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Germanwings-Absturz Hinterbliebene schreiben bösen Brief an Lufthansa-Chef


Sie wünschen sich eine Entschuldigung - und mehr Geld: Die Angehörigen der Germanwings-Opfer haben sich mit einem Wut-Brief an Lufthansa-Chef Carsten Spohr gewandt. Sie werfen ihm schwere Versäumnisse vor.

Die Angehörigen der Opfer des Germanwings-Unglücks haben einen Brief an Lufthansa-Chef Carsten Spohr verfasst, in dem sie ihm schwere Vorwürfe machen. Das Schreiben soll heute über den Opferanwalt Elmar Giemulla veröffentlicht werden, die "Bild"-Zeitung zitierte vorab aus dem Schreiben.

Die Lufthansa ist die Muttergesellschaft von Germanwings - deshalb richtet sich der Unmut gegen den Chef der Lufthansa. Die Maschine war am 24. März in den südfranzösischen Alpen zerschellt – nach jetzigen Erkenntnissen, weil der Co-Pilot Andreas Lubitz die Maschine absichtlich gegen einen Berg steuerte.

Dem "Bild"-Bericht zufolge werfen die Hinterbliebenen Spohr vor, nicht zu seiner Verantwortung zu stehen. Die 32 Väter und Mütter der getöteten Schüler und Lehrerinnen aus Haltern am See sowie die Partner der getöteten Lehrerinnen fühlen sich von Spohr im Stich gelassen. "Herr Gauck, Frau Merkel und Frau Kraft haben mit uns gesprochen. Sie nicht. Sie waren für unsere Kunden da, nicht für uns."

Keine Entschuldigung der Lufthansa

Außerdem habe die Lufthansa sich nie entschuldigt. Das hätten die Hinterbliebenen allerdings erwartet: "Eine Entschuldigung dafür, dass von Ihrem medizinischen Dienst bei den Kontrollen der Aktenvermerk über die Vorerkrankung des Piloten nicht beachtet worden ist." Oder dafür, dass die Lufthansa sich gegen ein ständiges Vier-Augen-Prinzip im Cockpit entschieden habe. Da es diese Regelung zum Zeitpunkt des Unglücks noch nicht gab, konnte Co-Pilot Andreas Lubitz seine tödlichen Absichten überhaupt erst in die Tat umsetzen.

Es geht um Geld

Die Lufthansa zahlte den Angehörigen der Opfer wenige Wochen nach dem Unglück Soforthilfen aus - 50.000 Euro pro Opfer. Nach Meinung der Hinterbliebenen keine ausreichenden Summen. "Das Leben eines jeden unserer Kinder und unseren Schmerz mit fünfundvierzigtausend Euro zu bemessen, beleidigt uns und vor allem unsere Kinder zutiefst."

Mit Geld sei der Schmerz nicht zu heilen, stellen sie in dem Brief klar. Aber: "All die Zeit und das Geld, das wir für die Jahre unserer Kinder verwendet haben [...]: Wenigstens das muss ersetzt werden."Die Lufthansa könne den Hinterbliebenen "ein klein wenig der alltäglichen Lebenssorgen nehmen, die uns in unserem Schmerz zusätzlich belasten."

kis

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