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"La China" : Die mexikanische Killerin, die vom Ex-Liebhaber verraten wurde

Auf einen kometenhaften Aufstieg in der Welt des organisierten Verbrechens folgt der tiefe Fall. Die mexikanische Gangsterin "La China" metzelt sich an die Spitze eines Kartells - und wird schließlich vom ehemaligen Liebhaber verraten.

Cabo San Lucas ist ein beliebter Urlaubsort in Mexiko

Cabo San Lucas ist ein beliebter Urlaubsort in Mexiko. Dort schnappten die Fahnder "La China".

Alles deutet darauf hin, dass es ein ganz normaler Samstag im Leben von Melissa Calderon werden sollte. Schnell mal mit dem Flieger von Cabo San Lucas auf der mexikanischen Halbinsel Baja California über den Golf von Kalifornien nach Sinaloa jetten. Dort vielleicht ein paar Drogengeschäfte mit dem brutalen Kartell regeln, zwischendurch ein paar Morde in Auftrag geben - und danach wieder zurück nach Hause fliegen, um die Geschäfte dort am Laufen zu halten.

Doch an diesem Samstag schafft es Melissa Calderon nicht in den Flieger. Sie bekommt ungeplanten Besuch. Mexikanischen Sicherheitskräften war sie ihr ganzes Leben lang entkommen. Doch dieses Mal greifen sie am Flughafen zu. Calderon liefert sich keine wilde Schießerei, versucht auch nicht, im letzten Moment zu fliehen, sie bekommt auch keinen entscheidenden Tip wie das eigentlich so üblich war, wenn ihr die Polizei zu nahe kam. Sie, genannt "La China, eine der am meisten gefürchteten Killerinnen Mexikos, Drogenbaronin und Chefin ihres eigenen Kartells, sie muss sich dieses Mal kampflos ergeben.

Vom Ex-Liebhaber verraten

Die Geschichte von "La China" und ihrer Verhaftung geht derzeit um die Welt. Britische Medien wie die "Daily Mail" berichten darüber, die "Bild", der "Focus", in den USA, hat das Onlinemagazin "Dailybeast" eine große Geschichte über den Fall veröffentlicht. Es ist der Hintergrund, der diesem Lesestoff die Fallhöhe gibt. Denn während normalerweise die brutale Killerin diejenige ist, die über alles und jeden Bescheid weiß, weil sie auch bei der Polizei ihre Quellen hat, ist es dieses Mal anders herum. Bei dieser Verhaftung ist die Polizei "La China" einen Schritt voraus.

Ausgerechnet ihr Ex-Liebhaber, dessen Spitzname fast genauso klingt wie "La China", verrät der Polizei alles. "El Chino" hatte sich von ihr abgewandt. Ihn störte offenbar, dass seine Freundin mit der Zeit immer brutaler und gewissenloser agierte, vor allem die Gewalt gegen eigene Leute soll ihm aufgestoßen sein. Insgesamt gehen offenbar rund 180 Morde auf ihr Konto. Es heißt, sie sei bekannt dafür, ihre Opfer zu foltern und zu zerteilen, um dann die entstellten Leichen vor den Türen der Familien der Getöteten abzuladen.

Aufstieg vom Auftragskiller zur Führungskraft

Zuvor hatte "La China" einen beispiellosen Aufstieg in dem mexikanischen Drogenkartell "Damaso" hingelegt. 2005 fing sie als Auftragsmörderin an und machte sich durch ihre kompromisslose und grausame Art schnell einen Namen. Nach rund drei Jahren wurde sie zum Chef des Tötungskommandos des Kartells mit Dutzenden Untergebenen, das berichtet jedenfalls die "Daily Mail"

Als dann im Sommer 2015 ein ehemaliger Kollege aus der Haft entlassen wird, drängt man sie, zu dessen Gunsten ihren Posten im Kartell zu räumen. Der Häftling soll nach Informationen von "The Daily Beast" vor seiner Strafe einen weiteren Ex-Freund "La Chinas" ermordet haben. Daraufhin kam es zum Disput: "La China" verließ wütend die Organisation und baute sich ein eigenes Kartell auf. Mit einer rund 300-Mann starken Mördertruppe begann sie einen erbitterten Territorialkrieg gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber.

Im Visier der Behörden

Aufgrund ihres besonders skrupellosen Vorgehens wurde sie schnell zum Hauptziel der örtlichen Behörden. Sie musste offenbar mehrfach ihre Häuser und Fahrzeuge wechseln. Ihre Brutalität gegen ihre eigenen Leute lässt sich am besten an dieser in den Medien kursierenden Anekdote erzählen: Zuletzt soll sie einen ihrer Untergebenen gebeten haben, ihr ein neues Fahrzeug zu besorgen. Ein befreundetes Ehepaar von dessen Eltern trifft sich samt Auto daraufhin mit "La China". Doch statt zu zahlen, soll die Killerin die beiden kurzerhand umgebracht haben. Als ihr Mitarbeiter sich darüber beschwert, tötet sie auch ihn - und zerstückelt anschließend seine Leiche.

So hat sie offenbar mehr und mehr den Rückhalt in den eigenen Reihen verloren. Ihr Ex-Freund "El Chino" saß bereits in Polizeigewahrsam. Und er entschied sich, der Polizei umfängliches Beweismaterial inklusive Aufenthaltsort seiner Ex zu liefern. Er erhält im Gegenzug eine verringerte Haftstrafe.

So ist die Karriere von "La China" als selbstständige Drogenbaronin nach nur wenigen Monaten vorerst wieder beendet. Doch wer weiß. Sie wäre nicht die erste, die vorzeigt wieder ausbricht.  Zuletzt floh schließlich auch der berühmte Drogenboss "El Chapo" aus einem der mexikanischen Hochsicherheitsgefängnisse. Ihr Ex-Freund dürfte daher neben einer verringerten Haftstrafe auch Interesse an Polizeischutz haben.

fin
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