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Video Eine Flüchtlingshelferin erzählt: Eine Achterbahn der Emotionen

STORY: HINWEIS: Dieser Bericht wird ohne Sprechertext gesendet. Vielmehr erzählt die Flüchtlingshelferin Sofia Samoylova aus ihrem Alltag. O-TON SOFIA SAMOYLOVA, FLÜCHTLINGSHELFERIN : "Ich heiße Sofia Samaylova, ich bin Filmemacherin und aktuell versuche ich, Menschen aus der Ukraine zu helfen, die Schutz suchen.“ „Die Tage sehen so aus, dass ich die ganze Zeit am Handy bin. Es kommen Anfragen rein, Bitten um Hilfe, verschiedene Leute, die vielleicht auch ihre Wohnungen anbieten und ich versuche zu connecten. Und dann natürlich der Alltag, physisch, dass man Leute irgendwohin abholt, bringt, dass man die Wohnung irgendwie auch ein bisschen ausstattet. Es finden Veranstaltungen statt, zu denen ich eingeladen bin. Transporte organisieren, Menschen betreuen. Das ist eine ganze Palette an Tätigkeiten gerade in unterschiedlichen Bereichen, die ich versuche, irgendwie abzudecken.“ "Also am Wochenende sind wir nach Polen gefahren mit sechs Bussen an die polnisch-ukrainische Grenze, haben Medikamente hingebracht, haben Menschen auf dem Rückweg natürlich mitgenommen. Gestern sind Leute zu mir gekommen, da habe ich sie zu mir gebracht. Ich habe meine Familie registriert. Kind in der Schule angemeldet. Und natürlich hänge ich die ganze Zeit am Telefon, weil Leute auch anrufen, Fragen haben, weil vieles organisiert werden muss.“ Es ist eine relativ große Wohnung, wir haben vier Zimmer und aktuell in diesem Moment sind hier zehn Leute, aber zwei fahren heute weiter und es sind Mütter mit Kindern da und zwei Freundinnen. Und es hat sich so aufgeteilt, dass zwei Leute pro Zimmer, was völlig in Ordnung ist, weil die Kinder noch oft mit ihren Müttern schlafen. So. Aber ich bin jetzt zu meinem Freund gezogen, weil das ist, weil ich glaube, es sind genug Menschen hier.“ "Das was jetzt hier steht, ist schon ein großer Teil, es wird noch mehr Spenden geben. Wir laden alles ein in einen Transporter und fahren an die polnisch-ukrainische Grenze und packen dort ein anderes Auto zum Laden um. Und dann geht es weiter in die Stadt.“ "Das ist den Leuten total ein Bedürfnis, die Leute kommen her und ich merke in Gesprächen, sie wollen nicht Däumchen drehen, sie wollen anpacken, sie wollen irgendwas Sinnvolles tun. Und was ist sinnvoller, als den Leuten dann weiterhin zu helfen? Das, was sie vor Ort nicht mehr machen können, machen sie dann einfach hier. Also psychologisch gibt es sehr viel.“ "Der Energiehaushalt ist gefühlt durchgehend kritisch, weil auch diese Achterbahn der Emotionen, das ist so kräftezehrend. Aber es gibt schon so entscheidende Momente, wo man eine Lebendigkeit von Leuten mitbekommt und ja, so eine Lebensenergie, wo sie aus so einer schwierigen schlimmen Situation kommen. Da guckt man sich was ab.“ "Immer wenn ich Zeit habe, Nachrichten zu checken, dann habe ich die Hoffnung auf die entscheidende Nachricht, dass jetzt alles vorbei ist. Ich glaube, wenn ich jetzt meinen Optimismus verlieren würde, dann würden mir die komplette Kraft fehlen. Deswegen hoffe ich, jeden Tag irgendwas Entscheidendes in den Nachrichten zu lesen. Ich weiß nicht, was zu erwarten ist, aber es gibt mir Kraft zu hoffen, dass es doch bald ein Ende hat.“
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Sofia Samaylova ist in Russland geboren und in der Ukraine aufgewachsen. Im Alter von zehn Jahren kam sie mit ihrer Familie nach Deutschland. Der 24. Februar, der Einmarsch Russlands in die Ukraine, hat auch ihr Leben umgekrempelt. Seitdem hilft Sofia, wo sie helfen kann.

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