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Explosion in Marcoule: Behörde erklärt AKW-Unfall für beendet

Ein Toter, vier Verletzte, aber keine freigesetzte Radioaktivität: Die französische Atomaufsicht schließt die Explosion in der Atomanlage Marcoule als Unfall ab. Die Ursache ist noch unklar.

Auf dem Gelände des Atomkraftwerks Marcoule im französischen Rhônetal hat sich am Montag eine Explosion ereignet, bei der ein Mensch ums Leben gekommen ist. Vier weitere Personen wurden verletzt. Am Nachmittag erklärte die französische Atomaufsichtsbehörde ASN den Unfall offiziell für beendet: "Es gibt keine Radioaktivität und keine Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung", sagte ein Sprecher. Der Krisenstab wurde wieder aufgelöst.

Zuvor hatte das französische Innenministerium bekräftigt, dass keine Radioaktivität freigesetzt worden sei. Die Opfer seien durch die Explosion verletzt und nicht verstrahlt worden, sagte ein Ministeriumssprecher. Es habe keine Evakuierung gegeben.

"Gebäude ist intakt"

Es werde auch nicht mehr damit gerechnet, dass noch Radioaktivität austreten könnte, sagte ein Sprecher der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) unter Berufung auf seine französischen Kollegen. "Das Gebäude, in dem sich dieser Ofen befindet, ist intakt."

Die Explosion ereignete sich in einem Verbrennungsofen für schwach radioaktive Abfälle, sagte eine Sprecherin der Atomanlage. Die Ursache ist noch unbekannt. "Es handelt sich um einen Industrieunfall, nicht um einen Atomunfall", sagte ein Sprecher des staatlichen Stromkonzerns EDF. Zu den schwach radioaktiven Abfällen zählen unter anderem Kleidung von Arbeitern sowie Metalle und Beton.

Frankreich hält an Atomstrom fest

Die Anlage wird zum Teil von für die Aufarbeitung abgebrannter Uran-Brennstäbe genutzt, aus denen in Öfen das hoch gefährliche Uran-Plutonium-Gemisch MOX produziert wird. Die Nuklearanlage Marcoule rund 30 Kilometer nördlich von Avignon besteht aus mehreren kleineren Reaktoren, die allesamt stillgelegt sind. Das letzte Kraftwerk, ein sogenannter Schneller Brüter, stellte 2010 den Betrieb ein.

Frankreich ist mit 58 Reaktoren der größte Atomstromproduzent Europas. Auch nach dem Unglück von Fukushima hält die Regierung an der Atomkraft fest und verweist auf die Sicherheit französischer Atomkraftwerke.

swd/fw/AFP/DPA/Reuters / DPA / Reuters