Donau-Flut "Wir sind Opfer der Behörden"


In Rumänien sind 10.000 Menschen auf der Flucht vor der Donau-Flut. Sandsäcke müssen teilweise auf Pferdewagen zu den geborstenen Deichen transportiert werden, ein weiterer Dammbruch verschärft die Lage.

Ein neuer Dammbruch an der Donau hat die Lage im rumänischen Hochwassergebiet weiter verschärft. Hunderte Helfer versuchten, die Bruchstelle in der Ortschaft Bistret im Westen des Landes zu reparieren. Währenddessen bereiteten sich 10.000 Menschen darauf vor, evakuiert zu werden.

Durch kontrollierte Überflutungen hatten die Behörden am Montag Millionen Kubikmeter Wasser in unbewohnte Gebiete abgeleitet, der Wasserstand sank danach um wenige Zentimeter. Zwei weitere Deichdurchbrüche am Borcea-Arm sowie oberhalb von Tulcea sollen die Hochwasserlage weiter entschärfen. Dass dabei Felder und Viehweiden zerstört werden, sei zweirangig. "Wir müssen in erster Linie Menschenleben retten", sagte der rumänische Innenminister Vasile Blaga.

Bewohner warfen den Behörden vor, sie nicht ausreichend über die gefährliche Lage informiert zu haben. "Wir sind Opfer der Behörden", sagte eine 53-jährige Frau. "Drei Tage haben sie uns erzählt, dass die Lage unter Kontrolle sei. Jetzt können wir nur noch auf die Gnade Gottes hoffen."

Soldaten transportierten mit Lastwagen Sandsäcke, um die Bruchstelle im Deich zu sichern. Unterstützt wurden sie dabei von Bewohnern, die mit Pferdefuhrwerken ebenfalls Sandsäcke an den Deich brachten.

Bereits während der Ostertage mussten in den nahe gelegenen Ortschaften Rast und Negoi mehr als 3000 Menschen nach einem Dammbruch in Sicherheit gebracht werden. In Rast wurden nach Angaben der Behörden mehr als 600 Wohnhäuser überflutet, 115 stürzten ein. Mehr als 150 Häuser standen den Angaben zufolge in Negoi unter Wasser. Auch eine wichtige Straßenverbindung wurde überflutet.

Bis Dienstag wurden aus den Hochwassergebieten insgesamt etwa 5000 Menschen in Sicherheit gebracht, wie Innenminister Blaga mitteilte. Nahezu 40.000 Hektar Land, eine Fläche von der Größe Kölns, seien überflutet und 18 Brücken zerstört worden.

Der Wasserdruck der Donau erreichte nach Angaben des rumänischen Umweltministeriums etwa 15.800 Kubikmeter pro Sekunde, doppelt so viel wie sonst zu dieser Jahreszeit üblich. Im Hafen von Galati im Osten des Landes erreichte der Pegel am Dienstag mehr als sechs Meter und lag damit knapp unterhalb der Rekordmarke aus dem Jahr 1897 von 6,50 Metern.

Scheitelwelle wird in den nächsten Tagen erwartet

Die Scheitelwelle der Donau wird erst in den nächsten Tagen in Rumänien und Bulgarien erwartet. Flussaufwärts, in Serbien, ging der Wasserstand dagegen am Dienstag weiter zurück. Tausende Helfer waren jedoch weiterhin im Einsatz, um Dämme zu sichern und Sandsäcke zu stapeln. Ärzteteams und Inspektoren der Gesundheitsbehörden wurden in die Hochwassergebiete entsandt, um einer möglichen Seuchengefahr vorzubeugen.

Für Mittwoch und Donnerstag sind starke Regenfälle in Rumänien angekündigt. Bei 25 bis 60 Litern Regen pro Quadratmeter werden die Binnenflüsse den Wasserstand der Donau um 10 bis 15 Zentimeter anwachsen lassen, warnte Umweltministerin Sulfina Barbu. Ein Ende des Hochwassers ist in Rumänien vorerst nicht abzusehen: Die Donau braucht zwei Wochen, um die 1050 Kilometer bis ins Donaudelta zurückzulegen - und aus Mitteleuropa drängt weiterhin Wasser nach.

AP/DPA AP DPA

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