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Teure Schlangenhaltung "Stromfresser" unter den Haustieren – Tierheime fürchten Abgabewelle von Exoten

Tierheim Königspython
Ein Königspython mit der Färbung "Spider". Schlangen wie diese waren vor einigen Jahren noch sehr begehrt und teuer. Inzwischen landen viele solcher Exoten im Tierheim.
© Imagebroker / Imago Images
Tierheime in Deutschland rechnen damit, dass sie wegen der hohen Stromkosten massenhaft Reptilien aufnehmen müssen. Ein aktueller Fall aus Hamburg zeigt das Problem. 

Mitte September geschah in Hamburg das, wovor Tierschützer seit Monaten warnen: Auf dem Parkplatz des Tierheims in der Süderstraße stand eine Box mit der Aufschrift "Achtung: Schlange" mit dem Hinweis, dass der lebendige Inhalt "zu verschenken" oder "zu vergeben" sei. Der Hamburger Tierschutzverein (HTV) berichtete auf seiner Website über den Fall unter der Überschrift "Strom zu teuer? Vier Königspythons auf Tierheimparkplatz ausgesetzt" und vermutete, dass der oder die ehemaligen Besitzer die Reptilien wegen hoher Energiekosten loswerden wollten.

Tierheime sehen schwarz für die Exotenhaltung

"Und somit überschwemmen weitere vier Schlangen die Exotenstation des HTV", resümierten die Tierschützer. "Die explodierenden Strompreise malen ein düsteres Bild für die Zukunft der Exotenhaltung."

Reptilien zählen aktuell zu den Sorgentieren in deutschen Tierheimen. Das liegt zum einen am Strompreis und zum anderen daran, dass der "Schlangen-Hype", wie es ihn vor einigen Jahren gab, inzwischen abgeebbt ist. Zahlten Schlangen-Liebhaber vor gut zehn Jahren noch fünfstellige Summen für manche Pythons mit außergewöhnlichen Färbungen, gelten viele dieser gezüchteten Tiere inzwischen als schwer verkäuflich.

Die aktuell ohnehin hohen Energiekosten könnten in den kommenden Monaten weiter steigen – eine schlechte Nachricht für Halterinnen und Halter von Schlangen und anderen Exoten. Die Terrarien, in denen manche dieser Tiere gehalten werden, imitieren rund um die Uhr ein tropisches Klima von 30 Grad. Deshalb gelten Reptilien als "Stromfresser unter den Haustieren", wie es HTV-Tierarzt Danilo Saß im April dieses Jahres in einem Gespräch mit dem stern formulierte.

Rund um den Welttierschutztag an diesem Dienstag schlugen deshalb Tierschützer in ganz Deutschland Alarm. Wegen der steigenden Energiekosten und der allgemein hohen Inflation befürchtet der Deutsche Tierschutzbund eine neue Abgabewelle von Haustieren und sogar das Aus vieler Tierheime. Manche Menschen, die sich in der Coronakrise ein Tier zugelegt haben, können oder wollen diese nicht mehr behalten, weil sie nicht mehr so viel Zeit haben – oder sich die Haltung der Tiere nicht mehr leisten können. Das Problem betrifft Tiere aller Art, darunter Hunde, Katzen, Kleintiere und eben auch Reptilien.

Hohe Stromkosten, Tierarztgebühren steigen

Hester Pommerening, Referentin des Tierschutzbundes, zählte jetzt im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa die hohen Lebenshaltungs- und Energiekosten sowie die Kosten für Tierfutter und den Tierarztbesuch als Gründe für die Krise auf, in der sich die Tierheime sehen. Die neue Gebührenordnung für Tierärzte sorgt seit Anfang des Monats für eine Kostensteigerung bei Veterinärbehandlungen. Pommerening bezeichnete die Lage in den Tierheimen als angespannt, für manche Tiere gebe es sogar Aufnahmestopps.

Reptilien haben es in der aktuellen Energiekrise besonders schwer, weitervermittelt zu werden, sind sie einmal im Tierheim gelandet. Denn niemand weiß, wie stark die Strompreise in den kommenden Monaten steigen. Die Kosten dürften vielen Tierliebhabern deshalb als schier unkalkulierbar erscheinen – und sie vor der Adoption solcher Schlangen abhalten, wie sie jüngst in Hamburg ausgesetzt wurden.

Quellen: Hamburger Tierschutzverein, "Südwest-Presse", mit Material von dpa

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