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Sarow: Stalin baute hier Atombomben: Forscher wollten heimlich mit Bitcoin reich werden

In der Nuklear-Anlage Sarow entwickelte Russland seine erste Atombombe. Heute steht hier einer der mächtigsten Super-Computer des Landes. Der sollte einige Forscher reich machen, so der Plan. Doch sie wurden verhaftet - wegen eines peinlichen Fehlers.

Sarow Atombombe

Die erste russische Atombombe wurde in Sarow entwickelt, heute betreibt man dort unter anderem ein Museum für die Nuklearwaffen

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Es ist eine Stadt im Niemandsland. Knapp 400 Kilometer von Moskau entfernt liegt Sarow, umgeben von den tiefen Wäldern Russlands. Die ehemals abgeriegelte und von einem Zaun umgebene Stadt beherbergt noch heute das Föderale Nukleare Zentrum, dass einst unter Stalin die erste Atombombe der Russen baute. Auch die größte je gezündete Bombe - die Zar-Bomba - stammt aus dem Labor. Jetzt wollten einige der Forscher es nutzen, um sich selbst reich zu machen.

Eine unbestimmte Anzahl von Mitarbeitern des Forschungszentrums sei verhaftet worden, meldete die "BBC" unter Berufung auf das Pressezentrum der Forschungsanlage. Der Vorwurf: Die Nuklear-Forscher wollten die gigantische Rechenkraft des dortigen Supercomputers nutzen - und mit ihm Bitcoin berechnen. Sie sollen dem Geheimdienst FSB übergeben worden sein, es werde eine Anklage vorbeireitet.

Dummer Fehler

Den Forschern wurde ein dummer Fehler zum Verhängnis. Aus Sicherheitsgründen war der Supercomputer der Anlage nicht mit dem Internet verbunden. Um Kryptowährungen anzubauen, braucht man aber eine Internet-Verbindung. Also versuchten die Verdächtigen, ihn einzuklinken - und lösten damit ein Sicherheitssystem aus. Eigentlich eine vorhersehbare Sicherheitsmaßnahme.

Wäre alles gut gegangen, wären die Forscher wohl reich geworden. Obwohl der größte Hype um die Kryprowährung schon wieder abgeklungen ist, lassen sich mit den Bitcoin und Co. immer noch gutes Geld verdienen - vor allem, wenn man sie selbst erstellt. Neue Einheiten der Währungen werden in der Regel kreiert, indem man Rechner hochkomplexe Mathe-Aufgaben lösen lässt. Je mehr Einheiten auf dem Markt vorhanden sind, desto schwieriger werden die Rechnungen. So soll eine Überflutung des Marktes mit neuen Einheiten verhindert werden. Im Fachjargon nennt man den Vorgang "Mining".

Da man für das Mining viel Rechenleistung und Strom braucht, ist es für die meisten Privatanwender kaum interessant. Für den Supercomputer wäre es aber wohl ein Klacks gewesen. Er soll laut Berichten eine Leistung von 1 Petaflop erreichen, könnte damit eine Billiarde Berechnungen die Sekunde ausführen. Und wäre einer der zehn schnellsten Computer der Welt. Zum Vergleich: Moderne Hochleistungs-Prozessoren für Konsumenten-PCs schaffen nur etwa 200-300 Milliarden Berechnungen. Kein Wunder, dass irgendwann bei einigen die Gier über die Vernunft siegte.

mma