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Jemen: Bombenterror zum Amtsantritt von Präsident Hadi

Kurz nach der Vereidigung von Präsident Hadi riss ein Selbstmordattentäter im Süden Jemens zahlreiche Menschen mit in den Tod. Der neue Amtsinhaber verspricht einen harten Kampf gegen das Terrornetzwerk Al-Kaida.

Nur wenige Stunden nach der Vereidigung des neuen Präsidenten sind im Jemen bei einem Anschlag zahlreiche Menschen getötet worden. Ein Selbstmordattentäter sprengte sich am Samstag im Süden des Landes vor einem Präsidentenpalast in die Luft. Dabei riss er nach Angaben aus Sicherheitskreisen vom Sonntag mindestens 25 Menschen mit in den Tod. Als Drahtzieher wird das Terrornetzwerk Al-Kaida vermutet. Das neue Staatsoberhaupt Abed Rabbo Mansur Hadi hatte bei der Vereidigung den Jemeniten eine bessere Zukunft und einen harten Kampf gegen das Terrornetzwerk Al-Kaida versprochen.

Die Explosion ereignete sich in der Provinz Hadramaut. Die meisten Opfer gehörten nach Angaben aus Krankenhauskreisen der Eliteeinheit der Republikanischen Garde an. Die jemenitische Agentur Mareb berichtete, dass der Selbstmordattentäter, der einem lokalen Ableger der Al-Kaida zugerechnet wird, versucht habe, mit seinem Fahrzeug in den Palastkomplex der Stadt Mukalla einzudringen. Mukalla liegt etwa 500 Kilometer südöstlich von Sanaa. Als die Wachen ihn aufhalten wollten, habe er den Wagen nahe der Einfahrt in die Luft gesprengt.

Der Tag hatte mit einer feierlichen Zeremonie zur Vereidigung des neuen Staatsoberhauptes begonnen. Nach einjährigen Massenprotesten gegen den Langzeitpräsidenten Ali Abdullah Salih trat der Kompromisskandidat der bisherigen Regierung und der Opposition die Nachfolge Salihs an. Er wird für eine Übergangszeit von zwei Jahren an der Spitze des krisengebeutelten Landes stehen. Die Ära Salih - er war 33 Jahre an der Macht - ist damit offiziell beendet.

Hadi rief seine Landsleute in der ersten Rede als Präsident auf, Streitigkeiten beizulegen und gemeinsam an einer besseren Zukunft zu arbeiten. "Die Wahlen haben Jemen von der Verzweiflung befreit und Hoffnung gegeben", sagte der bisherige Vize-Staatschef im Parlament in der Hauptstadt Sanaa.

Bei der Wahl am Dienstag hatte Hadi 99,8 Prozent der Stimmen bekommen. Er war allerdings als einziger Kandidat ohne Konkurrenten angetreten. Das hatten die bisherige Regierungspartei Allgemeiner Volkskongress und die wichtigsten Oppositionsparteien beschlossen, um einen friedlichen Übergang zu ermöglichen. Obwohl es daran Kritik gab und außerdem bewaffnete Gruppen wie die Al-Kaida und Separatistenbewegungen die Abstimmung massiv behinderten, lag die Beteiligung bei etwa 65 Prozent. In zwei Jahren soll es erneut Wahlen geben, bei denen mehrere Kandidaten antreten sollen.

Ex-Machthaber Salih angeblich zurück im Jemen

Ex-Machthaber Salih soll laut Berichten der Sender Al-Arabija und CNN rechtzeitig zur Vereidigung seines Nachfolgers aus den USA in den Jemen zurückgekehrt sein, um an der Zeremonie teilzunehmen. Auf den aus der Vereidigung übertragenen Fernsehaufnahmen war er aber nicht zu sehen. Beobachter hatten mit neuen Spannungen gerechnet, sollte sich der langjährige Herrscher bei den Feierlichkeiten zeigen.

Salih war für eine medizinische Behandlung in die USA gereist. Bei einem Anschlag im Juni hatte er schwere Verletzungen erlitten. Im November kündigte der Präsident offiziell seinen Rückzug aus der Politik an. Im Gegenzug wurden ihm Immunität und Straffreiheit garantiert. Gegen diese Regelung laufen einige Gruppierungen im Jemen seit Monaten Sturm. Die Proteste in dem Land hatten, motiviert vom Arabischen Frühling in Ägypten und Tunesien, im Januar 2011 begonnen. Tausende gingen auf die Straße und forderten Salihs Rücktritt.

Die größte Herausforderung für den neuen Staatschef Hadi wird es nun sein, die Sicherheit im Land wieder herzustellen. Denn seit Beginn des Aufstands gegen Salih hat das Terrornetzwerk Al-Kaida zunehmend an Einfluss gewonnen und zeitweise ganze Landstriche unter seine Kontrolle gebracht. Daneben sorgen auch Separatisten, die wieder eine Abspaltung des Südens erreichen wollen, sowie die schiitische Houthi-Bewegung immer wieder für Unruhen.

tmm/DPA/AFP / DPA