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Autobomben-Anschläge: Mindestens 150 Tote in Bagdad

Die Anschlagserie im Irak reißt nicht ab: Bei drei Terroranschlägen sind in Bagdad fast 160 Menschen ums Leben gekommen. Die Bomben detonierten auf einem Markt, auf einer Straße in der Innenstadt und auf einem öffentlichen Platz.

Bei einer Serie von verheerenden Bombenanschlägen sind in Bagdad wieder fast 160 Menschen getötet worden. Der folgenschwerste Anschlag richtete sich gegen einen belebten Markt, auf dem bei der Explosion einer Autobombe mindestens 112 Menschen in den Tod gerissen und 94 verletzt wurden. Wie ein Fotograf berichtete, war der Schauplatz des Anschlags mit Leichen übersät. Unter den Opfern waren auch viele Frauen und Kinder.

"Ich sah Dutzende von Toten", sagte der Fotograf. Einige Menschen seien bei lebendigem Leib in Minibussen verbrannt. Nach der Explosion sei es zunächst nicht möglich gewesen, zu den Opfern vorzudringen. "Frauen weinten und riefen die Namen ihrer Angehörigen, die bei dem Anschlag gestorben waren", sagte der Fotograf weiter. Die Welle der Gewalt weckte erneut Zweifel an der Sicherheitsoffensive, die die amerikanischen und irakischen Streitkräfte vor zwei Monaten in Bagdad gestartet haben. Wie das Al-Kindi-Krankenhaus und die Polizei mitteilten, waren unter den Opfern des Anschlags auf den vorwiegend von Schiiten besuchten Markt zahlreiche Arbeiter, die mit dem Wiederaufbau der Marktstände beschäftigt waren. Der Markt war erst im Februar Ziel eines Anschlags, damals starben 137 Menschen. Rund eine Stunde zuvor waren bei einem Selbstmordanschlag im schiitischen Bagdader Stadtteil Sadr City mindestens 30 Menschen in den Tod gerissen worden, fast 40 weitere wurden verletzt. Wie die Polizei mitteilte, zündete der Attentäter bei einer Kontrollstelle eine Autobombe. Zuvor wurden bei zwei Bombenanschlägen in der irakischen Hauptstadt bereits mindestens 15 Menschen getötet und fast 20 weitere verletzt. Wie die Polizei mitteilte, explodierte nahe der Abdul-Madschi-Klinik in der Innenstadt ein geparktes Auto, dabei wurden elf Menschen getötet.

Überfall auf Polizeipatrouille

Später detonierte im nordwestlichen Stadtteil Risafi ein in einem Minibus versteckter Sprengsatz, vier Menschen kamen ums Leben. Bei einem Überfall auf eine Polizeipatrouille ebenfalls in der Hauptstadt wurden vier Polizisten getötet, sechs Passanten erlitten Verletzungen. Die US-Streitkräfte verwiesen darauf, dass seit Beginn der Sicherheitsoffensive die Gewalt zwischen Schiiten und Sunniten in Bagdad zurückgegangen ist. Schon in der vergangenen Woche zeigten aber spektakuläre Anschläge unter anderen auf eine Brücke und das Parlament, dass die Aufständischen keineswegs zurückgedrängt sind.

Die US-Streitkräfte erschossen nach eigenen Angaben während einer Razzia in der westlichen Provinz Anbar fünf Verdächtige. Die Truppen seien in der Nähe von Karma, nordöstlich von Falludscha, angegriffen worden. 26 Iraker seien festgenommen worden. In einer Lagerhalle der Bagdader Innenstadt entdeckten US-Soldaten außerdem mehr als 11.000 Liter Salpetersäure. Die am vergangenen Donnerstag beschlagnahmte Chemikalie kann für Düngemittel, aber auch für die Herstellung von Sprengstoff verwendet werden.

Gates warnt Nahen Osten vor Scheitern der Irak-Politik

US-Verteidigungsminister Robert Gates forderte die Staaten im Nahen Osten auf, sich für eine Verbesserung der Sicherheitslage im Irak einzusetzen. Ein Scheitern im Kampf gegen die dortigen Extremisten würde zuerst die arabischen Länder treffen, sagte Gates nach einem Treffen mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak in Kairo. Aus Protest gegen den Krieg ein Scheitern der Irak-Politik zu begrüßen, sei "gefährlich kurzsichtig und selbstzerstörerisch", warnte Gates. Auch der Iran und Syrien müssten in eine Lösung des Irak-Konflikts einbezogen werden und sich darum bemühen, die Versöhnung im Irak voranzutreiben, forderte der Minister weiter.

Reuters/AP / AP / Reuters