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Gewalt im Jemen: Opposition misstraut Salihs Neuwahl-Versprechen

Stillstand im Jemen: Trotz der zunehmenden Gewalt lehnt der autokratische Präsident Ali Abdullah Salih einen Rücktritt weiter ab. Der 69-Jährige sicherte am Sonntagabend zwar zu, die Macht über Wahlen weitergeben zu wollen, doch davon sprach er schon häufiger.

Zehntausende Menschen haben am Montag im Jemen erneut gegen Präsident Ali Abdallah Salih protestiert. Getrennt nach Männern und Frauen zogen zwei Demonstrationszüge durch die Hauptstadt Sanaa und skandierten "Freiheit, Freiheit! Das Volk will, dass der Schlächter vor Gericht kommt." Salehs Sicherheitskräfte feuerten in die Menge. Dabei wurden nach Angaben von Ärzten mindestens 18 Menschen verletzt.

Die Jugend werde nicht aufgeben, "bis alle Ziele der Revolution erreicht sind", sagte ein führendes Mitglied des Komitees der Jugendproteste, Walid al Amari, bei der Kundgebung. Die Bewegung fordert den Rücktritt Salihs. Der autokratische Präsident lehnt dies aber weiter ab. In seiner ersten öffentlichen Ansprache nach seiner Rückkehr am Freitag aus Saudi-Arabien rief Salih vorgezogene Wahlen aus. Der 69-Jährige sicherte am Sonntagabend zu, die Macht über Wahlen weitergeben zu wollen.

Salih hat allerdings bereits mehrfach Vorschläge für eine Machtübergabe gemacht und diese dann nicht befolgt. Die Opposition wies seine Rede deshalb als "Manöver" zurück. Ein Sprecher der Oppositionsbewegung sagte am Montag, die Rede biete keinerlei politische Lösung. Daher werde sich "die Revolution intensivieren".

Der Präsident war am Freitag nach mehr als drei Monaten aus Saudi-Arabien zurückgekehrt. Dort hatte er seine schweren Verletzungen behandeln lassen, die er beim Angriff auf seinen Präsidentenpalast im Juni erlitten hatte. In der zurückliegenden Woche wurden bei Kämpfen zwischen Gegnern und Anhängern des Präsidenten in der Hauptstadt Sanaa mehr als 170 Menschen getötet. Allein am Samstag kamen 17 Menschen zu Tode, als Armee und Polizei das größte Zeltlager der Opposition in Sanaa angriffen.

cjf/AFP/Reuters / Reuters