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"Sewol"-Unglück in Südkorea: Schüler erheben schwere Vorwürfe gegen Fährbesatzung

Im Prozess um das tragische Fährunglück vor Südkorea sagen erstmals Schüler aus. Die Vorwürfe gegen die Besatzung wiegen schwer: Ihnen sei zu keiner Zeit geholfen worden, beklagen die Überlebenden.

Zum ersten Mal seit Beginn des Prozesses um das schwere Fährunglück in Südkorea haben am Montag Schüler als Zeugen ausgesagt. Die Jugendlichen, die den Untergang der "Sewol" im April anders als viele ihrer Klassenkameraden überlebten, erhoben dabei schwere Vorwürfe gegen die Besatzungsmitglieder. Ihr oder ihren Mitschülern sei zu keinem Zeitpunkt geholfen worden, sagte eine Schülerin nach Angaben von Reportern im Gerichtssaal. Später habe sie beobachtet, wie Klassenkameraden von einer Welle zurück in das sinkende Schiff gespült wurden.

"Sie haben immer wieder das Gleiche gesagt", berichtete eine andere Zeugin. Per Lautsprecherdurchsage seien die Passagiere aufgefordert worden, Schwimmwesten anzulegen und an Ort und Stelle zu bleiben. Ihren Schilderungen zufolge befolgten die Schüler die Anweisungen, bis die Fähre so weit in Schieflage geriet, dass sich die Tür ihrer Kabinen über ihren Köpfen befand und Wasser durch die Fenster eindrang. Einigen Schülern sei es dann gelungen, sich zu befreien und die anderen aus dem Wasser zu ziehen. In den kommenden Tagen sollen 23 Schüler aussagen.

Inkompetenz, Korruption, Geldgier

In dem am 10. Juni eröffneten Prozess sind der Kapitän Lee Joon Seok und drei andere ranghohe Crew-Mitglieder wegen fahrlässiger Tötung in besonders schwerem Fall angeklagt, ihnen droht die Todesstrafe. Elf weitere Besatzungsmitglieder müssen sich wegen minder schwerer Verletzungen des Seerechts verantworten.

Der Kapitän und seine Untergebenen sollen die Passagiere auf dem sinkenden Schiff angewiesen haben, zu bleiben, wo sie waren - fast eine Stunde lang harrten die Passagiere somit in ihren Kabinen oder auf ihren Sitzen aus. Die Schiffsführung verließ die Fähre, während hunderte Menschen noch festsaßen. Bei dem Unglück am 16. April kamen mehr als 300 Menschen ums Leben, unter ihnen etwa 250 Schüler einer Schule in Ansan.

Laut einem Anfang Juli veröffentlichten Bericht zu dem Unglück führten Inkompetenz, Behördenversagen, Korruption und Geldgier zu der Katastrophe. Die Reederei habe den "finanziellen Gewinn über die Sicherheit der Passagiere" gestellt, die Besatzung habe sich "unverantwortlich" verhalten, hieß es darin. Der Bericht empfahl Anklagen gegen elf hohe Beamte und Disziplinarverfahren gegen 40 weitere.

kis/AFP / AFP
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