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Bleiberecht aufgehoben: 200.000 Salvadorianern in den USA droht Ausweisung

2001 erhielten 200.000 Salvadorianer den Schutzstatus in den USA, nachdem ihr Heimatland von mehreren Erdbeben heimgesucht worden war. Nun droht ihnen die Ausweisung. Sie müssten in eines der gefährlichsten Länder der Welt zurückkehren.

El Salvadors Außenminister reagiert auf Aufhebung des Schutzstatus in den USA

El Salvadors Außenminister Hugo Martínez versprach, sich für seine Landleute, denen die Ausweisung aus den USA droht, einzusetzen

Nach fast 20 Jahren in den USA ist das Land für die Salvadorianer zum Zuhause geworden. Das sollen sie nun verlassen: Die US-Regierung hat den Schutzstatus der 200.000 Menschen aufgehoben, der ihnen 2001 nach einer Serie von Erdbeben in El Salvador gewährt worden war.

Der Schutzstatus räumte den Salvadorianern ein befristetes Bleiberecht ein, das in den Folgejahren mehrere Male verlängert worden war. Das Heimatschutzministerium kam nach eigenen Angaben aber jetzt zu dem Schluss, dass sich die Bedingungen in El Salvador mittlerweile verbessert hätten. Ein andauernder Schutzstatus sei daher nicht mehr gerechtfertigt. Die Salvadorianer müssen nun bis September 2019 die USA verlassen oder einen neuen Weg suchen, um legal bleiben zu können. 

El Salvador muss nach Alternativen suchen

Die salvadorianische Regierung dankte der Regierung in Washington zunächst, dass der Schutz noch für 18 Monate bestehen bleibt. "Wir werden in dieser Zeit ohne Unterlass an einer dauerhaften Alternative für unsere Landsleute arbeiten", sagte El Salvadors Außenminister Hugo Martínez. Ziel sei es, ein Gesetz durch den US-Kongress zu bekommen, das den Salvadorianern einen dauerhaften Aufenthaltstitel verschafft.

Für jene Salvadorianer, die in ihr Heimatland zurückkehren wollen, werde die Regierung ein Wiedereingliederungs- und Beschäftigungsprogramm auflegen, kündigte Martínez an. "Sie werden mit offenen Armen empfangen."

"Entscheidung schafft nur Verlierer"

Dem US-Zentrum für Migrationsstudien (CMS) zufolge sind die betroffenen 200.000 Menschen Eltern von 190.000 Kindern, die in den USA geboren wurden, und ein Drittel sind Hausbesitzer. Viele arbeiten im Baugewerbe. Die Auslandsüberweisungen der in den USA arbeitenden Landsleute machen 17 Prozent des Bruttoinlandsprodukts von El Salvador aus.

"Diese Entscheidung schafft nur Verlierer und keine Gewinner", sagte CMS-Direktor Donald Kerwin. "Zu den Verlierern zählen die bisherigen Begünstigten des Schutzstatus', ihre Arbeitgeber, ihre in den USA geborenen Kinder, die Städte und Gemeinden in den Vereinigten Staaten, El Salvador und die US-Wirtschaft."

Kerwin warnte vor einer Zunahme der illegalen Migration in die USA, weil abgeschobene Salvadorianer versuchen dürften, wieder zu ihren Angehörigen zu kommen. Außerdem sei El Salvador nicht in der Lage, den Heimkehrern Sicherheit und Arbeit zu geben.

Auch wenn die Schäden der Erdbeben vor 17 Jahren mittlerweile beseitigt sind, hat das bitterarme Land mit vielen Problemen zu kämpfen. Zuletzt flohen immer mehr Menschen vor den blutigen Kämpfen zwischen verfeindeten Jugendbanden. Mit rund 60 Morden je 100.000 Einwohnern ist El Salvador eines der gefährlichsten Länder der Welt. 

fri / DPA