermittler. Zuletzt hätten sie etwa in einer Bank auf Malta erfolgreich das Netzwerk übernommen und gefälschte Überweisungsnachrichten an andere Banken geschickt. Dabei geht es stets um hohe Summen: Alleine aus einer Bank in Bangladesch sollen sie 2016 81 Millionen Dollar abgegriffen haben. Auch die Manipulation an einzelnen Geldautomaten gehört zum Geschäft. Über 100 Millionen Dollar sollen zudem bei Überfällen auf Krypto-Exchanges erbeutet worden sein, davon 75 Millionen Dollar von einem einzigen Angriff auf einen slowenischen Dienst.

Für die Ermittler macht das die koreanischen Hacker zu einer der größten Gefahren für das internationale Bankenwesen. "Nordkoreas Agenten haben sich zu den größten Bankräubern der Welt entwickelt, indem sie mit Tastaturen statt Schusswaffen digitale Geldbörsen statt Geldsäcke erbeutet haben", erklärte der Stellvertretende Staatsanwalt für nationale Sicherheit, John C. Demers, der "Washington Post". "Das Ausmaß des kriminellen Verhaltens der nordkoreanischen Hacker ist erschütternd", pflichtete die kalifornische Oberstaatsanwältin Tracy L. Wilkinson bei. "Es sind die Taten eines kriminellen Staates, der vor nichts haltmacht, um Rache zu üben oder Gelder für das Regime einzunehmen."

Kim Jong Un - ein übergewichtiger Asiate mit rundem Kopf und schwarzem Bürstenschnitt - steht an einem Rednerpult und lacht

Berüchtigte Hacker

Die Bemerkung zur Rache bezieht sich auf den sogenannten Sony-Hack, der Nordkoreas Hacker erstmals auf der Weltbühne bekannt machte. Als das Filmstudio Sony Pictures die Komödie "The Interview" ankündigte, in der sich Seth Rogen und James Franco über den Herrscher Kim Jong-un lustig machten, nahmen die Hacker des Regimes das Studio auseinander, luden komplette Filme vor der Veröffentlichung ins Netz. Die jetzige Klage beruht indirekt auf dem bekannten Fall: Einer der nun Beklagten war 2018 als erster nordkoreanischer Staatsbürger wegen des Sony-Hacks von der US-Justiz angeklagt worden.

Bezüglich der Strafen machen sich die Ankläger keine Illusionen: Vermutlich werden die nun Angeklagten ihre Strafe nie auf dem Boden der USA absitzen, gibt die Klageschrift unumwunden zu. Die Anklage hätte vor allem den Zweck, die Öffentlichkeit auf den Fall aufmerksam zu machen. Anders sieht es bei einem Kanadier aus, der den Hackern bei der Geldwäsche behilflich war. Er hatte in Nordamerika ein Netzwerk aus "Geldeseln" betrieben, die das gewaschene Geld an Automaten abhoben. Und dürfte seine Strafe trotz Geständnis und Ermittlungsunterstützung auch absitzen müssen.

Quelle: Anklageschrift, Washington Post


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