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Drogenpark der Nation Die Dealer vom Görlitzer Park

Der Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg - 2014 machte er bundesweit Schlagzeilen als Drogen-Park der Nation. Jeder weiß: Hier kommt man schnell und leicht an Stoff. Nicht mehr nur an Marihuana. Was hier geschieht, ist Drogenhandel im ganz großen Stil: Überall liegen verräterische Tütchen. Bis zu 100 Dealer warten an den zwölf Ein- und Ausgängen auf mögliche Kunden. Doch wer sind die Menschen, die sich wegen jedem Meter Stehplatz bekriegen? Wie sieht ihr Alltag aus?
Ahmed Dose aus Marokko ist einer von ihnen. Er spricht nur spanisch und arabisch. Einer seiner Landsmänner übersetzt, möchte aber nicht erkannt werden. Er sagt: "Sie klauen nicht, sie verkaufen keine große Menge ... Sie stehen hier den ganzen Tag in der Kälte ... verdienen sich 20 bis 30 Euro, mehr nicht. Er hat keine Sozialhilfe, ist seit zehn Jahren in Europa, und seit drei Jahren in Berlin. Ohne Wohnung, er hat gar nichts."
Viele Dealer im Görli sind Asylanten wie Ahmed. Araber und Schwarzafrikaner, die sich etwas dazuverdienen. Oder illegale Flüchtlinge, die auch in Deutschland ums Überleben kämpfen. Schon der Verkauf von ein paar Gramm entscheidet, ob sie sich etwas zu essen leisten können. Oder wo sie die Nacht verbringen. Ahmed zum Beispiel rollt sich nachts regelmäßig unter einen Busch.
Um sich im Winter aufzuwärmen, spielen die jungen Männer mit leeren Getränkedosen Fußball. Und boxen in die Luft, um im Training zu bleiben. Neben Konflikten mit der Polizei gibt es Revierstreitereien zwischen den Dealern. Im November starben bei einer Messerstecherei zwei Menschen.
Ahmed Dose: "Die Afrikaner vom U-Bahn-Hof Görlitzer Park kommen hier in den Park und schlagen sich mit den Marokkanern. In der besetzten Gerhardt-Hauptmann-Schule hat ein Afrikaner sogar einen Marokkaner umgebracht – wegen eines Streits um eine Dusche."
Die Polizei schafft es nicht immer rechtzeitig an die Brennpunkte. Sobald die Dealer aber Sirenen hören, werden sie hektisch und schauen sich um. Ein Alltag geprägt von der ständigen Bereitschaft, wegzulaufen. Für sie ist die steigende Polizei-Präsenz im Park belastend. Wenn sie erwischt werden, droht ihnen die Abschiebung. John Baznaz aus Marokko findet die regelmäßigen Polizeikontrollen trotzdem richtig.
Er sagt: "Die Polizei muss ihrer Arbeit ganz schnell nachkommen. Sie müssen den Park sauber machen. Wenn das nicht ganz schnell passiert, kommt es zu einer ganz großen Katastrophe."
Nach täglichen Razzien, aufgestellten Scheinwerfern und beschnittenen Büschen wird nun die Forderung nach Coffeeshops immer lauter.
Georg Wurth, Geschäftsführer Deutscher Hanfverband: "Coffeshops wären eine Lösung für die Problematik am Görlitzer Park, weil das eine Auswirkung der Prohibition ist ... Wenn wir andere Wege gehen und da legale Strukturen zu Cannabisabgabe finden, dann wird auch diese Dealerstruktur verschwinden."
Die Freunde John und Ahmed stimmen dem zu. Auch wenn das für sie der finanzielle K.O. bedeuten würde.
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Deutschlandweit als Drogen-Ort berüchtigt: der Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg. Hier kommt man leicht an Stoff. Doch welche Menschen verbergen sich hinter den schnellen Deals?
Von Anna-Beeke Gretemeier und Ines Punessen

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