Augenzeugen "Dann sahen wir die Welle kommen und rannten"


Eigentlich ist es ein Paradies, doch am Sonntag verwandelte sich die thailändische Insel Phuket für Urlauber zur Hölle. Augenzeugen berichten von toten Babys, Leichen in Badeanzügen und einer Spur der Verwüstung.

Eine große Plakatwand mit dem Gesicht des thailändischen Königs liegt, in einzelne Stücke zerschlagen, auf einem Müllhaufen. Es ist nur eines von hunderten Bildern der Zerstörung, die am Tag nach der verheerenden Flutwelle auf der Ferieninsel Phuket zu sehen sind. Hunderte Menschen irren noch durch die Trümmer und den völlig verwüsteten Strand entlang, suchen nach Familienangehörigen oder Freunden oder nach einer Erklärung für das Unbegreifliche.

"Das Wasser ging zurück, immer weiter zurück", erinnert sich Katri Seppanen aus Helsinki an den Moment, bevor die Tsunami zuschlug. "Wir rätselten, ist es der Mond? Dann sahen wir die Welle kommen und rannten." Die 27-Jährige war mit ihrer Familie am berühmten Patong-Strand. Die Flut riss sie auseinander, aber nach zwei Stunden bangen Suchens fanden sie sich wieder. Ihr T-Shirt hat Salzränder. Die Nacht verbrachte sie mit ihrer Mutter und ihrer Schwester im Krankenhaus, an ihrem Bein trägt sie einen Verband.

Touristin: "Ich bin völlig fertig"

Die Australierin Julie Robertson aus Brisbane fand ihre Mutter, ihre Schwester und ihren Freund erst am Montagmorgen wieder. Als sie sich im Amari-Hotel treffen, brechen alle in Erleichterungsschreie aus. "Ich bin völlig fertig", sagt die 34 Jahre alte Touristin. "Aber auch glücklich, dass wir überlebt haben."

Vor der Rettungsstation des Patang-Krankenhauses liegen 58 halb nackte, leblose Körper, die meisten in Badekleidung. Unter den Toten sind drei Babys, nicht einmal ein Jahr alt. Das Foto eines weiteren ums Leben gekommenen Kleinkindes hängt an der Wand.

Am Strand bettelt ein Mönch um Almosen, Touristen und Einheimische streifen mit ungläubigen Blicken durch die Trümmerlandschaft. Ein Auto liegt auf dem Dach eines anderen, während die Liegestühle vom Strand mehrere hundert Meter ins Innere der Insel geschleudert wurden.

Greg Miller aus Hawaii wusste gleich nach der ersten Erderschütterung, dass er auf dem Meer nach einer Welle Ausschau halten muss. "Ich habe es noch geschafft, einen Wagen zu bekommen", sagt der 55-Jährige. "Damit bin ich in eine höhere Region gerast." Er warnte seinen Freund am Telefon, nicht zum Strand zu fahren; zu spät. "Er wurde von der Welle mit dem Wagen in die Hügel geschleudert, überschlug sich vier Mal, aber er überlebte", erzählt Miller.

Angst vor Plünderungen

Aus Angst vor Plünderern schliefen viele Ladenbesitzer in ihren halbverwüsteten Geschäften. Die Polizei hat viele Straßen abgeriegelt. In der ersten Nacht nach der Tsunami blieb es auf Phuket ruhig.

Alisa Tang, AP AP

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