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Rechte Parolen via Whatsapp Eltern entdecken Nazi-Chat - Sohn muss vors Jugendgericht

Whatapp
Auf dem Handy ihres Sohnes fanden Eltern einen Whatsapp-Chat mit rechtsradikalen Parolen
© Ritchie B. Tongo/DPA
Eltern fanden auf dem Handy ihres 14-jährigen Sohnes einen Whatsapp-Chat, in dem rechtsradikale Inhalte verbreitet wurden. Sie stellten ihn zur Rede und verständigten die Polizei. Die beließ es nicht allein bei einer Standpauke für den Jungen.

Ein Elternpaar aus München hat auf dem Handy seines Sohnes einen Whatsapp-Chat mit rechtsradikalen Parolen und Pornos entdeckt. Weil die beiden den Fall an die Polizei weitergaben, muss sich ihr minderjähriger Sohn nun vor dem Jugendgericht verantworten. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ). Demnach waren 179 Menschen Teil der Whatsapp-Gruppe, sie schickten sich Judenwitze, Hitlergruß und Parolen, mit denen sie die SS verherrlichten. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft München.

Bei den Teilnehmern handelt es sich offenbar hauptsächlich um minderjährige Schüler. Bei dem 14-jährigen Jungen, bei dem die Eltern aufmerksam wurden, ging es dem Vater, der die Polizei verständigte, darum, die "Arischen Bruderschaft" außer Gefecht zu setzen. So nannte sich die Chatgruppe; die Eltern vermuteten einen Neonaziring, der Kinder und Jugendliche für die rechte Szene an Schulen anwirbt. Die Teilnehmer wurden durch einen Administrator der Gruppe hinzugefügt und posteten im Chat laut "SZ" täglich bis zu tausend überwiegend rechtsradikale Nachrichten.

Dürfen Eltern die Handys ihrer Kinder kontrollieren?

Der Junge ist Schüler an einem Gymnasium in München. Obwohl er schon 14 Jahre als war, war der Handy-Check des Vaters in diesem Fall rechtens; Eltern dürfen das Handy sowie auch die Post ihrer jugendlichen Kinder kontrollieren, wenn der begründete Verdacht besteht, dass ihr Kind verbotene Inhalte besitzt oder verbreitet. Dem müssen sie dann nachgehen:  Eine unterlassene Kontrolle bedeutet eine Verletzung der Fürsorgepflicht und einen Verstoß gegen das Jugendschutzgesetz. Denn Kindern fehlt etwa bei gewaltverherrlichenden Inhalten das rechtliche Vorstellungsvermögen: Nicht nur das Erstellen, auch das Verteilen solcher Inhalte ist strafbar.

Anzeige und Verurteilung vor dem Jugendgericht

Die Eltern, die den Chat der Polizei meldeten, haben ihrem Sohn die Bedeutung der verbreiteten Inhalte verdeutlicht: Wie die "SZ" berichtet, gab der Vater an, das Thema ausführlich besprochen zu haben; der Junge besuchte eine KZ-Gedenkstätte und einer Beratungsstelle, wechselte sogar die Schule.

Doch auch juristisch gab es - von den Eltern so vermutlich nicht beabsichtigt - Konsequenzen für den Jugendlichen: Er wurde angezeigt; ihm wurde offiziell Volksverhetzung und das Verwenden von Symbolen verfassungsfeindlicher Organisationen vorgeworfen. Ein Jugendgericht sprach ihn schuldig und verurteilte ihn dazu, 25 Stunden historische Literatur über die NS-Zeit zu lesen. Dazu bekommt der 14-Jährige für fünf Jahre einen Eintrag ins Erziehungsregister.

Die Familie habe um das Risiko einer Anzeige gewusst, sagte der Vater der "SZ", und zeigt sich doch enttäuscht vom Umgang der Justiz. Ihnen sei es schließlich nur darum gegangen, eine Nazigruppe auffliegen zu lassen, von der sie glaubten, dass sie Nachwuchs an Münchner Schulen rekrutiert. Doch die Polizei hat bei Hinweisen auf eine konkrete Straftat keine andere Möglichkeit: Sie muss ermitteln. Mit dem Jungen hatten die Beamten einen Verdächtigen vor der Nase - auch gegen die anderen Gruppenteilnehmer wird ermittelt.

jen

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