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Mysteriöse Funde weltweit Die Geschichte der Monolithen, die eigentlich gar keine sind

Monolith: Neue Metallsäule taucht vor Shop auf – und wird sofort gestohlen
Sehen Sie im Video: Nächste Metallsäule taucht vor US-Geschäft auf – und wird ebenfalls gestohlen.




Der Inhaber eines Süßigkeitenladens aus Pennsylvania wollte die Aufregung um die merkwürdigen "Metall-Monolithen" ausnutzen. Vor dem Grandpa Joe's Candy Shop in Pittsburgh stellte er am Donnerstag eine Säule auf. Lange konnten sich der Ladenbesitzer und Selfie-Jünger aber nicht freuen – über Nacht wurde der Marketing-Gag von Unbekannten gestohlen. Allerdings gab es am Wochenende schon wieder Ersatz. Dem Ladenbesitzer zufolge hat er die Säule aus Spaß aufgestellt – und um ein wenig Werbung für all die kleinen Geschäfte zu machen, die während der Corona-Pandemie zu kämpfen haben.
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Mitte November finden Biologen in Utah zufällig eine mysteriöse Metallsäule. Danach tauchen in mehreren Ländern ähnliche Objekte auf. Mancher vermutet Aliens dahinter, die meisten Erklärungen dürften ziemlich irdisch sein. Doch ein bisschen Rätselraten bleibt.

Angefangen hat alles beim Schafe zählen. Dickhornschafe, um genau zu sein. Das Naturreferat im US-Bundesstaat Utah wollte wissen, wie viele davon die örtliche Wüstengegend ihr Zuhause nennen. Also startete Mitte November ein Hubschrauber zum Überflug. Doch die Biologen entdeckten weitaus Spannenderes als ein paar Paarhufer. In einer Schlucht, buchstäblich mitten im Nirgendwo, ragte ein rund vier Meter hoher, metallener Gegenstand aus dem Boden. Mit glatten Kanten und ohne Inschrift oder Hinweis auf seinen Erbauer glänzte er in der Sonne. Das kam den Beamten so seltsam vor, dass sie eine Pressemitteilung samt Fotos des Objektes ins Netz luden – da nahm die Sache ihren Lauf.

Wer steckte hinter dem Bauwerk, das ein bisschen an eine Säule aus dem Film "2001 – Odyssee im Weltraum" erinnert? In Stanley Kubricks Meisterwerk waren Außerirdische am Werk. Auch die Behörde in Utah konnte sich einen Alien-Witz in der Pressemitteilung auch nicht verkneifen. Es sei illegal, so ein Bauwerk auf öffentlichem Grund zu errichten, "egal von welchem Planeten man stammt".

Der rätselhafte Metallblock ist drei bis vier Meter hoch
Der rätselhafte Metallblock ist drei bis vier Meter hoch
© Utah Department of Public Safety Aero Bureau

Wer oder was hat die Metallsäule dort aufgestellt?

Steckten wirklich Außerirdische dahinter? Oder doch ein irdischer Künstler? Oder war das ganze eine Promo-Aktion für einen Film, eine Serie oder ein neues Musikalbum? Die Geschichte vom mysteriösen "Monolithen" ging um die Welt. Die Bezeichnung ist allerdings – auch von den Behörden in Utah selbst verwendet – streng genommen nicht korrekt. Der Duden weiß dazu: "Mo­no­lith, der – Steinsäule, Obelisk oder Ähnliches aus einem einzigen großen Steinblock." Ein Gesteinsblock also, vielleicht auch eine aus einem solchen geformte Skulptur. Der "Monolith" von Utah, er ist also eigentlich gar keiner.

Ob nun Monolith oder nicht, das Objekt fasziniert. Zwar vermieden es die Behörden in Utah ausdrücklich, den genauen Standort mitzuteilen. Schaulustige könnten sich auf dem Weg dorthin in der Wüste verirren, befürchtete man. Doch die Fotos reichten findigen Menschen aus und so tauchten nach wenigen Stunden bereits die Koordinaten der Säule auf Reddit auf. Einige Tage später berichtet ein Fotograf von insgesamt 70 Fahrzeugen, die er an nur einem Tag dort in der Wüstengegend gesehen haben will, alle auf dem Weg zum Ort des Mysteriums.

