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Flutkatastrophe in Pakistan: Wassermassen bedrohen am dichtesten besiedelte Provinz

Die Pegel im Nordwesten Pakistans gehen langsam zurück - die Lage der rund drei Millionen Flutopfer bleibt jedoch verheerend, da Hilfe kaum ankommt. Zudem droht angesichts unvermindert anhaltender Regenfälle nun die bevölkerungsreichste Region des Landes unterzugehen.

Von den schwersten Überschwemmungen in Pakistan seit Menschengedenken sind nach Einschätzung von Unicef mehr als drei Millionen Menschen betroffen. Bei 1,3 Millionen sei die Lage sehr ernst, sagte ein Sprecher des UN-Kinderhilfswerks am Dienstag. Tausende Opfer warten weiter auf dringend benötigte Hilfe. Die Mitarbeiter der internationalen Hilfsorganisationen versuchen unvermindert, in schwer erreichbare Bergregionen durchzukommen, berichtet das Deutsche Rote Kreuz. Die Wassermassen haben jedoch viele Brücken und Straßen mitgerissen.

"Nun kommt es darauf an, die Menschen schnell mit Trinken, Essen und Medizin zu versorgen", sagte Dirk Kamm, Leiter des DRK-Büros in der pakistansischen Hauptstadt Islamabad. Er warnte, dass sich Seuchen wie die Cholera schnell ausbreiten könnten. In den Fluten schwimmen unter anderem Tierkadaver. Außerdem sei das Wasser eine Brutstätte für Anopheles-Mücken, die Malaria übertragen.

Der Regen lässt nicht nach

Dem Unicef-Sprecher zufolge gehen die Überschwemmungen in einigen besonders stark betroffenen Gegenden im Nordwesten des Landes zwar zurück. Es sei aber zu befürchten, dass sich das Wasser von der am schlimmsten überfluteten Region Khyber-Pakhtunkhwa in das pakistanische Punjab ausbreiten könne. Dies ist die bevölkerungsreichste Provinz Pakistans und die wichtigste Region für die Erzeugung von Lebensmitteln.

Erste Dörfer wurden bereits überschwemmt. Zudem droht einer der größten Staudämme des Landes überflutet zu werden. Der Pegel am Warsak-Damm, dem drittgrößten in Pakistan, steigt unaufhörlich. In Punjab hätten bereits 50.000 Menschen ihre Häuser verlassen müssen, so der Unicef-Sprecher. Auch die Sindh-Region sei bedroht, hier seien 200.000 in Sicherheit gebracht worden. Sollte es weiter starke Monsun-Regenfälle geben, wie von den Behörden prognostiziert, dürften 19 der 23 Provinzen in Sindh ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen werden.

Bislang mehr als 1400 Tote

Die Behörden gehen davon aus, dass die Zahl der Toten weiter steigen wird. Nach Angaben von Unicef kamen bislang mehr als 1400 Menschen ums Leben. Hilfsorganisationen und Regierungsvertreter wollten Malik zufolge am Dienstag entscheiden, ob sie einen Hilfsappell an die internationale Gemeinschaft richten. Bislang kümmern sich vorwiegend islamistische Wohltätigkeitseinrichtungen um die Opfer.

joe/Reuters/DPA/APN / DPA / Reuters