Hormonelle Umstellung
Wechesljahre bei Männern: So erkennen Sie die Symptome der Andropause

  • von Ina Dechant
Viele Männer wissen gar nicht, dass auch sie eine Phase der hormonellen Umstellung durchleben.
Viele Männer wissen gar nicht, dass auch sie eine Phase der hormonellen Umstellung durchleben.
© iStock/Connect Images

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Auch Männer durchleben eine Phase der hormonellen Umstellung. Das kann zu unterschiedlichen Veränderungen im Körper und in der Psyche führen. Nur wer die Symptome der Andropause kennt, kann sich ein klares Bild machen.

Männer und Wechseljahre? Ja, es gibt nicht nur die Menopause, sondern auch die Andropause – so nennt man das schleichende Absinken des Testosteronspiegels, das Männer ab der Lebensmitte erleben. Die Veränderungen verlaufen meist langsamer als bei Frauen, können sich aber dennoch auf Energie, Stimmung, Sexualität und körperliche Leistungsfähigkeit auswirken.

Was bedeutet Andropause?

Man bezeichnet den Vorgang der hormonellen Veränderung bei Männern als Andropause. Anders als bei der weiblichen Menopause endet die Fruchtbarkeit dabei jedoch nicht plötzlich. Gemeint ist vielmehr ein langsamer Rückgang des männlichen Geschlechtshormons Testosteron, der von unterschiedlichen Beschwerden begleitet werden kann. Wie stark diese ausfallen, ist von Mann zu Mann verschieden. Während Begriffe wie Menopause oder Wechseljahre längst bekannt sind, rückt die Andropause erst nach und nach in den Fokus der Aufmerksamkeit. Die männlichen Wechseljahre werden auch noch mit Ausdrücken wie Klimakterium virile, PADAM-Syndrom, Andropenie oder Aging-Male-Syndrom beschrieben. Gemeint sind dabei immer ähnliche hormonelle Veränderungen im Alter.

Im Fokus steht dabei das männliche Geschlechtshormon Testosteron. Es beeinflusst beim Mann zahlreiche körperliche und psychische Funktionen, wie etwa Muskelaufbau, Knochengesundheit, Libido, Stimmung und Leistungsfähigkeit. Produziert wird es überwiegend in den Hoden. Ab etwa 40 Jahren sinkt der Spiegel langsam ab – meist um etwa ein bis zwei Prozent pro Jahr. Einen festen Zeitpunkt für den Beginn der Andropause gibt es nicht. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass der Testosteronspiegel bereits ab etwa 30 langsam zurückgeht. Spürbar werden die Veränderungen aber meist erst ab etwa 40 Jahren. Ob Beschwerden auftreten und wie stark sie ausfallen, ist von Mann zu Mann unterschiedlich.

Ein sinkender Testosteronspiegel gehört zum natürlichen Alterungsprozess dazu. Lange nicht alle Männer entwickeln dabei Symptome oder haben Einschränkungen. Außerdem sollte ein niedriger Testosteron-Wert nicht mit einer Erkrankung gleichgesetzt werden. Der sogenannte Hypogonadismus, der einen krankhaften Testosteronmangel bezeichnet, ist eher die Ausnahme. Mit zunehmendem Alter produzieren die Hoden also weniger Testosteron, gleichzeitig verändert sich auch die hormonelle Steuerung im Gehirn. Faktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel oder chronischer Stress können die Tstosteronproduktion zusätzlich hemmen. Häufig wirken mehrere Ursachen zusammen und verstärken sich gegenseitig.

Midlife-Crisis und Andropause?

Die männlichen Wechseljahre lassen sich deutlich schwerer greifen als die weiblichen. Der hormonelle Wandel verläuft schleichend und oft über viele Jahre hinweg. Beschwerden wie Müdigkeit, Gewichtszunahme oder Stimmungsschwankungen können am sinkenden Testosteronspiegel liegen, aber auch andere Gründe haben. Nicht jede Veränderung in der Lebensmitte hängt automatisch mit der Andropause zusammen. Dann geraten viele Männer ohnehin aus dem Gleichgewicht: Die Kinder werden erwachsen, Beziehungen verändern sich und berufliche Ziele sind erreicht oder werden infrage gestellt. Solche Umbrüche können emotional belasten und Stimmungsschwankungen auslösen. Ob dahinter eher hormonelle Veränderungen oder eine klassische Midlife-Crisis stecken, lässt sich häufig gar nicht so einfach sagen.

Im mittleren Lebensalter steigt auch das Risiko für Erkrankungen wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Probleme oder Störungen der Schilddrüse. Nicht alle Beschwerden können einfach so auf die Andropause geschoben werden. Müdigkeit, Leistungsabfall oder Gewichtszunahme sollten, wenn sie länger bestehen oder ein bedenkliches Ausmaß erreichen, ärztlich abgeklärt werden.

