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Flutkatastrophe: Immer mehr Touristen unter den Toten

In den auch bei deutschen Urlaubern beliebten Gebieten in Thailand werden immer mehr Leichen ausländischer Touristen geborgen. Die Zahl der Opfer ist inzwischen auf über 120.000 angestiegen.

Bis Freitag wurden in Thailand mindestens 2230 Ausländer tot geborgen, damit handelt es sich bei jedem zweiten Opfer in dem Land um einen Ausländer. Allein im Urlaubsparadies Khao Lak starben mindestens 1927 Ausländer. Der Ort ist insbesondere bei deutschen und skandinawischen Touristen beliebt. Fünf Tage nachdem die Flutwelle Küstengebiete in Thailand überschwemmt hat, wurden noch mindestens 5000 Europäer vermisst. Darunter waren 2500 Schweden und deutlich mehr als 1000 Deutsche. 300 verletzte Deutsche seien registriert worden, teilte der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Klaus Scharioth, am Freitag in Berlin mit. Bisher seien 5700 deutsche Urlauber in die Heimat zurückgebracht worden, 1000 weitere sollten am Samstag folgen. Die Zahl der identifizierten deutschen Flut-Toten ist auf 34 gestiegen, 27 davon in Thailand, sieben in Sri Lanka.

"Sie bringen immer mehr", sagte Freiwilliger in einem zum Leichenschauhaus umfunktionierten Tempel nahe dem Strand von Khao Lak. Lastwagenweise kamen dort Leichen von Thailändern und ausländischen Touristen an. Viele Leichen sind durch die Tage im Wasser aufgebläht und durch die Hitze bereits stark verwest. Umweltminister Suwit Khunkitti rief Unternehmen dazu auf, für die Lagerung der Leichen Kühlcontainer zur Verfügung zu stellen. "Viele Firmen schließen über die Feiertage. Schickte bitte Kühlcontainer oder Trockeneis, damit wir die verwesenden Leichen lagern können", sagte Suwit am Freitag im Rundfunk.

130.000 Tote in Indonesien und Sri Lanka befürchtet

Allein in Indonesien und Sri Lanka wird die Zahl der Toten inzwischen auf 130.000 Menschen geschätzt. Die indonesische Regierung befürchtet inzwischen 100.000 Tote, offiziell bestätigt waren zunächst knapp 80.000 Opfer. Im besonders schwer betroffenen Nordwesten der Insel Sumatra würden immer noch weitere Leichen gefunden, sagte Gesundheitsministerin Siti Fadillah Supadi am Freitag. In Sri Lanka bestätigte das Büro der Präsidentin 28.475 Tote, 4872 Menschen wurden noch vermisst. Die beiden Länder sind am schwersten von der Katastrophe betroffen.

Weiterhin Seuchengefahr

In Indonesien warnten Rettungskräfte vor dem Ausbruch von Seuchen und einer Hungersnot, sollten dringend benötigte Hilfsgüter nicht schnellstens zu den Überlebenden gelangen. "Wenn Nahrungsmittel und Medikamente nicht innerhalb von zwei Tagen hier eintreffen, werden Hunger und Krankheiten über die Gegend hereinbrechen", sagte der Helfer Humam Hamid in der verwüsteten Provinzhauptstadt Banda Aceh.

Nach den Worten des Chefs des Indonesischen Roten Kreuzes in Aceh, Sanusi Maha, werden zehntausende weitere Helfer in der Krisenregion benötigt. Regierungsangaben zufolge verzögert vor allem der Mangel an Einsatzkräften die Auslieferung von Hilfsgütern.

Nationaler Trauertag in Sri Lanka

In Sri Lanka rechneten Katastrophenhelfer kaum noch damit, Überlebende zu finden. Fast zwei Drittel der Küste der Urlaubsinsel war von den verheerenden Flutwellen am Sonntag getroffen worden. Helfer berichteten, dass Hilfslieferungen geplündert wurden. In Sri Lanka war am Freitag nationaler Trauertag. Im ganzen Land wehten weiße Trauerflaggen. Alle Silvester-Feierlichkeiten wurden abgesagt.

Nach dem Tsunami-Alarm in Indien gab das Innenministerium in Neu Delhi Entwarnung. In einer Mitteilung des Ministeriums hieß es, das indische Meteorologische Institut sehe derzeit keine Seebeben-Gefahr. Die Bundesstaaten an den Küsten sollten aber weiter wachsam sein. Der Alarm hatte zu massiver Panik an den Küsten in Indien und Sri Lanka geführt.

Die zu Indien gehörende Inselgruppe der Andamanen und Nikobaren sind anscheinend nicht so schwer betroffen wie zunächst befürchtet. "Unsere Hubschrauber und Marineschiffe haben bestätigt, dass die exotischen Stämme (...) alle sicher sind", sagte der Chef der Küstenwache, Arun Kumar Singh, der Zeitung "The Telegraph" vom Freitag. Unklar ist bislang, wie viele tote Eingeborene zu beklagen sind.

Reuters/DPA / DPA / Reuters