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Florida, USA Gericht erklärt 16-Jährige für nicht "reif" genug für eine Abtreibung

Ein schwangerer Teenager als Symbolfoto für Abtreibung in Florida
Die junge Frau hatte nach Ansicht der drei Richter "nicht durch eindeutige und überzeugende Beweise nachgewiesen", dass sie reif genug war, um über eine Abtreibung zu entscheiden (Symbolfoto)
© Getty Images
In Florida wollte eine schwangere und elternlose 16-Jährige ihr Kind abtreiben. Doch ein Gericht entschied, dass der Teenager nicht "reif" genug sei, eine solche Entscheidung zu treffen.  

Eine jugendliche Schwangere in den USA wird möglicherweise gezwungen, ihr Kind gegen ihren Willen auszutragen. Die 16-Jährige, die keine Eltern mehr hat, legte Einspruch gegen ein früheres Urteil vom 10. August ein. Darin untersagte ihr eine Bezirksrichterin eine Abtreibung ohne die Zustimmung eines Elternteils oder Erziehungsberechtigten – so wie es das Gesetz in Florida vorschreibt. Ein dreiköpfige Berufungsgericht in Florida gab der Bezirksrichterin jetzt größtenteils recht. In der Begründung hieß es, dass die Jugendliche "nicht reif genug ist, um zu entscheiden, ob sie ihre Schwangerschaft abbrechen will".

Wie aus dem Urteil hervorgeht, hatte die junge Frau nach Ansicht der drei Richter "nicht durch eindeutige und überzeugende Beweise nachgewiesen", dass sie reif genug war, um über einen Schwangerschaftsabbruch zu entscheiden. "Nach Durchsicht der Unterlagen bestätigen wir die Entscheidung des Gerichts nach den strengen Maßstäben der Berufungsprüfung, die (im Zustimmungsgesetz) festgelegt sind," heißt es in der Entscheidung.

Fall zur Abtreibung soll nach Meinung von Richter noch einmal geprüft werden

Allerdings ist der Fall damit noch nicht entschieden. Während zwei der Richter sich klar auf die Seite der Bezirksrichterin stellten, stimmte der Dritte nur teilweise zu und war teilweise anderer Meinung. Seiner Ansicht nach müsse das Berufungsgericht den Fall wieder zurückschicken, um eine weitere Prüfung zu ermöglichen.

"Die Minderjährige ist fast siebzehn Jahre alt und elternlos. Sie lebt bei einem Verwandten, hat aber einen Vormund bestellt", stellte der Richter fest. "Sie strebt einen Schulabschluss an und nimmt an einem Programm zur Unterstützung junger Frauen teil, die in ihrem Leben ein Trauma erlebt haben.". Die Jugendliche habe durch den Tod eines Freundes ein erneutes Trauma erlebt, kurz bevor sie beschloss, den Abbruch ihrer Schwangerschaft zu beantragen.

Er merkte auch an, dass die Jugendliche in ihrem Antrag, den sie von Hand ausgefüllt hatte, darauf bestand, dass sie reif genug sei, um diese Entscheidung zu treffen und sagte, dass sie nicht bereit sei, ein Baby zu bekommen, dass sie keine Arbeit habe, dass sie noch zur Schule gehe und dass der Vater nicht in der Lage sei, sie zu unterstützen. Auch sei ihr Vormund mit ihrer Entscheidung einverstanden.

Supreme Court kippte im Juli Recht auf Abtreibung

Erst im Juli hatte das Oberste US-Gericht die Entscheidung über das Recht auf Abtreibung an die Bundesstaaten gegeben. Etliche Staaten hatten bereits Gesetze für den Fall vorbereitet, dass der Supreme Court das Recht auf Abtreibung kippt. In rund der Hälfte der US-Bundesstaaten gelten seitdem weitgehende Einschränkungen bis hin zu Abtreibungsverboten – oder sie dürften bald in Kraft treten. Vor dem Urteil waren Abtreibungen im ganzen Land mindestens bis zur Lebensfähigkeit des Fötus erlaubt. In südlichen Staaten wie Arkansas oder Alabama sind Abtreibungen nun auch bei Fällen von Inzest oder Vergewaltigung verboten. Ausnahmen gibt es in der Regel nur bei medizinischen Notfällen. Selbst Kinder könnten somit gezwungen werden, ein Kind auszutragen.

Viel Zeit dürfte im Falle der Jugendlichen nicht mehr bleiben. In Florida sind seit dem 1. Juli Abtreibungen nach der 15. Schwangerschaftswoche nur noch als Ausnahme möglich, etwa wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist oder der Fötus eine tödliche Anomalie aufweist.

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Quellen: Urteil Berufungsgericht, NBC News, mit Material von DPA


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