Wer sich körperlich weniger belastbar fühlt, bewegt sich oft auch weniger, nimmt leichter zu und verliert an Selbstvertrauen. Daraus wiederum entwickeln Betroffene oft Frust, Antriebslosigkeit oder depressive Verstimmungen. So entsteht ein Teufelskreis, bei dem Ursache und Folge kaum noch voneinander getrennt werden können. Es besteht die Gefahr, dass echte Erkrankungen zu lange übersehen werden.

Mögliche Beschwerden

Auch Männer erleben hormonelle Veränderungen – dennoch unterscheidet sich die Andropause deutlich von den weiblichen Wechseljahren. Die Beschwerden verlaufen meist langsamer und fallen weniger stark aus. Zudem steckt hinter Veränderungen zwischen 40 und 60 nicht immer automatisch ein sinkender Testosteronspiegel. Eine medizinische Abklärung ist vorschnellen Selbstdiagnosen vorzuziehen. Sind alle anderen Ursachen ausgeschlossen, können verschiedene Beschwerden tatsächlich mit einem sinkenden Testosteronspiegel zusammenhängen. Dazu zählen unter anderem Gewichtszunahme, Müdigkeit, nachlassende Kraft, Schlafprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten oder Veränderungen der Sexualität. Ob Symptome auftreten und wie stark diese ausgeprägt sind, unterscheidet sich von Mann zu Mann.

Testosteron unterstützt den Aufbau und Erhalt von Muskeln. Sinkt der Hormonspiegel, baut der Körper oft Muskelmasse ab und nicht mehr so leicht auf. Gleichzeitig verlangsamt sich der Stoffwechsel, wodurch leichter Fett eingelagert wird – besonders im Bauchbereich. Begegnen Sie dieser Veränderung am besten mit einer gesunden Lebensweise und der nötigen Portion Akzeptanz anstatt mit Frust.

Schlechter Schlaf gehört zu den Beschwerden, über die viele Männer in der Lebensmitte klagen. Typisch sind unruhige Nächte, häufiges Erwachen oder das Gefühl, morgens nicht richtig erholt zu sein. Hormonelle Veränderungen können dabei eine Rolle spielen. Gleichzeitig beeinflusst chronischer Schlafmangel den Hormonhaushalt zusätzlich negativ und kann Beschwerden weiter verstärken.

Ein sinkender Testosteronspiegel kann sich auch auf das Lustempfinden und die sexuelle Funktion auswirken. Manche Männer verspüren weniger sexuelles Verlangen oder haben Probleme mit Erektionsstörungen. Solche Beschwerden belasten auch emotional. Häufig machen Betroffene sich innerlich Druck und sprechen aus Scham nicht offen über diese Probleme.

Auch das kann während der Andropause zum Problem werden: Energie, Konzentration, Leistungsfähigkeit und Motivation lassen nach. Aufgaben fallen schwerer und die Belastbarkeit sinkt. Dahinter können neben einem veränderten Hormonhaushalt weitere Ursachen stecken – etwa Schlafmangel, Stress, Bewegungsmangel oder psychische Belastungen. Selbstzweifel verstärken die Beschwerden oft zusätzlich.

Gelassenheit gegenüber dem Älterwerden

Mit zunehmendem Alter verändern sich Körper und Leistungsfähigkeit – und das ist völlig normal. Wer sich ständig mit dem Selbstbild aus früheren Jahren vergleicht, setzt sich oft unnötig unter Druck. Hilfreicher ist es, den Fokus auf die positiven Seiten dieser Lebensphase zu richten: mehr Erfahrung, mehr Freiheit und oft auch mehr Zeit für persönliche Wünsche und neue Ziele.

Obwohl auch Männer hormonelle Veränderungen durchleben, wird darüber deutlich seltener gesprochen als über die Wechseljahre bei Frauen. Themen wie Libidoverlust, Antriebslosigkeit oder depressive Verstimmungen gelten in vielen männlichen Freundeskreisen noch immer als "unmännlich". Dadurch bleiben Beschwerden oft lange unbehandelt oder hormonellen Ursachen werden nicht als Grund gesehen.

Ein gesunder Lebensstil kann Beschwerden während der Andropause merklich abmildern. Regelmäßige Bewegung, ausgewogene Ernährung und ausreichend Schlaf unterstützen sowohl die körperliche als auch die psychische Gesundheit. Ebenso wichtig ist es, Stress nach Möglichkeit zu reduzieren und auf Alkohol sowie das Rauchen zu verzichten. Allein dadurch lässt sich schon viel verbessern.

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