Anschläge in Bombay Fast 200 Menschen sterben in explodierenden Zügen


In Bombay explodierten sieben Bomben in Vorortzügen, an die 200 Menschen starben. Waggons wurden zerfetzt, Verletzte lagen auf den Gleisen. Nach dieser Anschlagserie in der 14-Millionen-Metropole sprachen Kommentatoren vom "7/11" Indiens.

Nach der Serie von Bombenanschlägen auf Vorortzüge in der westindischen Finanzmetropole Bombay ist die Zahl der Todesopfer auf 190 gestiegen. Die Zahl der Verletzten gab die Polizei am Mittwochmorgen mit 625 an. Am Dienstagabend waren im Berufsverkehr sieben Sprengsätze in fünf voll besetzten Vorortzügen und auf zwei Bahnhöfen explodiert. Dabei hatten die Attentäter die Bomben vor allem in den Erste-Klasse-Abteilen der Züge platziert. Es waren die schwersten Anschläge in Bombay seit 1993. Damals waren mehr als 270 Menschen bei einer Serie von Bombenanschlägen getötet wurden.

Die Bomben gingen im abendlichen Berufsverkehr der indischen Finanzmetropole hoch - zu der Zeit sind die Bahnen mehr als überfüllt. Mehr als sechs Millionen Passagiere fahren jeden Tag mit den Bahnen und machen sie damit zum meist genutzten Nahverkehrsmittel aller Großstädte weltweit.

Suche nach Hintermännern

Unterdessen läuft die Suche nach den Hintermännern auf Hochtouren. Zunächst hatte sich niemand zu den Anschlägen bekannt. Das indische Innenministerium prüft, ob es einen Zusammenhang mit Anschlägen im indischen Teil Kaschmirs gibt, für die die Polizei die von Pakistan aus operierende muslimische Terrorgruppe Lashkar-e-Toiba verantwortlich macht.

In Anrufen bei indischen Medien dementierte ein angeblicher Sprecher von Lashkar-e-Toiba eine Beteiligung der Gruppe an den Anschlägen in Bombay. Sicherheitsexperten hielten das Dementi jedoch nicht für glaubwürdig. Lashkar-e-Toiba verübt immer wieder schwere Anschläge in Indien. Premierminister Manmohan Singh versicherte, die Regierung werde alles in ihrer Macht stehende unternehmen, um die Verantwortlichen zu bestrafen.

In der Nacht besuchte die Vorsitzende der regierenden Kongresspartei, Sonia Gandhi, und andere hochrangige Politiker die Anschlagsorte und die Verletzten in den Krankenhäusern.

7/11 von Bombay

Ein Kommentator des Landes verglich die Anschläge sogar mit den Attentaten auf die Londoner U-Bahn . "Das ist Indiens 7/11", sagte ein Kommentator im indischen Fernsehen zu den Bombenanschlägen in der 14-Millionen-Metropole - eine beängstigende Mischung aus dem 7. Juli 2005, dem Datum der Anschläge in London, und dem 11. September 2001, an dem die Terrorangriffe al Kaidas in New York und Washington den internationalen Krieg gegen den Terrorismus auslösten.

Zunächst bekannte sich niemand zu der Bluttat in Bombay. Die indische Regierung, deren Behörden von bevorstehenden Anschlägen wussten, aber weder Zeit noch Ort gekannt haben wollen, untersucht, ob es eine Verbindung zu einer Anschlagserie muslimischer Extremisten im indischen Teil Kaschmirs geben könnte. Die aus Pakistan heraus operierende muslimische Terrorgruppe Lashkar e Toiba - die bei Anschlägen in Indien stets zu den ersten Verdächtigen gehört - dementierte jede Beteiligung an der Bombenserie in Bombay. Sicherheitsexperten hielten das Dementi allerdings für kaum glaubwürdig.

Denn die Taktik von rasch aufeinander folgenden Explosionen wurde in der Vergangenheit von kaschmirischen Extremisten angewendet. Stunden vor den Anschlägen hatten mutmaßliche islamische Extremisten in der Stadt Srinagar im indischen Teil Kaschmirs eine Serie von Granatenanschlägen verübt. Dabei kamen acht Menschen ums Leben. Im indischen Teil Kaschmirs kämpfen mehr als ein Dutzend militante muslimische Gruppen für die Unabhängigkeit des Gebiets von Indien oder seinen Anschluss an Pakistan. Der Konflikt kostete seit 1989 mehr als 66.000 Menschen das Leben. Pakistan verurteilte als eines der ersten Länder die Anschlagsserie als "verabscheuenswürdige Terrorakte".

Die getroffenen Zugabteile, allesamt erster Klasse, wurden von den Explosionen völlig zerfetzt, Trümmer und Gepäckstücke lagen auf Bahnsteigen verteilt. Fernsehsender strahlten Bilder von Verletzten auf Bahngleisen aus. Einige Verletzte hielten sich blutige Verbände gegen ihre Wunden, andere versuchten verzweifelt, ihre Angehörigen über Mobiltelefone zu erreichen. Im Bahnnetz brach nach den Explosionen Chaos aus, die Rettungsarbeiten wurden zudem von heftigem Monsunregen behindert.

Dass sich die Täter Bombay ausgesucht haben verwundert wenig, die 14-Millionen-Metropole ist das Symbol für Indiens ökonomischen Aufstieg. Die Hafenstadt Bombay, deren Name seit Mitte der 90er Jahre in Mumbai geändert wurde, ist zudem führender Handels- und Industrieplatz. Als Filmmetropole Indiens wird die Stadt auch als "Bollywood" bezeichnet.

Der Großraum Bombay ist die sowohl von Reichtum als auch bitterster Armut geprägt. Sie ist Fluchtpunkt für Millionen armer Menschen. Mehr als die Hälfte der Einwohner Bombays lebt unter erbärmlichsten Umständen in übervölkerten Slums.

AP/Reuters/DPA AP DPA Reuters

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