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Laster kracht in Autos: Lkw-Zwischenfall von Limburg: Festgenommener stammt offenbar aus Syrien

Nach dem Zwischenfall mit einem Lastwagen in Limburg hat die Polizei nach eigenen Angaben die Spurensicherung abgeschlossen. Frühere Angaben zur Zahl der Verletzten wurden korrigiert. Bei dem Festgenommenen soll es sich um einen Syrer handeln. Darüber hinaus herrscht aber weiter Rätselraten.

Limburg: Mann stiehlt Lastwagen und fährt in Autos

+++ Dieser Artikel wird laufend aktualisiert +++

Nach dem Lkw-Zwischenfall in der hessischen Kleinstadt Limburg steht nun die Suche nach den Gründen für das Unglück im Fokus. Die Polizei äußerte sich auch am frühen Dienstagmorgen nicht dazu, ob es sich um einen Unfall oder einen Anschlag gehandelt habe. Es gab auch keine Informationen darüber, ob sich der Fahrer, der das Fahrzeug wohl kurz zuvor gestohlen hatte, sich zu seinem Motiv geäußert hat oder ob der Laster Bremsspuren auf dem Asphalt hinterlassen hat.

Bis in den späten Abend hinein werteten Ermittler Zeugenaussagen aus. Im Laufe des Morgens wolle man sich zu Erkenntnissen der Nacht äußern, sagte ein Sprecher.

Mutmaßlicher Täter offenbar aus Syrien

Auch nach Angaben der Staatsanwaltschaft von heute Morgen seien die Hintergründe nach wie vor unklar. Es sei noch zu früh für Wasserstandsmeldungen zur Motivlage, sagte Alexander Badle von der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt der Deutschen Presse-Agentur. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittele in dem Fall - und zwar in alle Richtungen. Dem stern sagte Badle am Vormittag, dass man sich sich in einer "Phase der heißen Ermittlungen" befinde. Bezüglich Medienberichten, wonach Behörden die Tat als Terrorakt einstufen würden, hieß es, dass diese Information nicht von der Generalstaatsanwaltschaft stamme und nicht bestätigt werden könnte. Im Laufe des Tages sollen weitere Informationen bekannt gegeben werden, so Badle. 

Bei dem Festgenommenen handelt es sich offenbar um einen Syrer, der sich seit 2015 in Deutschland aufhält und 2016 einen subsidiären, also eingeschränkten Schutzstatus erhalten hat. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Dienstag aus Sicherheitskreisen. Das Motiv des Mannes sei noch unklar. Der Festgenommene hatte nach Erkenntnissen der Behörden keine Kontakte zu militanten Salafisten oder anderen Extremisten. Der hessische Innenminister Peter Beuth (CDU) erklärte, dass dies zumindest "nach den derzeitigen Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden" gelte, so die AFP. Der 1987 geborene Syrer soll bisher noch keine Aussage gemacht haben. Für ein terroristisches Motiv gebe es bislang noch keine Hinweise, es könne aber auch nicht ausgeschlossen werden. Nach DPA-Informationen ist er bisher mit Drogendelikten und Gewaltkriminalität aufgefallen.

Wie die DPA weiter berichtet ist in der Nacht zum Dienstag eine Wohnung im südhessischen Langen durchsucht worden. Die Maßnahme stehe im Zusammenhang mit den Geschehnissen in Limburg, sagte eine Polizeisprecherin in Offenbach. Weitere Details nannte sie nicht. Zuvor hatte die "Offenbach-Post" darüber berichtet. An dem Einsatz in Langen war der Sprecherin zufolge ein Spezialeinsatzkommando (SEK) beteiligt.

Seehofer: Hintergrund noch unklar

Auch laut Bundesinnenminister Horst Seehofer sei der Hintergrund noch unklar. Auf die Frage nach möglichen Hinweisen auf einen Terroranschlag sagte der CSU-Politiker am Dienstag am Rande eines EU-Innenministertreffens in Luxemburg: "Da wird ermittelt und ich kann Ihnen zur Stunde noch nicht sagen, wie diese Tat zu qualifizieren ist."

