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Flutkatastrophe auf dem Balkan Wassermassen setzen Minen aus dem Krieg frei


Auf dem Balkan reißt des verheerende Hochwasser Dutzende Menschen in den Tod. Vor allem Serbien und Bosnien-Herzegowina sind betroffen. Die Fluten bringen eine neue Gefahr mit: Landminen.

Das verheerende Hochwasser auf dem Balkan hat Dutzende Menschen in Serbien und Bosnien-Herzegowina in den Tod gerissen. Zehntausende Menschen sind auf der Flucht. Aber die Wassermassen sind nicht die einzige Gefahr, die die Flut mit sich bringt. Landminen werden zu einer immer größeren Bedrohung. Das Minenaktionszentrum MAC warnte die Bevölkerung am Sonntag, dass Sprengkörper aus dem Krieg in den 90er Jahren Hunderte Kilometer unter anderem bis zum Schwarzen Meer geschwemmt werden könnten. Aus dem Krieg zwischen Serben, Kroaten und Muslimen liegen noch rund 120.000 Landminen in Bosnien-Herzegowina. Immer wieder kommt es zu tödlichen Unfällen. Die Gegenden um Doboj und Olovo, die jetzt besonders vom Hochwasser betroffen sind, sind noch stark vermint.

Wegen des Hochwassers auf dem Balkan befürchten die Behörden in Bosnien-Herzegowina nun auch den Ausbruch von Seuchen. Bei steigenden Temperaturen könnte von Tierkadavern verunreinigtes Wasser zum Ausbruch von Krankheiten wie Typhus oder Hepatitis führen, sagte der Leiter des Gesundheitsamts in Sarajevo am Montag dem bosnischen Fernsehen. In erster Linie gehe es nun darum, eine sichere Wasserversorgung zu gewährleisten.

Unterdessen steigen die Opferzahlen. Allein in der Stadt Doboj im Norden von Bosnien-Herzegowina brachten Einsatzkräfte bis Sonntag 20 Opfer in die städtische Leichenhalle, wie Bürgermeister Obren Petrovic sagte. In anderen Orten gab es mindestens sieben weitere Todesopfer. Im serbischen Obrenovac nahe Belgrad bargen Helfer zwölf Leichen.

Weitere Flutwelle erwartet

In der bos­nisch-her­ze­go­wi­nischen Stadt Doboj steht das Wasser stellenweise noch bis zu vier Meter hoch. "Höchste Priorität hat jetzt das Auffinden der Toten", sagte Bürgermeister Petrovic. Man müsse herausfinden, wie viele Menschen in den Fluten umkamen: "Es werden viele Tote sein."

Unter anderem war der Fluss Sava nach tagelangen Regenfällen extrem angeschwollen. Nach mehr als zwei Tagen drangen Rettungskräfte in die Stadt Samac vor. "Das ist die totale Verwüstung, es sieht vom Hubschrauber wie ein Meer aus", sagte Bürgermeister Savo Minic.

Der serbische Ministerpräsident Aleksandar Vucic sprach von insgesamt 15 Toten in seinem Land, äußerte aber die Befürchtung, die Zahl könne weiter steigen. In den Städten Sabac, Mitrovica und Kostolac sei die Hochwasserlage unter Kontrolle, teilten die Einsatzkräfte mit. Die Flutwelle der Sava erreichte am Sonntagabend die Hauptstadt Belgrad. Ein weitere Welle wird bis zur Wochenmitte erwartet.

In KR starb ein Mann in einem zusammenbrechenden Haus. Die Tageszeitung "Vecernji List" berichtete, nur wenige Minuten zuvor sei eine Frau aus dem Haus gerettet worden.

ivi/DPA DPA

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