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Interview

Goldzug-Jäger Andreas Richter: Sie glauben also weiterhin daran, dass dort ein Nazi-Zug ist?

Schatzsucher meldeten vor einem Jahr, einen alten Nazi-Zug in Polen entdeckt zu haben. Schnell rankten sich Spekulationen um einen verschollenen Gold-Schatz. Im Juli sollen die Grabungen nun beginnen. Der stern hat mit dem Jäger des verlorenen Schatzes gesprochen.

Andreas Richter auf der Suche nach dem Goldzug in Polen

Fast ein Jahr musste Andreas Richter (l.) warten: Im Juli sollen die Grabungen nach dem ominösen Nazi-Goldzug in Polen beginnen.

Knapp ein Jahr ist es her, dass zwei Hobbyforscher in Polen einen Fund von historischer Tragweite vermeldeten: Mithilfe eines Georadars wollen Andreas Richter und sein Kollege Piotr Koper einen verschollenen Panzerzug der Nazis in einem alten Tunnel entdeckt haben. An Bord könnte sich alles Mögliche befinden: von geraubten Kunstschätzen, über das verschollene Bernsteinzimmer, bis hin zu Tonnen an Goldbarren. Der Standort soll am Gleiskilometer 65 zwischen den Städten Breslau und Waldenburg liegen.

Schnell kamen jedoch Zweifel an der Theorie der Schatzsucher auf - manch einer behauptete gar, die Aufnahmen seien Fälschungen. Auch weitere Untersuchungen der Fundstelle brachten bislang keine Gewissheit. Doch die Mär vom Goldzug der Nazis hält sich wacker - über die Stadt Waldenburg brachen Horden von Journalisten, Schatzsuchern und Touristen herein. Zweifelsfrei ist bislang nur belegt, dass die Stadt Waldenburg von dem Hype um den verschollenen Nazi-Schatz profitiert. Die Besucherzahlen in der gesamten Region sind seit dem angeblichen Sensationsfund sprunghaft gestiegen. Nach Monaten des Wartens kommt nun wieder Bewegung in die Sache: Im Juli wird mit den Grabungen begonnen, dann soll endlich Gewissheit herrschen. Im stern-Interview erklärt Schatzsucher Andreas Richter, wie es jetzt weitergeht.

Herr Richter, ab Juli sollen die Grabungen nach dem verschollenen Panzerzug beginnen, wie wollen Sie dabei vorgehen?

Wir werden zunächst drei Probegrabungen durchführen, nicht direkt über dem Objekt, aber daneben. Das machen wir, weil wir zusätzliche Informationen erhalten haben, dass die Tunnelführung in der Region etwas größer ist, als wir zunächst nach den Ausmessungen angenommen haben. Es handelt sich nicht um einen reinen Tiefbau, sondern um eine archäologische Grabung. Das heißt, wir können zwar bis sieben Meter nach unten graben, müssen aber an den Seiten und nach außen einen Keil lassen. Damit jederzeit gewährleistet ist, dass man den Boden untersuchen kann und bei eventuellen Unstimmigkeiten ohne Probleme aus dem Bereich herauskommt. Das Objekt liegt dann in ungefähr acht Metern Tiefe.

Wie sieht der Zeitplan für das Projekt aus, wann gibt es Gewissheit, ob der Zug existiert?

Wir rechnen damit, dass wir in den ersten drei Tagen die erste Grabung abschließen können. Dann werden wir sehen, ob wir die Grabung wieder auffüllen, Belüftungszugänge lassen oder ob wir von dieser Stelle dann direkt zu dem Objekt, was wir ausgemessen haben, vordringen können. Wenn sich nach der ersten Grabung unsere Informationen bestätigen, dann werden wir mit der zweiten Grabung bereits an das Objekt rankommen. Das alles ist für ein Zeitfenster von zehn Tagen Anfang Juli angesetzt.

Warum hat es so lange gedauert, bis es jetzt endlich losgehen kann?

Da gibt es verschiedene Probleme. Denkmalschutz war eigentlich von Anfang an ein Hauptproblem. Wobei dieses Gelände nicht mal unter Denkmalschutz steht, aber es wird eben trotzdem darauf geachtet. Zum anderen haben wir das Problem, dass direkt neben dem Objekt eine Bahnlinie verläuft. Wir haben obendrüber eine Hochspannungsleitung und daneben sind noch mehrere Kabel verlegt, die genau in diesen Verlauf eingegraben sind - in unterschiedlichen Tiefen. Hinzu kommt noch ein privater Investor, der das Gelände gekauft hat. Wir benötigen von allen eine Genehmigung. Hinzu kommen natürlich noch die ganzen Vorbereitungen für die Arbeiten, alles muss abgesegnet sein. Unsere Leute vor Ort müssen Schulungen erhalten, müssen versichert werden, es hängt sehr viel dran. Wir mussten auch alles selber organisieren, wir haben unsere eigenen Spezialisten für Munitionsfunde für Chemie, Archäologen, Vermesser - alles unsere eigenen Leute. Das musste alles erstmal auf die Beine gestellt werden.

