Busunglück bei Hannover Jugendlicher unter Opfern


Unter den 20 Todesopfern des Busunglücks von Hannover ist offenbar auch ein Jugendlicher. Ein Polizeisprecher bestätigte einem Medienbericht zufolge, dass ein Minderjähriger unter den Todesopfern sei. Der Junge sei mit seinen Großeltern unterwegs gewesen, die ebenfalls in dem Feuer umgekommen sein sollen.

Unter den 20 Toten des verheerenden Busunglücks auf der Autobahn 2 bei Hannover ist auch ein Jugendlicher. Polizeisprecher Stefan Wittke bestätigte am Mittwochabend einen entsprechenden Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Der Jugendliche sei unter 18 Jahren alt. Es handele sich um eine Familie, die zusammen unterwegs war, sagte Wittke der dpa. Zunächst waren die Ermittler davon ausgegangen, dass sich nur Senioren an der Kaffeefahrt beteiligt hatten.

Trotz vieler Vermutungen war am Mittwoch noch unklar, wie das Feuer in dem Reisebus entstand und wie es sich so rasend schnell ausbreiten konnte. Ein technischer Defekt gilt aber als unwahrscheinlich. Vier der 13 Verletzten rangen am Tag nach der Katastrophe noch mit dem Tod. Sie lagen im künstlichen Koma. Der viereinhalb Jahre alte Reisebus hatte sich auf dem Heimweg von einer Kaffeefahrt ins Münsterland befunden. Einige der Senioren waren gehbehindert.

Die vollständige Identifizierung aller Toten wird mehrere Tage dauern, weil die Leichen bis zur Unkenntlichkeit verbrannt sind. Die genaue Ermittlung der Namen der Opfer gestaltet sich auch deswegen schwierig, weil sich zu dem Ausflug mehr Menschen angemeldet hatten als letztlich mitfuhren. Eine genaue Passagierliste existierte nicht. "Wir gehen davon aus, dass wir die 20 Personen kennen", sagte Einsatzleiter Thomas Rochell am Mittwochabend in der ARD-Sendung "Brennpunkt". Die Bergung der Leichen aus dem Wrack sollte am späten Abend abgeschlossen werden.

Für Donnerstagabend lud Hannovers Landesbischöfin Margot Käßmann zusammen mit Pastoren und Notfallseelsorgern zu einer Andacht in die Marktkirche ein. Die 13 Überlebenden des Unglücks und wohl auch alle 20 Toten stammen nach Angaben von Hannovers Polizeipräsident Uwe Binias aus dem Großraum Hannover.

Vier Verletzte schweben in Lebensgefahr

Vier Verletzte schweben in Lebensgefahr: Die Kombination aus den Verbrennungen, den eingeatmeten Rauchgasen und dem hohen Alter der Patienten sei lebensbedrohend, sagte der Leiter des Bereichs Verbrennungsmedizin der Medizinischen Hochschule Hannover, Prof. Hans-Oliver Rennekampff. Dort werden sieben Schwerstverletzte behandelt, fünf Opfer liegen in anderen Krankenhäusern. Nur der 51 Jahre alte Fahrer des Busses konnte die Klinik bereits verlassen.

Bei den Verletzten handelt es sich um sieben Männer und sechs Frauen im Alter von 46 bis 79 Jahren. Die Staatsanwaltschaft Hannover leitete ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt wegen fahrlässiger Tötung ein. Das Feuer in dem Unglücksbus breitete sich nach Angaben des Polizeipräsidenten "blitzartig und sehr, sehr schnell aus". Der genaue Hergang ist aber noch unklar: Vermutet wird, dass ein Fahrgast in der Toilette heimlich rauchte und die Zigarette nicht ordentlich löschte.

Busfahrer reagierte sofort

Augenzeugen hatten von Rauchentwicklung in der WC-Kabine berichtet. Zuvor war ein Mann auf der Toilette, ob er dort rauchte, steht nach Polizeiangaben bisher nicht fest. Unklar ist auch, ob dieser Mann unter den Toten ist. Als die Toilettentür geöffnet wurde, schoss eine Stichflamme aus dem kleinen Raum ins Fahrzeuginnere. In dem Hochdeckerbus habe sich die Flammen unter umständen wie durch einen Kamineffekt nach oben ausgebreitet. Wenn sich der Rauch sehr schnell verteile, bildeten sich zudem entzündliche Gase, erklärten die Ermittler.

Der Busfahrer habe nach den Feuerrufen der Passagiere sofort reagiert, sein Fahrzeug an den Rand gesteuert und die Türen entriegelt und geöffnet. Der Fahrer habe noch bis zuletzt versucht, Menschen ins Freie zu bringen, sagte der Anwalt der Inhaberfamilie des Unternehmens.

Der Bus gehörte dem hannoverschen Traditions-Reiseunternehmen Mommeyer. Er war nach Angaben des Junior-Chefs Oliver Prehn in einem "einwandfreien Zustand". "Der Bus war viereinhalb Jahre alt und wird regelmäßig gewartet, ein Top-Bus", sagte der Junior-Chef. Der völlig ausgebrannte Bus wurde auf das Gelände der Zentralen Polizeidirektion in Hannover geschleppt, wo Rechtsmediziner mit der Identifizierung der Leichen begannen. Spezialisten von Polizei und Feuerwehr nahmen die Suche nach der Unfallursache auf.

In Hannover war vor dem Rathaus halbmast geflaggt. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) drückte den Angehörigen sein Mitgefühl aus. Auch die EU-Kommission zeigte sich bestürzt. Eine zentrale Trauerfeier der Stadt ist für den kommenden Montag als ökumenischer Gedenkgottesdienst in der St. Johanniskirchengemeinde im Stadtteil Misburg geplant. Von dort und aus den benachbarten Stadtteilen stammten die meisten verunglückten Reisenden.

DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker