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Polizeieinsatz beim "Borchardt": Umarmung trotz Corona-Regeln: FDP-Chef Lindner bedauert "Fehler"

Am Freitagabend ist es zu einem Polizeieinsatz am "Borchardt" gekommen, offenbar zu viele Gäste hatten sich in dem Berliner Promi-Restaurant getummelt. Darunter auch FDP-Chef Christian Lindner, der jetzt in die Kritik gerät.

Christian Lindner, Partei- und Bundestagsfraktionsvorsitzender der FDP

Christian Lindner, Partei- und Bundestagsfraktionsvorsitzender der FDP

DPA

Nach Wochen strikter Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus macht sich Deutschland langsam wieder locker, zahlreiche Beschränkungen werden von den Bundesländern zurückgeschraubt. Seit Freitag ist in Berlin etwa das Essen in Restaurants wieder möglich. Dementsprechend groß war der Andrang an Gästen – offenbar zu groß, zumindest im "Borchardt" in Berlin-Mitte.

Am Freitagabend ist die Polizei bei dem Promi-Restaurant angerückt. Bis zu 300 Personen hätten sich in dem Lokal aufgehalten, so ein Polizeisprecher auf Nachfrage des stern, daher sei eine Ordnungswidrigkeitsanzeige wegen Nichtbeachtung des Mindestabstandes eingeleitet worden. Zunächst hatte die "B.Z." über den Vorfall berichtet. Der Hinweis sei telefonisch von einem Zeugen eingegangen, so ein Sprecher zum stern.

FDP-Chef Lindner: "Umarmung war ein Fehler"

Für Schlagzeilen sorgte auch ein Foto von besagtem Abend, das von der "B.Z." veröffentlicht wurde. Darauf zu sehen, unter anderem: Der FDP-Parteivorsitzende Christian Lindner, wie er seinen Bekannten Steffen Göpel umarmte, seines Zeichens Unternehmer und Honorarkonsul von Weißrussland. Sie verstießen damit gegen die Abstandsregeln. Auch Mundschutz trug der Politiker dabei nicht, seine Maske hing ihm unter dem Kinn. Das Bild wurde in sozialen Netzwerken zahlreich geteilt und kommentiert, mitunter kritisch bis spöttisch.

Gegenüber dem "Spiegel" bedauerte Lindner die Umarmung. "Die spontane Umarmung bei der Verabschiedung war ein Fehler, wie er unter Freunden nach einem Abend leider passiert", wurde der FDP-Chef vom Nachrichtenmagazin zitiert. Das sei "kein Vorsatz" gewesen, sondern eine "Unkonzentriertheit". Am Ende "bleibt man Mensch", so Lindner zum "Spiegel".

Lindner ist nicht der einzige Politiker, der gegen die Maßnahmen verstoßen hat. So hatte etwa Michael Kretschmer (CDU), Ministerpräsident von Sachsen, bei einer Diskussion seinen Mund-Nasen-Schutz bewusst nicht getragen. Während Bodo Ramelow (Die Linke), Ministerpräsident von Thüringen, womöglich unzulässig an einer Beerdigung teilgenommen hatte

"Borchardt"-Betreiber: "Wir haben uns aber an alle Maßnahmen gehalten"

"Die Beamten sagten uns, dass jemand angerufen habe, und sich beschwert hätte, dass die Abstände bei uns nicht eingehalten würden", wurde Roland Mary, Betreiber des "Borchardt", von der "B.Z." zitiert. "Wir haben uns aber an alle Maßnahmen gehalten. Weniger als die Hälfte unserer Plätze waren besetzt." Man dürfe aufgrund der Auflagen nur bis 22 Uhr geöffnet haben, die Polizei sei allerdings um 22.10 Uhr angerückt. "Wir haben das Borchardt dann auch sofort geschlossen." Als Konsequenz ziehe man aus dem Vorfall, dass die letzte Essensbestellung nur noch bis 21 aufgenommen werde.

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie hatten sich Bund und Länder zuletzt darauf verständigt, dass die Bundesländer über die schrittweise Öffnung des öffentlichen Lebens in eigener Verantwortung entscheiden. Sie sollen die regionale Entwicklung der Infektionszahlen berücksichtigen. Die Lockerungen erfolgen in aller Regel unter Auflagen wie Abstands- und Hygienebestimmungen. Zudem gilt weiterhin die bundesweite Maskenpflicht in Handel und Nahverkehr.

Quellen: "B.Z.", "Spiegel"

fs