Die Bundesanwaltschaft sieht den Lkw-Zwischenfall von Limburg zum jetzigen Zeitpunkt nicht in ihrer Zuständigkeit. Das sagte ein Sprecher der Karlsruher Behörde am Dienstag auf Anfrage der DPA. Man habe das Geschehen aber im Blick und stehe in engem Kontakt mit den hessischen Strafverfolgungsbehörden. Nähere Angaben machte er nicht. Die Bundesanwaltschaft ist für Ermittlungen bei Terrorverdacht zuständig. 

Weniger Verletzte als zunächst angenommen

Am späten Montagnachmittag war ein Mann mit einem gestohlenen Lastwagen in der Innenstadt von Limburg auf acht Autos aufgefahren und hatte sie ineinander geschoben. Wie die Polizei am späten Montagabend mitteilte, ereignete sich der Vorfall an der Straße Schiede auf Höhe des Landgerichts.

Zunächst hieß es, dass 17 Menschen verletzt wurden – darunter auch der Fahrer, den die Polizei danach festnahm. Am Dienstagmorgen hat die Polizei jedoch frühere Angaben zur Zahl der Verletzten korrigiert. Die Auswertung der Angaben aller Rettungsdienste habe ergeben, dass neun Menschen leicht verletzt wurden, sagte ein Polizeisprecher in Wiesbaden am Morgen. Sieben Verletzte habe man in Krankenhäuser gebracht, einen ambulant versorgt. Und auch der Fahrer sei leicht verletzt worden. Der Sprecher wies zudem ausdrücklich darauf hin, dass kursierende Meldungen von Toten oder Schwerverletzten nicht der Wahrheit entsprächen. Zunächst hatte es geheißen, eine Person befinde sich im kritischen Zustand.

Am frühen Morgen schlossen die Ermittler zudem die Spurensicherung vor Ort ab. Der Laster wurde abgeschleppt. Er werde weiter in einem Polizeigebäude untersucht, sagte ein Sprecher. Der Lkw war zuvor in unmittelbarer Nähe des Schauplatzes gestohlen worden. 

Zur Frage von Medienvertretern, ob es sich um einen terroristischen Anschlag handeln könnte, sagte ein LKA-Sprecher am Montagabend: "Wenn solche Ereignisse passieren, dann ist es Aufgabe der Polizei, natürlich in sämtliche Richtungen alle Möglichkeiten im Blick zu haben. Genau das machen wir. Und wir schließen momentan überhaupt nichts aus." 

Die Polizei warnte mehrfach vor Spekulationen. Auf Twitter schrieb sie: "Trolle oder wilde Spekulationen braucht niemand." Zudem riefen die Ermittler Zeugen auf, sich zu melden, wenn sie etwas gesehen haben, Videos oder Bilder haben, die mit den Geschehnissen im Zusammenhang stehen.

Der Fahrer wurde aus seinem Lkw gezerrt

Der Bürgermeister von Limburg, SPD-Politiker Marius Hahn, sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Ich bin geschockt und in meinen Gedanken bei den verletzten Unfallopfern und deren Familien." 

Die "Frankfurter Neue Presse" zitierte den eigentlichen Fahrer des Lasters: "Mich hat ein Mann aus meinem Lkw gezerrt." Als er vor einer roten Ampel wartete, habe der Unbekannte die Fahrertür des Lkw aufgerissen und ihn mit weit geöffneten Augen angestarrt, so der Fahrer. "Was willst Du von mir?", habe er den Mann gefragt. "Aber er hat kein Wort geredet. Ich habe ihn noch mal gefragt. Dann hat er mich aus dem Lkw gezerrt", heißt es weiter in dem Bericht.

Der Zeitung zufolge soll der Mann, der bei der Kollision am Steuer saß, von mehreren Passanten erstversorgt worden sein. "Dabei soll der Fahrer laut den Passanten mehrmals "Allah" gesagt haben", wie ein Reporter berichtete.

Quellen: Agenturen, Polizei Limburg

rös / rw / DPA
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