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"Hoffentlich lebt er noch": Jetzt spricht der Polizist, der den toten Flüchtlingsjungen fand

Die erschütternden Bilder des toten Flüchtlingsjungen gingen um die Welt. Jetzt sprach der Polizist, der Ailan Kurdi fand und wegtrug, erstmals über das Ereignis und seine Gefühle dabei.

Ein großer, schlanker Mann trägt den leblosen Körper des kleinen Kindes in seinen Armen

Der türkische Polizist Mehmet Ciplak trägt die Leiche des toten Ailan Kurdi fort

AFP

Es waren Bilder, die wie keine anderen zuvor das grauenhafte Schicksal der Flüchtlinge beschreiben, die auf ihrer Flucht vor Krieg und Elend zu Tode kommen. Ein toter Dreijähriger liegt am Strand in der Nähe der türkischen Stadt Bodrum. Auf einem anderen Bild ist zu sehen, wie ein türkischer Polizist das Kind mit Namen Ailan Kurdi wegträgt - er wendet den Kopf ab, weil der den Anblick offensichtlich nicht erträgt.

Der türkischen Nachrichtenagentur Dogan schilderte der Polizist Mehmet Ciplak jetzt die Ereignisse:  "Als ich mich dem Kleinkind näherte, dachte ich: 'Hoffentlich lebt es noch'. Aber er hat kein Lebenszeichen gezeigt. Ich war am Boden zerstört. Es war ein schrecklicher Anblick, es war ein schrecklicher Verlust." Er habe selbst einen sechsjährigen Sohn, sagte Ciplak. "Und als ich das Kind sah, dachte ich an meinen eigenen Sohn und versetzte mich in die Lage seines Vaters. Worte können diesen tragischen Anblick nicht beschreiben." Er habe nicht bemerkt, dass er fotografiert wurde, sagte Ciplak. "Ich habe nur meine Arbeit gemacht."


Ailan war zusammen mit seiner Mutter Rihana und seinem fünfjährigen Bruder Galip bei der Flucht über das Mittelmeer ums Leben gekommen, als ihr Schlauchboot kenterte. Der Vater Abdullah Kurdi überlebte. Er kehrte nach dem Unglück ins syrische Kobane zurück, wo seine Angehörigen beerdigt wurden. In der Türkei sind seit Donnerstag fünf mutmaßliche Schlepper festgenommen worden, die für das Bootsunglück verantwortlich sein sollen.

tis / AFP