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Teilsieg für die Pressefreiheit Bauer und Burda dürfen über Monegassen-Tochter Casiraghi berichten


1:1 zwischen der monegassischen Fürstenfamilie und der deutschen Presse: Über einen Partybesuch von Charlotte Casiraghi darf geschrieben werden - aber Fotos sind nicht unbedingt erlaubt.

Im Streit um die Zulässigkeit von Prominenten-Berichten haben die Verlage Bauer und Burda vor dem Bundesverfassungsgericht einen Teilerfolg errungen. In einem am Dienstag veröffentlichten Beschluss hoben die Verfassungsrichter Gerichtsentscheidungen auf, die Berichte über die Monegassen-Tochter Charlotte Casiraghi untersagt hatten. Die Artikel befassten sich mit öffentlichen Auftritten der Tochter von Prinzessin Caroline, unter anderem auf einer Benefiz-Gala. Hingegen bestätigte das Gericht das Verbot eines Titelfotos (Az. 1 BvR 1842/08, 1 BvR 2538/08, 1 BvR 6/09).

Casiraghi hatte sich unter anderem gegen einen Bericht in der Zeitschrift "Neue Post" gewehrt. Darin hieß es unter dem Titel "Wie gefährlich ist das süße Leben?": "Sie ist jung, schön und entdeckt die Welt des Glamours. (...) Aber jetzt gabs die ersten Ausrutscher." Auch gegen einen Artikel in der Zeitschrift "Bunte" hatte Casiraghi mit Erfolg geklagt. "Die kleine Monegassin ist auf dem Weg zur Gesellschaftsspitze", hieß es im dem Bericht über Auftritte im Rahmen der "Pariser Modewoche". "Bald wird sie den Thron ihrer Mutter besetzen, wenn die ihn freigibt ­ oder teilt."

Nach Auffassung der Zivilgerichte verletzten diese Berichte die Privatsphäre. Dem widersprach nun das Bundesverfassungsgericht: Ein Recht darauf, nicht in Medienberichten genannt zu werden, bestehe nicht, wenn der Betroffene "Veranstaltungen besucht, die (...) erkennbar auf ein so großes Interesse von Teilen der Öffentlichkeit stoßen, dass mit einer Berichterstattung durch die Medien gerechnet werden muss".

Bei den Feiern, über die berichtet wurde, habe es sich um Veranstaltungen gehandelt, die "teilweise gerade auf eine Außenwirkung angelegt waren, wie dies bei der Benefiz-Gala zugunsten der AIDS-Hilfe angenommen werden muss", so die Verfassungsrichter. Die Entscheidungen des Kammergerichts und des Landgerichts in Berlin wurden aufgehoben und zurückverwiesen. Damit stärkte das Verfassungsgericht das Recht auf Wortberichterstattung.

Anderes gilt jedoch für Fotos: Die Untersagung des Titelbildes der "Neuen Post", das Casiraghi auf der Aids-Gala zeigte, sei verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden. Das Bild habe keine zeitgeschichtliche Bedeutung und trage auch nicht zur Meinungsbildung über Fragen von allgemeinem Interesse bei.

Die monegassische Fürstenfamilie streitet seit Jahren mit verschiedenen deutschen Verlagen über die Zulässigkeit sogenannter "Gesellschaftsberichterstattung". Derzeit klagt unter anderem Prinzessin Caroline vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, weil ihr der Schutz der Privatsphäre in Deutschland nicht ausreicht.

DPA DPA

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