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Held der Steinbachtalsperre "Wenn die Wand fliegen gegangen wäre, wäre das der sichere Tod gewesen": Tiefbauer riskiert sein Leben für andere

Ein Feuerwehrmann bedient den Kompressor der Hochleistungspumpe, mit denen die Steinbachtalsperre soweit entllert wurde
Ein Feuerwehrmann bedient den Kompressor der Hochleistungspumpe, mit denen die Steinbachtalsperre soweit entleert wurde, damit keine Gefahr mehr besteht. Die Dämme der Talsperre drohten tagelang wegen des Hochwassers zu brechen. 
© Roberto Pfeil / DPA
Der Eifeler Baggerunternehmer Hubert Schilles räumte den zugeschwemmten Abfluss der Steinbachtalsperre frei – und riskierte damit sein Leben. Doch der 68-Jährige bleibt bescheiden, obwohl Politiker ihn als Held feiern. 

Mehrere Politiker heben seinen Baggereinsatz in der Flutkatastrophe als beispielhafte Zivilcourage hervor, doch der Eifeler Tiefbauer Hubert Schilles bleibt bescheiden. "Das war keine Heldentat. Das hätte jeder andere auch gemacht", sagte der 68-jährige Schilles der Deutschen Presse-Agentur am Montag. Der Inhaber einer Tiefbaufirma in der Region hatte sich am vergangenen Donnerstag ohne zu zögern bereit erklärt, den mit Boden und Geröll zugeschwemmten Abfluss der Steinbachtalsperre in Euskirchen freizubaggern. Dort war befürchtet worden, der Damm könne brechen, wenn es nicht gelänge, Druck von der übervollen Talsperre zu nehmen.

"Hier muss sofort Hilfe her. Da kann man nicht mehr lange überlegen"

Man habe ihn angerufen und gefragt, ob es eine Möglichkeit gäbe, dort hineinzufahren, erzählte Schilles der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Mit dem Hinweis, dass ich wissen muss, was auf mich zukommt. Weil das lebensgefährlich ist." Er habe ja genau gewusst, was für die Ortschaften unterhalb des Dammes auf dem Spiel stand, sagte er der DPA. "Mir war klar: Hier muss sofort Hilfe her. Da kann man nicht mehr lange überlegen". Ihm sei bewusst gewesen, was er tat. "Ich kann dieses Risiko doch keinem zumuten, da reinzufahren."

Er habe einen 30-Tonnen-Tieflader angefordert und sei "da reingefahren": "Ich bin ein gläubiger Mensch: Ich habe mich zweimal gesegnet, bevor ich da runter bin", sagte Schilles. 18 Meter unter dem Wasserspiegel arbeitete er dann sechs Stunden lang auf der anderen Seite des akut gefährdeten Dammes und schaufelte den Ablauf frei. Damit das Wasser auch fließen könne, müssten zwei Schieber betätigt werden. Ein wichtiger Helfer sei dabei auch ein Herr Lorenz gewesen, erzählt Schilles. "Der ist ein ganz feiner Mensch. Der ist runtergegangen in den Stollen und hat geschaut, dass er den Schieber per Hand freibekommt. Der ist sonst elektrisch angetrieben. Das war der Mann der Stunde, der war nassgeschwitzt."

Hubert Schilles räumt nun Trümmer weg

Dass er sich selbst in Lebensgefahr begibt, sei klar gewesen. "Wenn die Wand fliegen gegangen wäre, wäre das hundertprozentig der sichere Tod gewesen. Das war schon eine brisante Situation", sagte Schilles. "Aber ich hatte keine Angst, weil dahinter stand ja was Großes. Nämlich, dass kein Mensch zu Schaden kommt", sagte Schilles. Er halte sein Handeln daher für selbstverständlich. "Man soll nicht die Brust rausdrücken. Ich bin eher der, der im Untergrund arbeitet", sagte der 68-Jährige. Er und sein Team aus 57 Beschäftigten seien auch nun weiter mit Aufräumarbeiten nach der Katastrophe befasst. Zurzeit fahre er immer wieder Sondermüll zur Deponie. "Kostenlos natürlich, das ist für mich Ehrensache."

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Ministerpräsident Armin Laschet und NRW-Innenminister Herbert Reul (beide CDU) hatten das Engagement des Mannes am Montag beide als beeindruckend und beispielhaft für Zivilcourage hervorgehoben. "Das ist eine lebensgefährliche Aufgabe", so Laschet bei einem Treffen mit Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) an der Talsperre. Reul hob hervor, dass sich der Baggerunternehmer damit einreihe in eine große Gruppe Menschen, die im Hilfseinsatz Sensationelles bewegt hätten.

rw/tkr DPA

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