Mit welchen Herausforderungen rechnen Sie bei den Grabungen?

Dadurch, dass sich das Zeitfenster soweit in den Sommer hineinzieht, könnten Flora und Fauna zum Problem werden. Sprich: Wurzeln, Nester oder Tiere, die sich auf dem Grabungsgelände befinden. Und das Wetter ist natürlich immer ein Unsicherheitsfaktor.

Wie gehen sie mit den Vorwürfen um, ihre Georadar-Aufnahmen seien Fälschungen?

Das war zum Anfang so. Mittlerweile haben sich die Pessimisten beruhigt oder sogar vom Gegenteil überzeugen lassen. Wir haben ja verschiedene Messgeräte und Messverfahren vor der Pressekonferenz im Dezember angewendet. Da sind Techniken dabei, die auch das AGH (Akademie für Bergbau von der Wissenschaftlich-Technischen Universität Krakau), die ja quasi die Gegenmessungen gemacht haben, verwendeten. Zusätzlich zu unseren Techniken haben wir noch den Geologen Adam Szynkiewicz aus Breslau hinzugezogen. Dieser hat mit dem gleichen Messsystem, das auch die AGH verwendete, die Ergebnisse nochmal verifiziert. Diese Auswertung und die Rohdaten wurden dann auch durch Wissenschaftler in London nochmal überprüft und bestätigt. Ich kann von meiner Seite aus versichern, dass es sich bei den Aufnahmen nicht um Fälschungen handelt, weil ich die Bearbeitung selbst durchgeführt habe. Aber selbst Kritiker haben sich in letzter Zeit davon überzeugen können, dass die Bilder - oder die Auswertung - mit den Rohdaten übereinstimmen.

Sollten Sie tatsächlich einen alten Zug voller Gold oder Kunstschätze entdecken, was soll ihrer Meinung nach damit geschehen?

Das soll der Eigentümer bekommen. Es ist ganz egal, ob wir dort über die Besitztümer von Banken reden, ob der Inhalt aus Russland stammt, aus Rumänien oder der Slowakei. Die Eigentümer haben ein Anrecht auf den Inhalt. Nach polnischem Recht ist das auch so und da halten wir uns auch ganz strickt dran, dafür beschäftigen wir auch extra Rechtsanwälte, dass diese dann nicht bloß die Vorarbeiten übernehmen. Falls es zum Fund kommt, sollen die rechtmäßigen Eigentümer ihr Eigentum zurückerhalten.

Sie glauben also weiterhin fest daran, dass dort ein Zug ist?

Ja, ich glaube dran. Ich habe viele andere Messungen gemacht, die sich bestätigt haben - vor allem technische Messungen. Beispielsweise haben wir in Deutschland einmal Messungen vorgenommen, um archäologische Geräte, die in den 30er Jahren bei einem Wolkenbruch verschüttet worden sind, wiederzufinden. Es gelang uns, auf einem Feld mit den Ausmaßen von 50 mal 50 Metern eine Kiste von 40 mal 40 Zentimetern in einer Tiefe von vier Metern aufzuspüren. Da sah man ganz genau, was da drin ist. Daher bin ich schon überzeugt, dass diese Strukturen keines natürlichen Ursprunges sein können. Was es nun genau ist, kann ich natürlich auch nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, ich bin kein Militärexperte.

Ich glaube auf jeden Fall, dass da etwas ist. Was es ist, werden wir sehen, wenn wir den Boden aufmachen. Deswegen sind wir auch dabei, den Tunnel zu öffnen. Wir kämpfen dagegen an, behindert zu werden - wir wollen den Schacht öffnen und endlich Tatsachen schaffen: Da ist was oder da ist nichts. Das ist unser Risiko, wir finanzieren alles aus eigener Tasche - niemand ist so blöd und wirft 200.000 Euro zum Fenster raus. Wenn man nicht davon überzeugt ist, würde man das nicht machen. Denn die Nutznießer im Moment sind eigentlich die Stadt Waldenburg und ein paar Unternehmen, die mit dem "Goldenen Zug" Geld verdienen. Für die Region ist das ganze sehr gut.

Ihren Finderlohn haben sie mit zehn Prozent veranschlagt. Sollte der Zug wirklich voller Gold sein, was würden Sie mit ihrem Anteil machen?

Wir haben bereits festgelegt, dass wir den größten Teil unseres Anteils dafür einsetzen würden, um weitere Forschungen durchzuführen, beziehungsweise dort, vor Ort, ein Museum entstehen zu lassen. Dies würde ja auch wieder der Region zugutekommen und vielen Leuten Arbeitsplätze bieten.