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Gewagte Satire: "Charlie Hebdo" verstört durch Karikatur zu totem Flüchtlingsjungen

In der aktuellen Ausgabe wagt sich das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" weit aus dem Fenster: Eine Karikatur zeigt den toten Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi, dessen Bild die Welt schockierte. Damit ging das Heft zu weit, meinen viele.

Die Solidarität mit "Charlie Hebdo" schien grenzenlos, nachdem Terroristen im Januar die Redaktion des französischen angegriffen und zwölf Menschen erschossen hatten. Die ganze Welt rief "Je suis Charlie!" und demonstrierte für die Pressefreiheit. Doch nun könnte es "Je ne suis pas Charlie" heißen: Denn in der neusten Ausgabe ist das religionskritische Heft in den Augen vieler zu weit gegangen.

Auf einer Karikatur ist der tote Flüchtlingsjunge Aylan Kurdi zu sehen - der Gipfel der Geschmacklosigkeit, wie manche finden. Über dem Bild steht auf französisch "So nah am Ziel", von einer Werbetafel lacht der McDonald's Clown und preist zwei Kindermenüs zum Preis von einem an.

"Ohne Mitgefühl" und "ekelerregend"

Auf Twitter äußerten zahlreiche Nutzer ihren Ärger über das Bild. "Charlie Hebdo" mache sich über Aylan Kurdi lustig, meinen viele. "Ohne Mitgefühl", "ekelerregend", schandhaft", "herzlos", heißt es in den Kommentaren. Andere wiederrum verweisen darauf, dass sich die Karikatur nicht über den toten Jungen lustig mache, sondern die allgemeine Flüchtlingstragödie beleuchte. 

 "Sehe in der #CharlieHebdo-Karikatur keinen Angriff auf ein Individuum, sondern die realitätsnahe Abbildung des Schicksals eines Kollektivs", schreibt ein Nutzer.

Aylan war zusammen mit seiner Mutter und seinem fünfjährigen Bruder bei der Flucht über das Mittelmeer ums Leben gekommen, als ihr Schlauchboot kenterte. Das Bild des leblosen Jungen an einem türkischen Strand ging um die Welt. Es wurde zum Symbol für die Flüchtlingskrise. Die Familie war vor dem Terror des IS geflogen und wollte nach Kanada, wo sie Verwandte haben. Der Vater Abdullah Kurdi überlebte. Er kehrte nach dem Unglück ins syrische Kobane zurück, wo seine Angehörigen beerdigt wurden.


kis