Anzeige
Anzeige

Annecy Opfer der Messerattacke in Frankreich außer Lebensgefahr – Täter in U-Haft

Der Spielplatz in Annecy nach dem Attentat
"Für unsere kleinen Herzen" steht auf dem Ballon, der neben vielen Blumen und Kerzen am Spielplatz in Annecy an die schockierende Tat erinnern soll
© Jean-Christophe Bott / DPA
Die gute Nachricht nach der Messerattacke im französischen Annecy: Alle Opfer sind inzwischen außer Lebensgefahr. Der Täter aber schweigt weiter zu seinem Motiv. Er kam wegen Mordversuchs in Untersuchungshaft.

Die Messerattacke in der französischen Stadt Annecy hat das Land erschüttert. Der Täter verletzte vier Kinder und zwei Erwachsene mit einem Messer und ist mittlerweile in U-Haft gekommen.  Zu seinem Motiv habe der 31 Jahre alte Mann im Polizeigewahrsam und vor dem Untersuchungsrichter geschwiegen, sagte Staatsanwältin Line Bonnet-Mathis am Samstag in der Alpenstadt, wo es am Donnerstagmorgen zu der Bluttat kam. Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund gebe es weiterhin nicht. Der Mann sei psychiatrisch untersucht worden, es habe keine Hinweise auf Wahnvorstellungen gegeben. Alle Opfer seien außer Lebensgefahr.

Weiterhin deutet einiges auf psychische Probleme bei dem Täter hin, der sich im Gewahrsam unruhig verhielt und auf dem Boden wälzte. Offenbar weigerte der Mann sich am Samstagmorgen, den Weg zum Ermittlungsrichter anzutreten. Wie auf Fernsehbildern zu sehen war, mussten Beamte den Mann mit einem Krankenstuhl zum Polizeiauto tragen. Die Psychiater sahen ihn aber in der Lage, sich einer Befragung zu unterziehen und die Untersuchungshaft anzutreten. Hinweise auf Alkohol oder Drogen wurden bei einer medizinischen Untersuchung nicht gefunden.

Der Täter von Annecy soll von Frau und Kind gesprochen haben

Wie die Staatsanwältin sagte, habe der Mann nach Zeugenaussagen während der Tat von seiner Frau und seiner Tochter gesprochen sowie von Jesus Christus. Der Syrer habe ein Kreuz getragen, bei ihm seien zudem zwei christliche Bilder, Bargeld sowie ein Führerschein gefunden worden. Zuvor hatte es bereits geheißen, der Täter sei ein christlicher Syrer. Ebenfalls gefunden wurde bei ihm ein Klappmesser, die einzige Tatwaffe. Der Mann war nach der Tat auf einem Spielplatz im Park von Annecy von Umstehenden verfolgt und dann von der Polizei überwältigt worden.

Während der Täter schweigt, konzentrieren sich die Fahnder in ihren Ermittlungen jetzt auf seinen Lebensweg und seine Lebensumstände. Wie die Staatsanwältin sagte, floh der Mann 2013 von Syrien nach Schweden, wo er Asyl erhielt und später heiratete. Er hat eine dreijährige Tochter, im vergangenen Jahr trennte er sich von seiner Frau. Im Mai 2022 sei er nach Italien und in die Schweiz gereist und im Herbst nach Frankreich gekommen, wo er Asyl beantragte. Dieses wurde abgelehnt, weil Schweden ihn schon anerkannt hatte. Den abweisenden Bescheid erhielt er vier Tage vor der Tat. In Annecy habe er als Obdachloser in Hauseingängen gelebt, der Polizei lag den Ermittlungen zufolge nichts gegen ihn vor.

Die quälende Frage nach dem Warum

Während in Annecy die Menschen angesichts der schockierenden Tat weiter innehalten und Blumen ablegen, geht für sie das quälende Fragen nach dem Warum weiter. Die knappen, sachlichen Worte der Staatsanwältin zu den Verletzungen der kleinen Kinder im Alter zwischen 22 Monaten und drei Jahren ließen den Horror des Angriffs nur erahnen. Der Täter rammte sein Messer demnach den Kleinen in Hals und Bauch. Die unmittelbaren Zeugen, die Eltern, ständen unter einem schweren Schock und seien ebenfalls Opfer, betonte Bonnet-Mathis.

tis DPA

Mehr zum Thema

Newsticker

VG-Wort Pixel