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Vorwurf der Zwangsarbeit: Heimkinder sollen für Swarovski produziert haben

Getrübter Glanz: Jahrelang soll das Traditionsunternehmen Swarovski Heimkinder zur Zwangsarbeit eingesetzt haben. Von den schlimmen Bedingungen in dem Erziehungsheim habe der Konzern nichts gewusst.

Der österreichische Glasschmuck-Konzern Swarovski hat nach einem Bericht der österreichischen Tageszeitung "Kurier" in den 1960er-Jahren Heimkinder zur Arbeit gezwungen. 15- bis 18-jährige Mädchen in einer Erziehungsanstalt im Bundesland Tirol hätten täglich bis zu zehn Stunden für Swarovski gearbeitet und geschliffene Glaskristalle auf Armbändern befestigt. Dafür hätten sie entweder nichts oder nur "einige Groschen" bekommen. Mehrere ehemalige Heimkinder bestätigten die Vorwürfe.

Swarovski fand nach Angaben von Firmensprecherin Bianca Henderson in den Firmenarchiven nichts zu dem Thema. "Wenn Swarovski in einem Kinderheim etwas fertigen ließ, dann sicher im guten Glauben, dass das Geld an die Kinder weitergeleitet wird", wird Henderson zitiert. Auch das Bundesland Tirol und das Heim St. Martin in Schwaz hätten keine Unterlagen, die der Klärung des Sachverhaltes dienen könnten.

"Es war Ausbeutung dieser jugendlichen Mütter, die mit 16 ihre Kinder bekamen und von den Eltern oder der Fürsorge dort eingewiesen wurden", sagte ein ehemaliges Heimkind dem "Kurier". Eine andere frühere Bewohnerin sieht die Schuld dagegen bei der Heimleitung: "Ich bin sicher, dass Swarovski sehr wohl bezahlt hat, nur wir haben nichts davon gesehen." Auch heute lässt der Kristallkonzern, der in der Nähe von Innsbruck sitzt, fremdfertigen. Sprecherin Henderson sagt dazu: "Wir vergeben Arbeiten an junge Mütter, die von zu Hause aus arbeiten wollen, und an geschützte Werkstätten."

Das Erziehungsheim St. Martin in Schwaz gilt als eines der dunkelsten Kapitel der Heimerziehung in der Alpenrepublik. Jugendliche Mädchen sollen dort wie in einem Gefängnis gehalten worden sein. Die Rede ist auch von strengen Bestrafungsmethoden, Prügel und Vergewaltigungen.

juho