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Trend im Netz Jugendliche inszenieren sich auf TikTok als Holocaust-Opfer – doch dem Hype folgt die Reue

Sehen Sie im Video: Jugendliche inszenieren sich bei Tiktok als Holocaust-Opfer.


Dieser Trend sorgt im August 2020 für Aufregung in den sozialen Netzwerken.


Nutzer der Videoplattform TikTok inszenieren sich in kurzen Clips als Holocaust-Opfer.


In den Videos schminken und verkleiden sich die meist minderjährigen Nutzer als von Nazis ermordete Juden. Manche tragen einen "Judenstern" oder gestreifte Kleidung, die offenbar an KZ-Häftlingskleidung erinnern soll. Einige der Videos erhalten über 100.000 Likes.


Schnell wird Kritik laut, die Jugendlichen würden den nationalsozialistischen Völkermord an den Juden zur Selbstinszenierung nutzen – oder auf einen Trend aufspringen, um Aufmerksamkeit und Likes abzugreifen.


Ihren Kritikern entgegnen TikTok-Nutzer, dass es ihnen darum ginge, ein Bewusstsein für den Holocaust zu schaffen und zu informieren.


Auch das "Auschwitz Memorial" kommentiert den umstrittenen Trend via Twitter.


"Der 'Opfer'-Trend auf TikTok kann schmerzhaft und beleidigend sein. Manche Videos sind gefährlich nahe an der Grenze der Geschichtsverharmlosung oder darüber hinaus. Aber wir sollten darüber diskutieren, um die jungen Leute, deren Beweggründe scheinbar sehr unterschiedlich sind, nicht zu beschämen und anzugreifen. Es ist eine pädagogische Herausforderung." – Auschwitz Memorial, Twitter


Doch die Kritik an den Videos bleibt nicht ohne Folgen. Laut TikTok hätten die Nutzer und das Unternehmen die Videos gelöscht.


"Wir haben die Möglichkeit der Nutzer, nach #holocaustchallenge zu suchen, Anfang dieser Woche präventiv blockiert und die Suche nach diesem Hashtag auf unsere Community-Richtlinien umgeleitet, um die Benutzer weiter zu sensibilisieren." – TikTok-Sprecher ggü "BBC", 27. August 2020


Einige Nutzer entschuldigen sich mit Videobotschaften für ihre Darstellung von Holocaust-Opfern.


"Ich habe einen gewaltigen Fehler mit einem meiner Videos gemacht und möchte mich von Herzen für das Video entschuldigen."


"Es tut mir so leid, das tut es wirklich. Ihr könnt mich hassen, wenn ihr wollt. Ich übernehme die Verantwortung für meine Taten. Ich werde mich hierbei erwachsen verhalten. Es tut mir leid."


Die Videos und Reaktionen machen deutlich: Ein komplexes und sensibles Thema wie der Holocaust lässt sich nicht angemessen in einem kurzen Social-Media-Clip abbilden – gute Absicht hin oder her.
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Fassungslosigkeit über einen Tiktok-Trend: Zahlreiche Jugendliche posten Kurzvideos, in denen sie sich sich als Holocaust-Opfer verkleiden. Der unbedachte Umgang mit dem sensiblen Thema sorgt für Kritik – und für späte Einsicht.

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