Das wiederum passte manchen nicht, die diese Region ihr Zuhause nannten. Und so tauchten nur wenige Tage nach ihrer Entdeckung vier Männer an der Metallsäule auf, schubsten sie um und schafften sie mit einer Schubkarre davon. "Das passiert, wenn man seinen Dreck in der Wüste lässt", sollen sie noch verdutzten Zeugen vor Ort zugeraunt haben. Wenig später erschien ein Bekennervideo online. Ein Sportler, in der Region vor allem als Slackliner und Basejumper bekannt, hatte das Objekt mit seinen Komplizen entwendet. Der Umwelt wegen, wie er sagt. Zu viele Schaulustige hätten die Region verdreckt.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich das Phänomen schon weit über die Grenzen von Utah hinaus entwickelt. Überall auf der Welt entdeckten Menschen auf einmal die metallenen Objekte, alle in Form, Farbe und Größe dem ursprünglichen ähnlich. Zunächst tauchte einer in Rumänien auf, dann in Kalifornien, Großbritannien, zuletzt in Spanien, den Niederlanden und, nun ja, dann auch im hessischem Sulzbach.

Eine konzertierte außerirdische Aktion? Wohl kaum. Es sei denn, es waren stümperhafte Aliens am Werk. Die Skulptur in Rumänien hatte ein äußerst dilettantisch geschweißte Naht am Rand. Außerirdische Intelligenz eher Fehlanzeige. Die Konstruktion in Spanien wurde schon mehrfach vom Wind umgeblasen und in Sulzbach stellte man nüchtern fest: "Die Holzkonstruktion aus dem Inneren ist sehr irdisch."

Künstler wollen's gewesen sein – und Kasse machen

Vergangene Woche behauptete der Künstler Matty Mo, er und sein Kollektiv The Most Famous Artist hätten sich das Ganze ausgedacht. Ganz uneigennützig schien diese Bekanntmachung jedoch nicht. Für schlappe 45.000 US-Dollar könne man Nachbauten der Säulen bei ihnen erwerben, ließen sie verlauten. Und auch andere ritten die "Monolith"-Welle: Auch in Kalifornien wollten vier Bastler das Objekt errichtet haben.

Die wohl naheliegendste Erklärung dafür, dass das Phänomen globale Ausmaße annahm, sind also Trittbrettfahrer. Publicity-Stunts, um Touristen in die Region zu locken oder einfach ein paar Lümmel, die lustig sein wollten. Vermutlich von beidem ein bisschen. 

Monolith aus Utah jetzt in Rumänien?

Das einzig wirkliche Rätsel bleibt also die ursprüngliche Metallsäule in Utah. Die stand dort nämlich schon eine ganze Weile, bevor sie entdeckt wurde. Via Google Earth lässt sich zurückverfolgen, dass sie irgendwann zwischen August 2015 und Ende Oktober 2016 in der Wüste errichtet worden sein muss. Das widerspricht auch Matty Mo, der sein angebliches Werk damit begründet hatte, das Verwirrspiel um Außerirdische sei doch ein passendes Ende für dieses Jahr. Ob er sich das schon vor vier Jahren überlegt hat? Vermutlich nicht.

Also ein anderer Künstler? Würde der nicht irgendeinen Hinweis auf seine Urheberschaft hinterlassen? Und überhaupt: Die Stele wurde nur durch Zufall entdeckt, rund fünf Jahre nachdem sie inmitten der Wüste errichtet wurde. Wer immer das getan hatte, konnte nicht damit rechnen, dass sie gefunden wird. Auch PR-Aktionen erscheinen daher sehr unwahrscheinlich.

So muss man sich für den Moment vermutlich damit abfinden, dass man das Rätsel des mysteriösen "Monolithen" nicht wird lösen können. 

Die Behörden in Utah aber konnten zumindest ihr kleines "Rätsel" lösen, das am Anfang all der Aufregung stand. Die Frage nämlich, wie es den Dickhornschafen in der Region geht. "Gut", bestätigt ein Sprecher des Naturreferats der "New York Times". "Es ist eine robuste Population." Na immerhin.

Quellen:Utah Department of Public Safety / Hessenschau.de / Artnews / "New York Times" / Duden


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