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Unwetter in Baden-Württemberg: Drei Tote im Killertal

Chaos im Südwesten: Bei schweren Unwettern mit starken Regenfällen sind im Killertal mindestens drei Menschen ums Leben gekommen. Eine Frau ertrank im Keller ihres Hauses, eine andere in ihrem Auto. In Oberschwaben wurde ein Lokführer lebensgefährlich verletzt, als der Zug gegen umgestürzte Bäume prallte.

Ein schweres Unwetter ist in der Nacht über die Schwäbische Alb gefegt und hat mindestens drei Menschen das Leben gekostet. Nach starken Regenfällen traten vor allem im Zollernalbkreis südlich von Stuttgart Bäche über die Ufer und rissen etliche Autos mit sich. Nach ersten Schätzungen entstand ein Millionenschaden.

Im Kreis Sigmaringen wurde ein Lokführer lebensgefährlich verletzt, als er gegen umgestürzte Bäume fuhr. Im Killertal bei Hechingen verwandelte sich der normalerweise ruhige Bach Starzel nach den Gewittern in einen reißenden Fluss. Nach Angaben der Polizei überflutete das Wasser eine Straße einen halben Meter hoch.

Ein Wagen zweier älterer Frauen wurde in Jungingen mitgerissen und in das Bachbett gespült. Die Beifahrerin ertrank in dem Fahrzeug. Die Leiche der Fahrerin wurde am Morgen in der Nähe des Baches gefunden, wie Polizeisprecher Lambert Maute sagte. Ein weiteres Todesopfer gab es in Hechingen: Dort wurde eine Frau in ihrem Keller von den Wassermassen überrascht und ertrank ebenfalls.

Neun Menschen erlitten in dem Landkreis leichtere Verletzungen. Vermisst wird niemand mehr. Auch weitere Autos wurden von den Wassermassen mitgerissen. "Die Fahrzeuge stehen kreuz und quer an den verrücktesten Stellen", sagte Maute. Die Aufräumarbeiten liefen auf Hochtouren. Ein Feuerwehrmann erlitt dabei einen Stromschlag, er wurde aber nicht lebensgefährlich verletzt.

Nach Angaben des Zollernalbkreises entstanden Schäden in zweistelliger Millionenhöhe. Beim Landratsamt wurde ein Krisenstab eingerichtet. Bei den Rettungsarbeiten halfen auch Feuerwehrkräfte aus Stuttgart, Karlsruhe, Reutlingen und Bruchsal. Außerdem wurden spezielle Wasserrettungseinheiten und Taucher in den Region entsandt.

Vor dem Unwetter informierten die Behörden nach eigenen Angaben am Montagabend mit einer amtlichen Warnung die Bevölkerung, wie die Behörden mitteilten. Das Unwetter wütete ab 19 Uhr. Vor Mitternacht wurde die Warnung wieder aufgehoben. Trotz der Warnung kamen die Wassermassen überraschend. "Das ging so schnell", sagte Landrat Günther-Martin Pauli.

Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech (CDU) stellte finanzielle Hilfen für Betroffene in Aussicht. Er lobte die Arbeit der Einsatzkräfte. "Man kann schon sagen, dass ein Unwetter mit dieser Wucht und diesem Ausmaß nicht vorhergesehen werden konnte."

Nach Angaben des Landrates müssen mehrere Brücken repariert werden. Zudem müsse der Hochwasserschutz in der Region verbessert werden. Teile von Hechingen waren zuletzt im Juni 2007 überschwemmt worden. Der Referatsleiter Hochwasserschutz im Regierungspräsidium Tübingen, Lothar Heissel, sagte: "Das was machbar war, haben wir gemacht." Dagegen sagte der Gewässerexperte Emil Dister vom WWF-Auen-Institut in Rastatt, dass der Hochwasserschutz in Deutschland weiterhin grob vernachlässigt und zuwenig auf den Erhalt von Überschwemmungsgebieten geachtet werde.

Zug prallt gegen entwurzelte Bäume

Auch im weiter östlich gelegenen Kreis Sigmaringen wütete das Unwetter: Dort wurde ein Lokführer lebensgefährlich verletzt, als seine Regionalbahn zwischen Herbertingen und Bad Saulgau am Montagabend gegen mehrere entwurzelte Bäume fuhr, die auf der Bahnstrecke lagen. Elf Fahrgäste kamen nach Behördenangaben verletzt ins Krankenhaus.

Der Lokführer hatte noch eine Schnellbremsung eingeleitet, konnte den Zusammenstoß aber nicht mehr verhindern. Mindestens einer der quer liegenden Bäume traf die Front des Zuges auf Höhe der Windschutzscheibe. Der 57-jährige Zugführer wurde eingeklemmt. Er wurde mit dem Rettungshubschrauber ins Bundeswehrkrankenhaus Ulm geflogen.

Auch im Landkreis Esslingen östlich von Stuttgart richteten Gewitter große Schäden an. Hunderte Keller liefen voll, mehrere Straßen wurden überflutet, wie die Polizei mitteilte. Auf dem Stuttgarter Flughafen kam es zu erheblichen Verzögerungen. Laut Polizei verspäteten sich 46 Maschinen.

Glimpflicher als in Baden-Württemberg kamen die Menschen in Hessen und im Rheinland davon. Vor allem in Südhessen liefen zahlreiche Keller voll, Blitzeinschläge verursachten mehrere Brände. Ähnlich war die Lage in Nordrhein-Westfalen im rechtsrheinischen Teil des Rhein/Sieg-Kreises.

Schon seit dem vergangenen Wochenende haben schwere Gewitter mit Regen und Hagel große Verwüstungen angerichtet. Betroffen war bislang immer wieder wegen umgestürzter Bäume und zerstörter Oberleitungen vor allem der Bahnverkehr.

Die vom Unwetter betroffenen Menschen haben nach der Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes zunächst eine Verschnaufpause, weil im Südwesten die Gewitterneigung abnehmen soll. Dafür sind in der Mitte Deutschlands Schauer und teils heftige Gewitter mit starkem Regen, Hagel und Sturm möglich. Im Nordosten bleibt es dagegen sonnig und trocken.

DPA/AP / AP / DPA