Unfall Giftgasunglück tötet 191 Menschen bei Erdgasförderung


Eine Giftgaskatastrophe bei Bohrarbeiten auf einem Gasfeld im Südwesten Chinas hat mindestens 191 Menschen das Leben gekostet. Fast 5.000 Menschen - meist Bauern - erlitten Verätzungen.

Eine Giftgaskatastrophe bei Bohrarbeiten auf einem Gasfeld im Südwesten Chinas hat mindestens 191 Menschen das Leben gekostet. Mehrere tausend Menschen, meist Bauern und Anwohner der Gasförderanlage, haben nach ersten Schätzungen chemische Verätzungen erlitten, berichtete die Leitung eines Krankenhauses am Donnerstag in Peking. Die Zahl der Opfer dürfte noch steigen. Mehr als 10.000 Menschen wurden in Sicherheit gebracht. Das Explosionsunglück passierte schon am Dienstag auf dem Chuandongbei-Gasfeld nahe der Metropole Chongqing.

10.000 Menschen mit Vergiftungserscheinungen

Nach dem Giftgasunglück im Südwesten Chinas haben sich fast 10.000 Menschen mit Vergiftungserscheinungen in Krankenhäuser der Gegend begeben und um Hilfe gebeten. Das Krisenzentrum des Kreises Kaixian, in dem das betroffene Gasförderfeld liegt, berichtete am Freitag, 740 Opfer seien in den zehn Krankenhäusern der Gegend nordöstlich der Metropole Chongqing stationär aufgenommen worden. Mehr als 200 seien bis Freitagmittag wieder entlassen worden. Doch lägen noch 479 Verletzte in den Kliniken. 36 Patienten seien sogar in einem lebensgefährlichen Zustand, berichtete der Sprecher des Zentrums, Xiao Linbing. Die Zahl der Toten wurde nach diesen Informationen mit 191 angegeben.

Tödliche Gaswolke

Aus dem Bohrloch sei "eine hohe Konzentration von Gas und Schwefelwasserstoff ausgetreten", berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Das nach faulen Eiern riechende Gasgemisch, das beim Einatmen tödlich wirkte, zog über die nähere Umgebung. Um das Gas zu vernichten, wurde das Bohrloch am Mittwoch aus einiger Entfernung in Brand gesetzt, berichtete das Amt für Werksschutz in Chongqing. Von einem Flammenmeer stiegen massive schwarze Rauchwolken in den Himmel auf, die von weit her zu sehen waren, wie Bilder im Staatsfernsehen zeigten.

"Atmen fällt mir immer noch schwer"

Durch das Feuer wurde tödliches Gas verbrannt, doch roch es am Donnerstagabend Ortszeit in der nahe gelegenen Stadt Gaoqiao weiter nach Schwefel. "Das Atmen fällt mir immer noch schwer", berichtete eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung. Bei der Evakuierung wurden mehr als 10.000 Menschen in die entfernt gelegene Gemeinde Tianhe gebracht. Die Behörden verteilten auch Atemmasken. Alle Menschen in einem Umkreis von fünf Kilometern seien in Sicherheit gebracht worden, berichtete die Staatsagentur Xinhua.

Überlebende haben schwere Verätzungen

Die Verletzten wurden auf etwa 10 Hospitäler verteilt, berichtete die Direktion eines Krankenhauses, das 170 Verletzte aufgenommen hatte. Die Verletzten hätten Verätzungen der Haut und schwere Augenentzündungen erlitten. Es gebe nur wenige Atemwegverätzungen. "Es sind nicht so viele, weil die meisten, die die Gase eingeatmet haben, sofort tot waren", wurde geschildert. Es seien nur wenige Arbeiter eingeliefert worden. Die meisten Opfer seien Bauern und andere Bewohner der Gegend um das Gasfeld.

Freitag soll Bohrloch verschlossen werden

Der Gasausbruch passierte am Dienstagabend, doch war zunächst nur von 8 Toten die Rede gewesen. Dies galt, bis die Staatsagentur plötzlich am Donnerstag dramatisch höhere Opferzahlen nannte. "Es war so giftig, dass niemand in die Nähe des Bohrloches kommen konnte", sagte ein Mitarbeiter des Werksschutzamtes. Da das Gas jetzt brennt, sollte am Freitag versucht werden, das Bohrloch zu schließen. 260 Kubikmeter Erde seien bereitgestellt worden, hieß es. Doch waren sich die Experten nicht sicher, ob der Versuch gelingen kann.

Unglücksort ist schwer begehbar

Vor dem Unglück wurde aus dem 4.000 Meter tiefen Bohrloch täglich eine Million Kubikmeter Gas gefördert. Das Förderfeld, in dem Vorräte von 50 bis 60 Millionen Tonnen vermutet werden, ist bekannt für seine hochkonzentrierten giftigen Gase. Die Bohrarbeiten seien zuvor normal verlaufen, berichtete Xinhua. Nach Angaben eines Verantwortlichen der Ölfirma wird nahe des schwer begehbaren Unglücksortes noch weiter nach Toten und Verletzten gesucht. Die Ursache des Unglücks war noch nicht bekannt, doch stecken mangelnder Werksschutz und schlechte Sicherheitsvorkehrungen hinter vielen solcher Unglücke in China.

DPA

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