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Unruhen im Jemen: Präsident Salih klebt am Amt

Jemens bedrängter Präsident Salih will nicht weichen. Eine Kompromissformel der arabischen Golfstaaten schmettert er als "Einmischung" ab. Wieder demonstrierten Hunderttausende für seinen Rücktritt.

Im Jemen hat die Polizei am Freitag das Feuer auf Gegner des Präsidenten Ali Abdullah Salih eröffnet und dabei einen Demonstranten erschossen. 19 weitere Menschen wurden bei der Kundgebung in der südjemenitischen Stadt Taiz verletzt, wie Ärzte und Augenzeugen berichteten. Die Sicherheitskräfte setzten auch Tränengas ein, als tausende Demonstranten den Rücktritt Salihs verlangten. Landesweit gingen Hunderttausende auf die Straße, um ihrer Forderung nach einem Abgang des ungeliebten Staatschefs Nachdruck zu verleihen.

Präsident Salih zeigte sich allerdings unbeeindruckt und lehnte einen Kompromissvorschlag der arabischen Golfstaaten für eine Übergangsregelung ab. Vor zehntausenden Anhängern in der Hauptstadt Sanaa sagte Salih: "Unsere Macht leitet sich von der Macht unseres großartigen Volkes ab, nicht von Katar oder sonst jemandem. Dies ist eindeutig eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten des Jemens.

Katar, Saudi-Arabien, Kuwait, Oman und Bahrain hatten diese Woche einen Vorschlag für einen Rücktritt des jemenitischen Präsidenten erarbeitet. Dieser Plan sieht vor, dass Salih zurücktritt und Vize-Präsident Abdu Rabo in einer Übergangszeit die Verantwortung übernimmt. Salih und seiner Familie sollen Straffreiheit garantiert werden. Die Gegner des seit 1978 amtierenden Präsidenten fordern dessen sofortigen Rücktritt sowie demokratische Reformen.

Augenzeugen sagten, zu der Kundgebung der Salih-Anhänger auf dem Sabaien-Platz in Sanaa seien auch Delegationen aus anderen Provinzen angereist. Die Gegner des Präsidenten demonstrierten in mehreren Provinzen und auf dem Al-Taghier-Platz in Sanaa.

Dort hielt der frühere Minister für islamische Stiftungen, Hamud al-Hattar, eine Predigt, in der er die Sorge westlicher Staaten als unbegründet bezeichnete, dass ein Ende der Herrschaft von Präsident Salih zu einem Anstieg der Terrorgefahr im Jemen führen würde. Vielmehr würde die Terrorgefahr durch eine erfolgreiche Revolution sinken. Die Nachrichtenwebsite "News Yemen" zitierte den Minister, der von Salih Mitte März entlassen worden war, mit den Worten: "Der Anteil (der Sympathisanten) von Al-Kaida liegt (im Jemen) bei weniger als zehn Prozent.

Nachdem im März erstmals Salih-Gegner bei Demonstrationen erschossen worden waren, hatten sich mehrere Politiker und Teile der Armee vom Präsidenten losgesagt. Salihs Position wurde in den vergangenen Tagen noch schwächer, weil sich auch mehrere seiner einstigen Verbündeten im Ausland von ihm abwandten, unter anderem die USA.

DPA / DPA
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