HOME

Pakistaner Navid B.: Berliner Polizei beharrt darauf, dass Verdächtiger nicht misshandelt wurde

Wurde er von der Polizei geschlagen oder nicht? Der irrtümlich im Zusammenhang mit dem Anschlag in Berlin verhaftete Pakistaner Navid B. hatte in einem Interview von Misshandlung gesprochen - doch die Beamten widersprechen.

Nach dem Anschlag in Berlin wurde zunächst ein Pakistaner der Tat verdächtigt

Nach dem Anschlag in Berlin wurde zunächst ein Pakistaner der Tat verdächtigt

Die Berliner Polizei hat Vorwürfe der Misshandlung eines nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt irrtümlich festgenommenen Pakistaners zurückgewiesen. "Dieser Vorwurf ist falsch und entbehrt jeder Grundlage", erklärte ein Polizeisprecher. Der Pakistaner Navid B. erklärte demnach der Polizei, er sei "weder geschlagen noch schlecht behandelt" worden. Der britische "Guardian" blieb dagegen bei seiner Darstellung.

"Ich habe mich gewehrt, sie haben mich geschlagen"

Der " " zitiert Navid B. mit den Worten, er sei nach seiner Festnahme im Berliner Tiergarten auf ein Polizeirevier gebracht worden, wo er sich ausziehen und fotografiert werden sollte. "Als ich mich gewehrt habe, fingen sie an, mich zu schlagen", so B. weiter laut des britischen Blatts.

Vor dem Hintergrund dieser Vorwürfe wurde Navid B. von der erneut im Beisein eines Übersetzers befragt. B. habe zwar das Interview mit einer britischen Zeitung, das in einer Berliner Pizzeria stattgefunden habe, bestätigt, erklärte ein Polizeisprecher. Ein Fachübersetzer sei aber nicht dabei gewesen, sondern lediglich ein ebenfalls aus Pakistan stammender Bekannter von B.


Navid B. habe der Polizei "eindeutig" gesagt, dass er im Zusammenhang mit seiner und im anschließenden Gewahrsam "nicht geschlagen, verletzt oder misshandelt" worden sei, so der Polizeisprecher. Dies decke sich mit den Wahrnehmungen der Polizeibeamten, die in engem Kontakt zu Navid B. stünden.

B. habe keine sichtbaren Verletzungen gehabt

Zu keiner Zeit habe es Anhaltspunkte dafür gegeben, dass B. geschlagen oder verletzt worden sei. Er habe keine sichtbaren Verletzungen aufgewiesen, auch habe es keine Anzeichen für ein polizeiliches Fehlverhalten gegeben. Dies habe B. im Gespräch erneut bestätigt. Er sei vielmehr "unglaublich dankbar und froh über die Unterstützung, die er seit seiner Entlassung von der Polizei erhält", sagte der Sprecher.

Die "Guardian"-Journalistin Kate Connolly, die das Interview mit B. geführt hatte, blieb bei ihrer Darstellung. Sie habe über einen Übersetzer erneut mit dem Pakistaner gesprochen, schrieb sie im Kurzmitteilungsdienst Twitter. Dabei habe B. gesagt, die Polizei sei zu ihm gekommen, er habe ihnen aber "nicht die Worte gesagt, die in seinen Mund gelegt" worden seien.


Der "Guardian" stehe zu dem Bericht. "Es war ein Interview, das drei Stunden dauerte und von dem ich eine Aufnahme habe", fügte Connolly hinzu. Ihr Bericht war mit einem Foto des Pakistaners und seinem vollen Namen erschienen.

Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, hatte zuvor dem Redaktionsnetzwerk Deutschland die Aussagen von Navid B. zu den Schlägen ebenfalls als unglaubhaft bezeichnet.

Die Berliner Polizei verwies darauf, dass sich seit der Entlassung von Navid B. aus dem Polizeigewahrsam LKA-Fachleute "intensiv" um ihn kümmerten. Ihm sei unter anderem eine neue Unterkunft vermittelt worden, auch sei er auf die Möglichkeiten des Opferschutzes hingewiesen worden, sofern er sich gefährdet oder bedroht sehe.

Nach Festnahme wieder freigelassen

Nach B.s Festnahme unmittelbar nach dem Weihnachtsmarkt-Anschlag am 19. Dezember hatten polizeiliche Nachforschungen ergeben, dass der Pakistaner nichts mit dem Anschlag mit zwölf Toten und etwa 50 Verletzten zu tun hatte. Der Tunesier soll den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche verübt haben. Nach einer mehrtägigen Flucht wurde Amri in der Nacht zum 23. Dezember bei einer Polizeikontrolle nahe Mailand erschossen.