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Nach 38 Jahren Gefängnis: Er ertrug die Freiheit nicht – freigelassener Mörder will wieder in den Knast

Insgesamt 38 Jahre lang saß Paul H. Borroni wegen Mordes im Gefängnis. Nicht einmal einen Monat nach seiner Freilassung beging er wieder eine schwere Straftat – weil er das Leben in Freiheit nicht ertrug.

Hinter dem Rücken gefesselte Hände eines Häftlings

Vielen Häftlingen fällt es nach einer langen Gefängnisstrafe schwer, sich wieder in der Freiheit zurechtzufinden

Getty Images

Paul H. Borroni war 17 Jahre alt, als er im Juni 1978 die gleichaltrige Diane Kramer tötete. Der Obduktionsbericht spricht von mindestens 36 Messerstichen – Borroni gab die Tat sofort zu und behauptete, aus Liebeskummer gehandelt zu haben. In St. Louis, Missouri, wurde er zu einer Gefängnisstrafe von 35 Jahren verurteilt, nach seiner Freilassung landete er wegen Verstößen gegen die Bewährungsauflagen wieder hinter Gittern, berichtet "St. Louis Post-Dispatch".

Insgesamt verbrachte Borroni 38 der letzten 39 Jahre im Gefängnis. Dann wurde er im Februar erneut entlassen. Doch mittlerweile ist der heute 57-Jährige wieder zurück im Knast – und das nicht, weil er so kriminell ist, sondern weil er es genau so wollte.

Raubüberfall vorgetäuscht, um wieder im Gefängnis zu landen

Nur 26 Tage verbrachte Borroni in Freiheit. Dann marschierte er in eine Bar, steckte seine rechte Hand unter seinen Mantel, als hätte er darunter eine Waffe verborgen, und forderte die Bedienung auf, ihm Geld zu geben, sonst würde er sie erschießen. Anschließend forderte er sie auf, die Polizei zu rufen. "Mach es", sagte er laut dem Zeitungsbericht, "oder ich erschieße dich."

"Er kam einfach raus und sagte: 'Ich will zurück ins Gefängnis'", berichtete Polizeichef Stewart Glenn. Das Leben in Freiheit sei für ihn unerträglich gewesen, erklärte Borroni später im Polizeiverhör. Er habe keinen Job bekommen, aus seiner Übergangsunterkunft sei er geflogen, als er dort mit einer Flasche Bier erwischt wurde.

Überfordert mit der Welt im 21. Jahrhundert

Am schlimmsten aber war für Borroni, dass die Welt, in die er geschickt wurde, ganz anders aussah als die, die er als 17-Jähriger gekannt hatte. Damals gab es keine Computer, keine Smartphones, Jimmy Carter war Präsident und die USA steckten mitten im Kalten Krieg mit der Sowjetunion. "Die Welt ist in große Eile geraten und ich konnte nicht mithalten", beschreibt er sein Gefühl im Gespräch mit "St. Louis Post-Dispatch". Seine Schwester habe ihm aus Florida ein Smartphone geschickt, er habe fünf Minuten lang versucht, ihr damit eine SMS zu schreiben – vergeblich. "Dieses ganze Technikding macht mich verrückt", sagt er, "ich fühle mich fehl am Platz."

Er habe nicht als Obdachloser enden wollen, erklärt Borroni, lieber sei er zurück ins Gefängnis gegangen: "Ich weiß, dass ich dort einen Platz zum Schlafen habe." Am 26. März soll die Gerichtsverhandlung stattfinden. Aktuell sitzt er wieder in U-Haft, bei einer Verurteilung erwarten ihn mindestens zehn Monate Haft. Dann wäre Paul H. Borroni wieder zurück in einer Welt, die er versteht: "Im Gefängnis gibt es Struktur. Hier draußen treibe ich nur umher."

epp
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