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Francesco Mangiacapra: "Vatikan-Callboy" bestätigt: Suspendierter Pfarrer aus Bamberg war mein Kunde

In Bamberg wurde ein Priester suspendiert – offiziell wegen "schwerer Verfehlungen gegen kirchliche Vorschriften". Inoffiziell hingegen ist der Geistliche wohl über seine Beziehung zum "Vatikan-Callboy" Francesco Mangiacapra gestolpert, sagte dieser dem stern.

Von David Baum und Moritz Dickentmann

Francesco Mangiacapra: Sex im Vatikan: Callboy outet 40 katholische Priester

Es war eine spektakuläre Aktion, die Francesco Mangiacapra Anfang März weit über Italiens Grenzen hinaus bekannt machte. In einem 1233 Seiten starken und vom Erzbistum Neapel in seiner Authentizität später bestätigten Dossier hatte der Callboy mehr als 40 katholische Priester als langjährige Kunden geoutet – darunter einen deutschen Pfarrer, wie der 37-Jährige dem stern exklusiv verriet: "Ich hatte auch einen geistlichen Kunden aus Bamberg, der mich buchte, wenn er nach Rom kam", gab Mangiacapra damals preis ohne einen Namen zu nennen (hier können Sie das gesamte Interview nachlesen).

Für eben diesen Priester hat das Dossier nun Konsequenzen - auch wenn das Erzbistum Bamberg einen Zusammenhang nicht bestätigen will. Fest steht: Der Geistliche ist am gestrigen Dienstag von Erzbischof Ludwig Schick mit sofortiger Wirkung von all seinen Ämtern enthoben worden - offiziell wegen "schwerer Verfehlungen gegen kirchliche Vorschriften", wie es in einer Pressemitteilung heißt. Ihm sei zudem "die Ausübung aller priesterlichen Funktionen verboten", bestätigte Pressesprecher Harry Luck dem stern auf Anfrage. Vorgeworfen werden dem Pfarrer demnach Verfehlungen, "die das sechste Gebot der Ehelosigkeit und den priesterlichen Zölibat betreffen". Konkreter wollte Luck, der auf die Persönlichkeitsrechte des Suspendierten verwies, darauf nicht eingehen. 

Auch einen direkten Zusammenhang mit den Enthüllungen Mangiacapras und der stern-Berichterstattung bestätigte Luck nicht. Zur Suspendierung hätten vielmehr "Informationen auf dem kirchlichen Dienstweg direkt aus Rom" geführt. 

Mangiacapra: Bamberger Priester ist Fall aus meinem Dossier 

"Vatikan-Callboy" Mangiacapra bestätigt indessen gegenüber dem stern, dass es sich bei dem Priester um einen Fall aus seinem brisanten Dossier handelt – dem ersten, der nun konkret öffentlich wird. "Ich nehme an, er hat selbst spontan zugegeben oder zumindest nicht geleugnet", sagt Mangiacapra. "Das ist mir wichtig, weil ich nicht bestrebt bin, diese Menschen zu bestrafen, sondern sie dazu bringen will, ihr Leben zu überdenken. Ich würde mir aufrichtig wünschen, dass er seinen Weg findet, sein Leben leben kann, und sich von seiner Schuldvorstellung befreit." Er bedaure, dass sich die Kirche nicht endlich von Innen heraus mit ihren Problemen auseinandersetzen würde. "Wie gewöhnlich bedarf es erst des Drucks großer Medien, um sich damit auseinanderzusetzen." Er hoffe, dass die Folgen für die einzelnen, wie etwa die Reduktion auf den Laienstand "nicht als Strafe, sondern als Chance für ein friedliches Leben betrachtet werden", so Mangiacapra. "Ich will keine Rache, wofür auch? Vielmehr hoffe ich, sie finden Ruhe in einem Leben, das nicht verlogen ist."   

Der Priester hat die gegen ihn seitens der katholischen Kirche erhobenen Vorwürfe dem Erzbistum zufolge eingeräumt und werde sich in ein Kloster zurückziehen, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Strafrechtliche Vorwürfe würden nach jetzigem Stand keine gegen ihn erhoben.