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Verbrechen aus dem Jahr 1993: 26 Jahre nach einem ungeklärten Mordfall wird ein Mann verhaftet – weil er eine Serviette wegwirft

1993 wurde eine 35-jährige Frau in Minnesota brutal ermordet. Eine heiße Spur gab es nie - bis vor einigen Wochen. Ein Verdächtiger wurde wegen DNA-Spuren auf einer Serviette verhaftet.

In Minnesota soll ein Mann 26 Jahre nach der Tat des Mordes überführt worden sein (Symbolbild)

In Minnesota soll ein Mann 26 Jahre nach der Tat des Mordes überführt worden sein (Symbolbild)

Getty Images / AFP

Der Besuch eines Hockey-Spiels endete für Jerry W. aus Minnesota anders als erwartet. Der 52-Jährige genehmigte sich während der Sportveranstaltung einen Hotdog und warf danach seine Serviette in den Mülleimer. Eigentlich kein ungewöhnlicher Vorgang, doch in W.s Fall hatten Ermittler genau auf diesen Moment gewartet. Wie die "Minneapolis Star Tribune" berichtet, stellten die Beamten die Serviette nach Ende des Spiels sicher und untersuchten die DNA.

Die gefundenen Beweise brachten den Mann einige Wochen später ins Gefängnis. Ihm wird vorgeworfen, im Jahr 1993 eine 35-jährige Frau in ihrer Wohnung niedergestochen und getötet zu haben. Die Staatsanwaltschaft behauptet dem Bericht zufolge, es gäbe aufgrund der DNA-Spuren keinen Zweifel an W.s Schuld. 

Die Vorwürfe gegen den zum Zeitpunkt der Tat 27 Jahre alten W. spiegeln einen besonders brutalen Überfall auf die Frau wider, die als Prostituierte gearbeitet haben soll. Der Anklage zufolge hat die Polizei die Frau 1993 in ihrer Wohnung leblos unter der Dusche aufgefunden - mit laufendem Wasser. Sie habe zahlreiche Stichwunden, von denen ihr einige erst nach ihrem Tod zugefügt wurden, aufgewiesen. Die Beamten wären nur auf die Leiche aufmerksam geworden, weil ein Mieter sich beschwert hatte, dass Wasser aus der Wohnung der Toten gekommen war. 

2015 wurde der Fall in Minnesota neu aufgerollt

Die Ermittler sollen damals mehrere Beweise sichergestellt haben, unter anderem eine Bettdecke, ein Handtuch, ein T-Shirt und einen Blutfleck auf der Spüle. Die Spuren führten damals allesamt ins Leere.

Fortschritte bei DNA-Tests veranlassten die Polizei im Jahr 2015, den Fall wieder aufzurollen. Proben vom Tatort wurden laut "Minneapolis Star Tribune" an staatliche Behörden für kriminelle Verfolgung und private Unternehmen geschickt. 

Erst eine Webseite für Ahnenforschung brachte zwei Verdächtige hervor. Einer von ihnen war Jerry W., der andere ein enger Verwandter von ihm. Beide hatten DNA-Proben für Informationen über ihre Abstammung bei dieser Webseite eingereicht. 

Nach dieser Entdeckung wurde W. von Beamten beschattet, in der Hoffnung, eine DNA-Probe des Mannes nehmen zu können. Beim Hotdog-Stand konnten sie schließlich zuschlagen. 

Die DNA von W.s Serviette stimmte mit gesammelten Spuren aus dem Appartement überein. Der zuständige Staatsanwalt Mike Freeman ist sich sicher, dass die Methode vor Gericht Bestand haben wird: "Wenn etwas in den Müll geworfen wurde, hat der Oberste Gerichtshof schon oft gesagt, es sei Freiwild."

Verdächtiger streitet die Tat ab

Während einer Befragung soll W. alle Vorwürfe gegen ihn abgestritten haben. Sein Anwalt wollte der Zeitung gegenüber keinen Kommentar abgeben. Der 52-Jährige ist wegen Mordes angeklagt, im März beginnt die Gerichtsverhandlung. 

Webseiten für Ahnenforschung sind in letzter Zeit häufiger dazu genutzt worden, um Verbrechen aufzuklären. Im vergangenen Frühjahr führten Beweise zur Festnahme des "Golden State Killers", einem Serienmörder und Vergewaltiger, der jahrzehntelang nicht geschnappt werden konnte. Seit Anfang 2018 sollen 50 ungeklärte Verbrechen in den USA dank Ahnenforschungs-Webseiten gelöst worden sein, erklärt CeCe Moore, Ahnenforscher bei Parabon NanoLabs. "Es ist revolutionär (für die Strafverfolgung). Wir können Serienmörder oder Serienvergewaltiger so viel schneller identifizieren und sie davon abhalten, sich weitere Opfer zu suchen."

Quelle: "Minneapolis Star Tribune"


vit